Tim oder Manu?

34 4 0
                                    

Sicht Stegi

Ich wurde wach durch die Kälte die sich neben mir ausgebreitet hatte. Meine Hand strich über das kalte Laken und ich öffnete die Augen. Die Schlafzimmertür öffnete sich vorsichtig und da stand Manu. ,,Hey, du bist ja wach.'' Er kam zu mir und setzte sich neben mich. ,,Hier'' Er hielt mir eine Tasse hin die ich dankend annahm. ,,Willst du drüber reden?'', fragte er vorsichtig und ich schaute auf die Tasse. ,,Ich will nicht drüber reden'', murmelte ich und nahm einen Schluck. Sofort verbrannt ich mir die Zunge. ,,Du solltest wirklich mit ihm reden. Du bedeutest ihm noch eine ganze Menge und du solltest dir wenigstens anhören, was er zu sagen hat.'' Du kannst es dir ja noch überlegen. Es ist erst Sonntag. Aber ich wäre nicht sauer, wenn du mit ihm redest'' Manu stand auf und verschwand im Badezimmer. Nachdenklich pustete ich in die Tasse und trank erneut einen Schluck. Die ganze Zeit wägte ich alle Möglichkeiten ab. Sollte ich hingehen? Sollte ich ihm zuhören? Hatte Manu recht? Aber andererseits war da noch Manu... Ich wollte ihn nicht verletzen. ,,Worüber denkst du nach?'' Ich zuckte zusammen. Ich hatte nicht mitbekommen, dass Manu wieder ins Zimmer gekommen ist. ,,Nichts. Ich bin total verwirrt, Manu. Was soll ich nur tun?'' Er kam zu mir. ,,Das kann ich dir nicht sagen. Ich kann dir sagen was ich tun würde. Aber entscheiden musst du''.  Ich fühlte mich, als müsste ich mich übergeben. Die nächsten drei Tage, lag ich nur im Bett, versuchte mich durch Videos anzulenken und überlegte, was ich tun sollte. Mittlerweile war es Donnerstag. Manu kam ins Zimmer. ,,Schatz, ich weiß es ist schwer, aber du kannst nicht die ganze Zeit nur im Bett liegen. Du siehst krank aus. Steh jetzt auf und geh duschen. Und dann gehen wir essen''. Widerwillig stand ich auf und schlurfte unter die Dusche. Plötzlich schien es, als wäre klar, was ich zutun hatte. Manu hatte recht. Ich musste ihm zumindest eine Chance geben. Mein Kopf schien aufeinmal klar zu sein. Alle Gedanken, alle Zweifel waren wie weg geblasen. Schnell kam ich aus der Dusche und zog mich an. ,,Bist du fertig?'', fragte Manu durch die Tür und ich öffnete diese. Er nahm meine Hand und zog mich hinter sich her. ,,Ich habe eine Tisch reserviert. Diesmal lade ich dich ein.'' Wir stiegen ins Auto und fuhren los. ,,Geht es dir etwas besser?'', fragte Manu vorsichtig und musterte mich kurz, ließ dann aber seinen Blick wieder auf die Straße wandern. ,,Ja. Danke'', ich versuchte ein Lächeln und er sah zufrieden aus. Wir hielten vor einem Indischen Restaurant und traten ein. ,,Guten Tag, ich hab einen Tisch für zwei reserviert.'' ,,Aber natürlich. Folgen sie mir bitte.'' Die Dame lief vor und wir folgten ihr. Sie deutete auf einen Tisch und wir setzten uns. ,,Was darf es zu trinken sein?'' ,,Eine Flasche Champagner.'' Geschockt sah ich ihn an. ,,Was? Manu nein! Das ist viel zu teuer'', wollte ich ihn überzeugen doch er winkte ab. Die Kellnerin verschwand und ich sah ihn frustriert an. ,,Manu ... wieso tust du das?'' ,,Weißt du, heute kennen wir uns 4 Jahre. Heute vor 4 Jahren begann die Reise meines Lebens. Das müssen wir feiern. Stegi, ich liebe dich'' Er sah mich mit glänzenden, liebevollen Augen an. Die Dame brachte eine Flasche Champagner und stellte sie auf den Tisch. Wir bestellten essen und er nahm meine Hand und legte sie zusammen mit seiner auf dem Tisch ab. ,,Hast du dich entschieden, also wegen ....?'' Ich wollte da jetzt nicht drüber reden. Heute sollte es nur um ihn und mich gehen. ,,Lass uns nicht drüber reden. Heute zählen nur wir beide'', ich lächelte und er küsste meine Hand. Nach dem Essen gingen wir nach draußen, stellten uns an unser Auto und Manu fragte mich, ob wir noch ins Kino gehen wollen. ,,Klar, gerne. Aber das bezahle ich.'' Wir gingen Richtung Kino und kauften zwei Karten. Dann holten wir uns Getränke und Popcorn und setzten uns dann auf unsere Plätze. Der Film war gut, doch ich wurde immer wieder abgelenkt. Tim schlich sich immer wieder in meinen Kopf und ich merkte, wie die Aufregung ein wenig in mir hoch kam. Nach dem Film liefen wir nebeneinander zum Auto und Manu fragte, wie ich den Film fand. ,,Gut. Was unerwartet irgendwie aber gefiel mir'', sagte ich einfach irgendwas in der Hoffnung, dass es passte. Manu nickte und schloss das Auto auf. ,,Willst du noch wo hin oder wollen wir nach Hause fahren?'', fragte Manu. ,,Lass uns doch noch ein wenig ans Wasser fahren. Solange es nicht regnet'' Er nickte und wir fuhren los. Das Meer war leider zu weit weg aber wir fuhren an einen Kanal. Eine Weile liefen wir schweigend nebeneinander her, bis ich plötzlich die Brücke erkannte. Das war die Brücke, von der ich vor knapp 4 Jahren gestürzt bin. Ich blieb stehen und schaute hoch. ,,Was ist los?'', wollte Manu wissen doch ich schüttelte nur den Kopf. Die Erinnerungen kamen hoch und ich musste schlucken. ,,Sollen wir heim fahren?'' Manu nahm meine Hand und ich nickte. Langsam gingen wir zum Auto zurück, Manu setzte sich hinter das Steuer und ich auf den Beifahrersitz. Meine Stirn lehnte ich an die kalte Fensterscheibe und ich blickte die Menschen an, an denen wir vorbei fuhren. In Gedanken war ich bei dem morgigen Treffen. Ich war unglaublich nervös, wollte ihn wieder sehen, seine Stimme hören, doch ich hatte Angst. Ich wollte nicht wieder verletzt werden. Ich wollte Manu nicht verletzen. Mein Blick heftete sich an Manu, welcher konzentriert auf die Straße starrte. Seine Stirn hatte er leicht gerunzelt. Tim oder Manu? Was sollte ich tun?

Stexpert - das ist nicht nur ein Name, sondern ein LebensgefühlWo Geschichten leben. Entdecke jetzt