Sicht Stegi
Manu hatte seine Sachen abgeholt und mir versprochen er würde sich melden. Er war nicht sauer, hatte er mir versichert. Nun saß ich wieder allein in der, für mich allein, eigentlich fast schon zu großen Wohnung. Ich griff nach meinem Handy. Keine Nachricht. Nicht von Manu und auch nicht von Tim. Seufzend legte ich das Ding weg und ging in die Küche um mir was zu trinken zu holen. Grad schenkte ich mir Wasser in ein Glas, da klingelte es an der Wohnungstür. Ich ging hin und öffnete sie. Davor stand Tim. ,,Hey'', grinste er mich an. ,,Hey, was machst du denn hier?'', fragte ich leicht verwirrt. ,,Ich wollte dir eigentlich schreiben, aber ich habe deine Nummer nicht mehr. Ich hab mir damals ein neues Handy und eine neue Nummer besorgt.'' Er fasste sich verlegen in den Nacken. ,,Oh, ähm, willst du ... vielleicht reinkommen?'', fragte ich und trat einen Schritt zu Seite. Er nickte verlegen und kam in den Flur. Ich bot ihm was zu trinken an und wir gingen ins Wohnzimmer. ,,Wow, du hast es echt schön hier. Meine Wohnung ist genau das Gegenteil von dem hier. Ich wohne mit einem Junkie zusammen.'' Tim lachte und ich bekam eine Gänsehaut. ,,Danke, aber vielleicht muss ich mir eine neue suchen. Ich wohne hier jetzt allein und für eine Person ist es doch etwas zu groß.'' Er sah sich um und dann blieb sein Blick an einem Bild an meiner Wand über dem Fernseher hängen. Es zeigte uns beide und Felix und Sebastian, damals am Badesee. Wir grinsten alle in die Kamera. Tim hatte seinen Arm um meine Schulter gelegt und Felix war auf Bastis Rücken. Tim lächelte und ich musterte ihn von der Seite. ,,Du hast die Bilder noch?'', fragte er dann und stellte sein Glas ab. ,,Klar'', antwortete ich nur und sah zu, wie er aufstand. ,,Kann ich mal dein Badezimmer benutzen?'' Ich nickte, deutete auf die Tür und er verschwand. Ich starrte auf das Bild und musste auch lächeln. Wie sehr ich mir diese Zeit zurück wünschte. Nachdenklich runzelte ich die Stirn und bekam nicht mit, wie Tim wieder zu mir auf das Sofa kam. ,,Ich will nicht aufdringlich sein, aber kann ich dich was fragen?'' Ich zuckte zusammen aber nickte. Fragend schaute ich ihn an und er fragte: ,,Meinst du, du kannst dir vorstellen .... na ja ... das ich bei dir einziehe? Das kommt jetzt vielleicht plötzlich aber ich muss unbedingt aus meiner Wohnung raus und meine neue Arbeit ist hier auch viel näher dran.'' Er sah mich aus großen Augen an und ich überlegte. Das ging wirklich schnell. ,,Ähm ... also ich hab theoretisch noch ein Zimmer frei.'' Er grinste und ich merkte wie meine Knie schwach wurden. Zitternd atmete ich aus und sagte dann noch: ,,Wenn du magst, kann ich es dir freiräumen'' Er nickte freudig und ich klammerte mich fester an mein Glas. Mein Herz pumpte. Er war kein Fremder also sprach auch nichts dagegen. Und wir würden ja auch nicht in einem Bett schlafen. Er würde nur auch hier wohnen. Und vielleicht konnten wir uns so wieder leichter annähern. ,,Okay, dann schreib mir wann es dir am besten passt. Hier ist meine Nummer'', sagte er enthusiastisch, drückte mir ein Stück Papier in die Hand und trank noch einen Schluck. ,,Ich muss jetzt leider los aber wenn du dich nicht meldest, dann stehe ich hier irgendwann einfach mit gepackten Sachen vor deiner Tür.'' Ich musste lachen, zutrauen würde ich es ihm. Ich brachte ihn zur Tür und er bedankte sich noch einmal. ,,Kein Ding'', meinte ich und sah dabei zu wie er immer zwei Stufen auf einmal nehmend die Treppe runter rannte. Dann war er fort. Erleichtert atmete ich aus und ging wieder in die Wohnung. Er würde bei mir einziehen. Ich konnte es nicht fassen. Ich ging in das freie Zimmer in welchem bis jetzt immer mein Schreibtisch stand und begann die Sachen dort in Kartons zu räumen. Das ganze dauerte nicht sehr lange und somit hatte ich Abends schon den Schreibtisch in mein Schlafzimmer gestellt und nahm mein Handy in die Hand. Ich griff nach dem Zettel und speicherte die Nummer ein. Dann schrieb ich ihm, dass ich das Zimmer frei hätte und fragte, wann es ihm am besten passt. Ich wartete eine halbe Stunde auf eine Antwort, bekam jedoch keine. Ein wenig enttäuscht legte ich das Handy weg und ging ins Bett. Doch schlafen konnte ich nicht. Immer wieder spukte Tim in meinem Kopf rum und ich entschloss mich dazu, noch ein wenig Musik zu hören. Irgendwann gähnte ich herzlich und legte mein Handy weg. Nur noch nebenbei bekam ich mit, wie mein Handy vibrierte und dann war ich eingeschlafen.
Am nächsten Morgen entdeckte ich eine Nachricht von Tim. Er entschuldigte sich und sagte er war arbeiten. Dann schrieb er noch, dass er wahrscheinlich Ende des Monats einziehen würde. Ich stand auf, kochte Kaffee und setzte mich dann an den PC um ein wenig zu arbeiten. Ich hatte eine Webseite eröffnet. Nach meinem Studium wusste ich nicht, was ich machen sollte. Dann wurde Manu krank und ich konnte mir keine Arbeit suchen. Wollte für ihn da sein. Aber jetzt wollte ich endlich normal arbeiten. Ich hatte Medizin studiert und hatte mich schon in den Krankenhäusern in der Nähe beworben. Noch hatte ich keine Antwort bekommen. Doch das wird kommen. Ich beschloss mich meine Mutter anzurufen. Ich erzählte ihr, dass Tim sich gemeldet hatte, das er mich zu unserem Treffpunkt gelockt hatte, das wir essen waren und er bei mir einziehen würde. ,,Seid ihr denn jetzt wieder zusammen?'', fragte sie und ich verneinte. ,,Stegi, du liebst ihn und er dich. Worauf wartest du?'' ,,Keine Ahnung, Mama er hat mich wirklich verletzt.'' Sie seufzte. ,,Aber nicht so sehr, dass du in nicht bei dir einziehen lassen würdest. Stegi, sei nicht dumm!'' ,,Ich hab dich lieb, Mama'' ,,Ich dich auch!'' Dann legte ich auf. Hatte sie recht? Sollte ich ihn einfach fragen, ob er wieder mit mir zusammen sein will? War ich dazu bereit? Ich wusste es nicht. Alles was ich wusste und wo ich mir zu hundert Prozent sicher war, ist, dass ich ihn liebe!
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Stexpert - das ist nicht nur ein Name, sondern ein Lebensgefühl
FanfictionStexpert FF