Hallo? Wird das hier heute noch was?

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Sicht Tim

Ich stand mal wieder hinter dem Tresen und reichte den Leuten ihre Drinks. Leider hatte ich nur diesen blöden Job als Barkeeper bekommen um mich über Wasser zu halten. Es war echt nicht der beste Job aber immerhin lernt man Leute kennen und kann ab und zu mal mit feiern. Viele Weiber schoben mir ihre Nummer, doch ich ließ sie immer einfach auf dem Tresen liegen. Ich hatte kein Interesse. In meinem Kopf war seit Jahren nur eine Person, doch die hatte ich verloren. Und ich war selber schuld. Ich hätte Stegi einfach schreiben oder anrufen sollen, doch ich konnte nicht. Ich hatte Angst, er würde mich verurteilen und dann war es irgendwann einfach zu spät. Ich habe meinen Abschluss nicht geschafft und hatte mich so sehr geschämt, dass ich untergetaucht bin. Niemand wusste wo ich war, nicht mal Sebastian und Felix. Ich hatte meine Nummer gewechselt, doch konnte Stegi nicht vergessen. Was er wohl grad macht? ,,Hallo? Wird das hier heute noch was?'', fragte ein Typ und schnipste vor meinem Gesicht rum. ,,Ja, sorry, geht sofort los'', antwortete ich und stellte ihm ein Bier hin. ,,Wurde ja auch mal Zeit!'', sagte der Typ und ging weg. Es schoben sich direkt neue Gesichter in mein Blickfeld und ich schenkte weiter Getränke aus. Als die Uhr 4 Uhr anzeigte, wurde die Musik abgestellt und die letzten Menschen verließen den Club. Ich wusch die Gläser ab, stellte sie zum trocknen auf ein Handtuch. Dann fegte ich die Tanzfläche und meldete mich bei meinem Chef ab. Ich trat raus in die kalte Morgenluft und atmete einmal tief durch. Ich hatte keine Lust mehr auf diesen verdammten Job aber ich brauchte das Geld. Ich hatte ein Zimmer in einer WG gefunden, sie war nicht weit entfernt, doch sparte auf eine eigene Wohnung. Als ich die Wohnung betrat, roch es nach Gras und ich musste erstmal alle Fenster aufreißen. Überall lagen Pizzakartons und leere Bierdosen. Ich ging schnell in mein Zimmer und schloss die Tür. Hier war alles sauber und ordentlich. Ich setzte mich auf mein Bett, nahm den Bilderrahmen von meinem Nachttisch und schaute das Foto an. Es war ein Bild von Stegi und mir, wir saßen am Wasser und er küsste meine Wange während ich dümmlich grinsend in die Kamera schaute. Ich stellte es wieder hin, zog mich aus und legte mich hin. Ich wollte ein wenig schlafen bevor ich in wenigen Stunden wieder aufstehen musste. Ich suchte eine neue Arbeit und wollte Bewerbungen abgeben. Schnell schlief ich ein.

Einige Stunden später klingelte mein Wecker und ich stand auf. Ich war unheimlich müde, doch wusste, es musste sein. Schnell ging ich duschen und zog mir ein schwarzes Hemd und eine schlichte Jeans an. Dann schnappte ich meine Bewerbungen und ging zu meinem Auto. Ich fuhr los und hielt als erstes an einem Restaurant an. Dann ging ich weiter zu einem Café und als letztes in ein Schuhgeschäft. Ich bekam überall die gleiche Antwort. Sie würden sich bei mir melden. Große Hoffnung hatte ich nicht, doch ich hinterließ überall zusätzlich meine Handynummer und ging dann zu einem Starbucks. Mein Frühstück war heute morgen ausgefallen, also kaufte ich mir wenigstens einen Kaffee. Als ich zu meinem Auto zurück ging, sah ich ein kleines Blatt, welches unter meinen Scheibenwischer geklemmt war. ,,Das darf doch jetzt echt nicht wahr sein'', fluchte ich leise und nahm den Strafzettel weg. 20 € Strafe weil ich keine Parkscheibe gestellt hatte. ,,Lächerlich'' Ich steig in mein Auto und fuhr wieder nach Hause. Dort angekommen, war mein Mitbewohner schon wach und sah mich mit roten Augen an. ,,Hey, wo warst du so lange?'', fragte er und ich hielt meinen Kaffee hoch. ,,Kannst du mir ein wenig Geld leihen?'', kam dann. Ich verdrehte die Augen und zog einen Zwanziger aus meiner Tasche. ,,Danke alter'' ,,Ey, das Geld krieg ich aber wieder!'' ,,Jaja'' dann war er verschwunden. Ich trank meinen Kaffee aus, nahm mir einen Müllbeutel und sammelte alle leeren Kartons und Bierdosen ein. Dann wischte ich den Boden und lüftete erneut. Es sah nicht mehr ganz so übel aus und einigermaßen zufrieden ging ich in mein Zimmer, schaltete den PC ein und machte Musik an. Seufzend schaute ich aus dem Fenster und dachte an früher, an Stegi, Felix, Basti und auch an Patrick. Nachdem Stegi weg war, ging es ihm nicht gut. Es kam jemand neues und der hat Patrick ganz schön zu Sau gemacht. Irgendwann ist Patrick freiwillig gegangen und seitdem hörte man nichts mehr von ihm. Mir aber auch egal. Er hatte echt viel Scheiße gebaut und was er Stegi angetan hat, das er dafür gesorgt hat, dass er von der Schule fliegt, werde ich ihm vermutlich nie verzeihen. Doch es war meine Schuld, dass ich Stegi verloren hab. Ich habe mich nicht bei ihm gemeldet und ihn nie zurück gerufen, wenn er es versucht hat. Und am Ende versuchte er es nicht mehr. Ich hörte wie eine Tür zugeknallt wurde und setzte seufzend die Kopfhörer auf. Das Knallen heißt, mein Mitbewohner hat Damenbesuch und das wollte ich sicher nicht hören. 


Stexpert - das ist nicht nur ein Name, sondern ein LebensgefühlWo Geschichten leben. Entdecke jetzt