Sicht Felix
Seit dem Streit mit Stegi konnte ich nicht mehr schlafen. Ich wollte nicht mehr essen und trinken und bin Freitag nicht im Unterricht gewesen. Ich durfte im Zimmer von Alex unterkommen und saß nur da und dachte nach. Den ganzen Tag, saß ich auf dem Bett. Starrte Löcher in die Luft. Dachte nach. Konnte nur an Stegi denken. ,,Kommst du mit Essen?'', fragte Alex mich und ich schüttelte den Kopf. ,,Felix, ich weiß es ist kacke grade, aber du musst was essen. Also schieb jetzt deinen Arsch aus dem Bett und zieh dich an. Du kommst jetzt mit'' ,,Dann frag nicht'', erwiderte ich, stand jedoch wirklich auf und schlenderte langsam hinter Alex her. In der Cafeteria angekommen, sah ich Tim der grade Kaffee kaufte. Sollte ich es wagen? Sollte ich ihn fragen wegen Stegi? Ich stand auf, mein Körper hatte die Kontrolle übernommen und steuerte mich direkt zu Tim.
Nach der Unterhaltung
Traurig ging ich weg. Ich wollte niemanden sehen. Nur Stegi. Ich wollte, dass endlich wieder alles gut ist. Ich wollte wieder sein bester Freund sein. Wollte mit ihm lachen. Wie sehr ich sein Lachen vermisste. Patrick hatte mich die letzten Tage in Ruhe gelassen. Ich schlurfte auf den Pausenhof und setzte mich auf eine der Holzbänke. Die Sonne schien in mein Gesicht und ich schloss die Augen. Das Gezwitscher der Vögel kam mir weniger fröhlich, die Sonnenstrahlen weniger warm vor. Generell wirkte die Welt kalt und trist. Ich schaute auf den Boden und meine Augen füllte sich mit Tränen. Wie konnte ich nur so dumm sein? Wieso habe ich Stegi nicht längst etwas davon erzählt? Ich hätte all das vermeiden können. Doch das habe ich nicht, weil ich zu sehr Angst vor Stegis Reaktion hatte. Ich raufte mir die Haare und stand auf. Um mich herum hörte ich die anderen Schüler lachen und plaudern doch mir war nicht danach zumute. Allgemein, wie konnten sie nur so glücklich sein, wenn ich es nicht war? Was fiel ihnen eigentlich ein, mir ihr Glück so unter die Nase zu reiben. Ich wischte mir sauer die Tränen aus dem Gesicht und stampfte davon. Ich musste meinem Ärger Luft machen sonst drehe ich hier noch durch.
Sicht Stegi
Der Orangensaft von Tim, beruhigte meinen Magen ein wenig. Ich seufzte und holte tief Luft. Es fühlte sich gut an wenn man nicht mehr durchgehend das Gefühl hatte, sich übergeben zu müssen. Ich schmiss die leere Flasche in den Mülleimer und stand vorsichtig auf. Tim warf mir eine Jogginghose zu und ich wühlte unter meinem Bett nach einem T-Shirt. Sebastian stichelte weiter, dass ich so betrunken war doch ich lachte einfach mit und schaute sie beide mit Hundeblick an. Tim wuschelte meine Haare durch und ich grinste. ,,Was machen wir heute?'', fragte ich und sah hoffnungsvoll in die Gesichter von Tim und Sebastian. Beide zuckten die Schultern und so vereinbarten wir, im Gemeinschaftsraum ein wenig Tischkicker zu spielen. Wir schlenderten rüber und öffneten die Tür. Der Raum war bis auf eine Person leer. Und diese eine Person war die, die ich am wenigsten sehen wollte. Felix saß in einem der Sessel und starrte aus dem Fenster. In mir kochte wieder Wut hoch. Ich merkte wie Tim meine Hand griff und fest in seiner hielt. Ich versuchte die Wut runterzuschlucken, doch dies klappte nicht. Felix hatte uns noch nicht bemerkt und ich konnte mich nicht bewegen. Sebastian räusperte sich und Felix schreckte hoch. Er sah sich um und kaum hatte er mich erblickt, füllten sich seine Augen mit Tränen. Sein Blick wanderte zu meiner und Tims verschränkten Hand und dann wieder in mein Gesicht. ,,Tut mir leid, ich geh schon'' Er stand auf und drückte sich an uns vorbei. Eine Weile kochte die Wut noch und dann löste ich meine Hand von Tims und holte tief Luft. ,,Irgendwann musst du mit ihm reden'', meinte Tim und ich schaute ihn böse an. ,,Das muss ich nicht!'' Damit stürmte ich aus dem Raum. Wie konnte man denn nur so wenig Verständnis haben? Ich rannte den Flur entlang und stieß die Türen vom Haupteingang auf. Schnaubend blieb ich stehen und verschaffte mir einen kleinen Überblick. Die Tür des Nebengebäudes war geöffnet und ich lief hin. Drinnen bauten irgendwelche Männer etwas für eine Feier auf und ich konnte in das Lager schauen. Dort standen die ganzen Alkoholflaschen und griff mir eine. Mit der Flasche in der Hand, lief ich weiter zu dem Badesee, welcher sich ganz in der Nähe befand. Ich setzte mich ans Ufer und beobachtete die untergehende Sonne die sich auf der Wasseroberfläche spiegelte. Ich schraubte die Flasche auf und nahm einen tiefen Schluck und verzog das Gesicht. Der Alkohol brannte in meiner Kehle und ich merkte direkt wie mir warm wurde. Ich griff eine Hand Sand und ließ ihn durch meine Finger rieseln. Ich nahm einen Stein und betrachtete ihn. Seine Oberfläche war glatt und er schimmerte ein wenig im Sonnenlicht. Wütend schmiss ich ihn weg. Und plötzlich dachte ich an den letzten Sommer:
Es war ein heißer Tag und ich saß hier mit meinen Freunden Patrick, Freddie und Felix. Wir hatten Bier gekauft und sonnten uns im warmen Licht der Sonne. Felix und Patrick trugen Sonnenbrillen und ich lag auf dem Rücken die Arme hinter meinem Kopf verschränkt. Das Leben war schön. ,,Wer als erster im Wasser ist!'', schrie Felix und wir stellten uns in einer Reihe auf. Patrick schlug Felix gegen den Arm und die beiden nickten sich zu. Plötzlich wurde ich gegriffen, hochgehoben und sie trugen mich ins Wasser wo sie mich letztendlich rein warfen. Ich tauchte auf, schüttelte meine Haare und wir lachten.
Mir liefen Tränen über die Augen und ich wischte sie weg. Ich hatte innerhalb von einem Jahr alle meine besten Freunde verloren. Ein erneuter Schluck aus der Flasche und sie war halb leer. Dann stand ich auf, zog mir das Shirt über den Kopf und ging bis zu den Knien ins Wasser. Ich spürte das kalte Nass auf meiner Haut und ich hob die Flasche und nahm einen letzten Schluck. Ich merkte wie sich alles drehte und ich fühlte mich wie letzte Nacht. Dann ließ ich mich fallen. Unterwasser öffnete ich die Augen und ließ mich auf den Grund treiben. Ich beobachtete wie sich das Wasser in der Oberfläche brach und wollte auftauchen, doch etwas hatte sich in meiner Hose verfangen. Panisch zog ich an meiner Hose doch bekam sie nicht los. Mir wurde langsam schwarz vor Augen und mir ging die Luft aus. Plötzlich griffen mich zwei Hände und zogen mich an die Oberfläche. Ich merkte wie ich an das Ufer gezogen und in den Sand gelegt wurde. Jemand presste auf meine Brust und machte eine Mund zu Mund Beatmung. Es war, als würde ich all das von außen sehen, doch dann war ich zurück in meinem Körper und drehte mich hustend auf die Seite. Als ich meine Augen öffnete, sah ich Felix Gesicht. Er war klatschnass und sah mich schockiert an. Wir sagten nicht, er sah nur zu während ich das Wasser aus meiner Lunge hustete. Als ich mich beruhigt hatte und wieder Luft bekam setzte er sich mit etwas Abstand neben mich. Ich zog mein Shirt über und zog die Knie an. Felix griff neben sich in den Sand und hielt die Flasche in der Hand, die ich geleert hatte. Er sagte jedoch nichts und legte sie wieder weg, nahm dann sein Handy und stand auf. Er drehte mir grade den Rücken zu als ich anfing zu sprechen: ,,Danke, dass du mir geholfen hast.'' Er schaute mich über seine Schulter an und lächelte. Dann ging er und ließ mich allein. Langsam wurde mir kalt und ich ging zurück ins Wohnhaus. Als ich das Zimmer betrat, standen dort Tim und Sebastian. Sie sahen mich schockiert an und Tim fragte: ,, Stegi, was ist passiert? Rieche ich Alkohol? Hast du getrunken?''. Ich beachtete ihn nicht doch er zog mich zu sich. ,,Du gehst sofort duschen!'' Er schob mich Richtung Dusche und Basti kam mit frischen Klamotten hinterher. ,,Darf ich allein duschen oder willst du mitkommen?'', fragte ich pampig und Tim drehte sich um. Basti hatte die Sachen auf dem Waschbecken abgelegt und sich mit dem Rücken zu mir gestellt, direkt neben Tim. Schnell wusch ich mich frei von Sand und dem Seewasser und wickelte mir dann ein Handtuch um die Hüfte. Ich ging vor den beiden lang zum Waschbecken um meine Kleidung zu nehmen. Ich merkte wie sie meinen Körper musterten und innerlich grinste ich. ,,Ich hole dir was heißes zu trinken!'', meinte Tim dann und verließ den Raum. Nun waren nur noch Sebastian und ich da. Ich zog mich schnell an und wir gingen wieder in unser Zimmer. Nach einer Weile kam Tim mit einem heißen Kakao wieder und ich hielt ihn fest umklammert. ,,Und jetzt sagst du uns was passiert ist'', forderte mich Tim auf.
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Stexpert - das ist nicht nur ein Name, sondern ein Lebensgefühl
FanfictionStexpert FF