Sicht Stegi
Es war der Tag der Hochzeit. Ich hatte die Nacht vorher kaum geschlafen. Ich war zu aufgeregt. Am morgen wurde ich von Felix geweckt, er kam ins Schlafzimmer und hatte ein Tablett in der Hand. ,,Guten Morgen Bräutigam.'' Er stellte es auf meinem Schoß ab. ,,Tim kommt auch gleich kurz vorbei. Er holt seinen Anzug ab aber du darfst ihn nicht sehen'', meinte Felix und hob warnend einen Finger. Tim hatte mit Basti zusammen die letzte Nacht in einem Hotelzimmer verbracht. Felix und Basti hatten darauf bestanden, dass wir die Nacht vor der Hochzeit nicht zusammen verbringen dürfen. Ich griff mir das Glas vom Tablett und trank einen Schluck vom Orangensaft. ,,Frisch gepresst'' Felix schaute mich stolz an und ich schenkte ihm ein Lächeln. Er war einfach der beste Freund den man haben konnte. Mir kam Manu in den Sinn und in meinen Augen bildeten sich Tränen. ,,Nein, nicht weinen. Manu würde das nicht wollen. Denk an was schönes'', Felix nahm mich kurz in den Arm und sah auffordernd zum Tablett. Ich nahm das Croissant und bis einmal rein. Die letzten Tage hatte ich kaum gegessen, ich hatte einfach keinen Appetit und auch jetzt konnte ich kaum schlucken. Als ich fertig war und mein Glas leer getrunken war, zog Felix mich aus dem Bett und schob mich ins Badezimmer. ,,Du gehst jetzt erstmal duschen! Ich such dir schonmal alles raus was du gleich brauchst!'' Er schloss hinter mir die Tür und ich stellte mich unter die warme Dusche. Meine Finger zitterten und mein Atem war beschleunigt. Heute wäre es endlich so weit. Heute würde ich Tim endlich heiraten. Er hatte alles geplant. Die Location, den Fotografen, das Essen. Er hatte an alles gedacht, mir all die Arbeit abgenommen, weil er wusste, ich hätte es nicht gekonnt. Mir wurde wieder bewusst, wir selten wir in den letzten Wochen Körperkontakt hatten, wie selten wir uns geküsst hatten. Ich hatte ihn und die anderen ignoriert. Mich in unserem Schlafzimmer eingeschlossen. Doch heute, heute wusste ich ganz genau, er würde alles von mir kriegen. Ich würde ihm alles geben, wollte, dass er glücklich ist. Ich duschte schnell zu ende und trocknete mich dann ab. Ein Blick in den Spiegel verriet mir, dass ich mich lieber nochmal rasieren sollte. Die Ringe unter meinen Augen waren auch nicht ganz ohne, doch was sollte ich dagegen schon tun? Felix klopfte und öffnete die Tür. ,, Ähm also ich hab dir den Anzug hingehängt. Ich mach mich selber mal schnell fertig. Bin also in einer Stunde wieder da'' Ich nickte ihm zu und verteilte Rasierschaum in meinem Gesicht. Schnell aber vorsichtig zog ich die scharfen Klingen über mein Kinn und meinen Kiefer und spülte die Reste dann ab. Ein wenig verzweifelt versuchte ich dann meine Haare ein wenig zu richten, doch es klappte mal wieder nicht. Seufzend schaute ich ein letztes Mal in den Spiegel. Bevor ich in meinen Anzug stieg, sprühte ich mir noch mein Lieblingsparfüm auf den Hals und die Handgelenke. Dann ging ich ins Wohnzimmer. Dort hing ein dunkelblauer Anzug an der Tür. Daneben ein weißes Hemd und eine Fliege. Ich zog die Anzughose und das Hemd an, steckte es in die Hose und schloss den Gürtel. Grad zog ich meine Schuhe an, da ging die Wohnungstür wieder auf und Felix kam rein. Er trug einen grauen Anzug und eine dunkelblaue Krawatte. ,,Wow, du siehst gut aus'', meinte ich und er zwinkerte mir einmal zu. Seine Haare waren perfekt gestyled und er trug eine schicke Armbanduhr. Er legte seinen Autoschlüssel auf die Ablage und kam zu mir. Ich war grad verzweifelt dabei die Fliege zu schnüren, es wollte mir einfach nicht gelingen. ,,Lass mich mal'', meinte Felix und schlug meine Hände weg. Er stellte sich vor mich und band die Fliege mit ein paar flinken Handgriffen. Ich schaute in den großen Spiegel und staunte nicht schlecht. Er nahm das Jacket vom Kleiderbügel und hielt es mir hin. Ich schob meine Arme in die Ärmel und er zog es hoch. Es passte perfekt, schmiegte sich an meine Schultern. ,,Du siehst richtig gut aus. Wenn Tim dich so nicht will, ist er dumm. Ihm werden die Augen aus dem Kopf fallen.'' Wir mussten direkt los, Tim und Basti waren wohl schon da. ,,Also, wir fahren jetzt zur Location, da habt ihr beide ein eigenes Zimmer. Basti und ich müssen dann nochmal kurz weg. Tim wird die Gäste in Empfang nehmen und du bleibst in deinem Raum. Wehe wenn nicht'', informierte mich Felix und griff sich den Schlüssel von der Ablage. Zusammen liefen wir zu seinem Auto und er fuhr los. Die Location war nicht sehr weit entfernt, weshalb wir nach einer halben Stunde ankamen. Mir stockte der Atem. Es waren Luftballons in die Äste der umstehenden Bäume gebunden. An jedem Ballon hing ein Foto von Tim und mir. Auf dem Rasen in Richtung Wasser lag ein langer dunkelroter Teppich und es standen an beiden Seiten weiße Stühle. Der Hochzeitsbogen war aus Ästen gebunden, Blumen waren daran befestigt und dahinter war ein Rednerpult. Ich kam gar nicht über das Staunen hinaus und Felix stieß mir in die Seite. Er zog mich an der Hand hinter sich her und schob mich dann in einen Raum. ,,So, du bleibst hier! Wir sind so schnell wie möglich wieder da'' Damit war Felix verschwunden und ich setzte mich vorsichtig auf das Sofa. Ich schaute mich um. Im Raum war ein Sofa, ein Tisch mit Blumen und ein Spiegel. Es klopfte an der Tür und meine Mutter kam zusammen mit meiner Schwester rein. ,,Mama, Lina!'' Ich ging zu ihnen und drückte sie an mich. Als ich meine Mutter wieder losließ, hatte sie Tränen in den Augen. ,,Was ist los?'' Sie hielt eine Hand vor ihren Mund und schaute mich von oben nach unten an. ,,Du bist so schön! Ich kann es nicht fassen!'' Ich lachte und Lina fügte hinzu: ,,Mama, sei nicht peinlich'' Wir setzten uns auf das Sofa und unterhielten uns. Nach ungefähr 45 Minuten kam Felix wieder rein, begrüßte meine Mutter und Schwester und sagte dann: ,,Ich war grad kurz bei Tim. Er ist genauso nervös wie du. Aber es geht gleich los. Setzt euch schonmal auf eure Plätze.'' Meine Mutter küsste mich noch ein letztes Mal auf die Wange und verließ dann mit meiner Schwester zusammen den Raum. Nervös stand ich auf, mein Atem ging flach und hektisch. Ich warf einen letzten Blick in den Spiegel. Felix stand hinter mir, die Hände auf meinen Schultern und nickte mir zu. Die Musik begann, Felix öffnete die Tür und wir traten raus ins Sonnenlicht.
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Stexpert - das ist nicht nur ein Name, sondern ein Lebensgefühl
FanfictionStexpert FF