Was zwischen mir und ihm passiert ist, hat nichts mit dir zutun.

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Sicht Tim

Zu sehen wie Marissa und Mia zu uns schauten, war merkwürdig. Es fühlte sich so an, als würden sie uns wegen irgendwas verurteilen. ,,Was glaubst du, haben die beiden vor?'', fragte ich Stegi und er zuckte die Schultern. Er trank einen Schluck aus seiner Mische und tanzte weiter. Ich versuchte die beiden Mädchen auszublenden, was auch soweit gut klappte. Ich und Stegi tanzten, während Sebastian uns immer wieder mit Getränken versorgte, zwischendurch aber immer wieder verschwand. Stegi trank sein Glas leer und sah sich um. Wahrscheinlich suchte er Basti, fand ihn jedoch nicht und ging deshalb selber zur Bar. Ich folgte ihm und wir gaben unsere Gläser ab. Plötzlich tippte uns jemand auf die Schulter. Wir drehten uns um und da stand Basti. Er nahm Stegi bei der Hand und zog ihn hinter sich her. ,,Ich muss kurz mit ihm reden. Wir sind gleich wieder da!'', rief Sebastian gegen die Musik an und die beiden waren verschwunden. 

Sicht Stegi

Ich folgte Basti und wir gingen in einen Nebenraum. Hier war die Musik nicht mehr ganz so laut zu hören. ,,Du bist fast ertrunken?'', haute Sebastian direkt raus. Ich war überrascht und wusste nicht, was er meinte. ,,Felix hat mir alles erzählt. Er hat mir erzählt, dass du angetrunken bzw betrunken in den See gegangen bist und nicht wieder auftauchen konntest. Wieso hast du uns das nicht erzählt?'' Mir stiegen Tränen in die Augen und Basti zog mich an sich. ,,Ich konnte nicht. Ich habe mich geschämt, weil ich betrunken ins Wasser gegangen bin und außerdem, habe ich euch in letzter Zeit doch genug belastet.'' ,,So ein Schwachsinn, Stegi!'' Basti drückte mich weg von sich und wischte mir über die Wangen. Ich zog einmal die Nase hoch und sagte dann:,, Bitte sag es nicht Tim. Das mache ich, aber er soll es von mir erfahren'' und Basti nickte. Die Tür öffnete sich und Tim trat mit drei Gläsern in der Hand ein. ,,Hier'', sagte er und reichte uns allen eins. Mein Pegel war schon recht hoch und ich musste mich am Tisch festhalten. ,,Ich bin nochmal eben weg.'' und damit war Sebastian verschwunden. Tim nahm die Gläser und brachte sie zur Bar. Ich blieb stehen, aus Angst, umzufallen. Ich vertrug noch nie viel Alkohol aber das war eine neue Höchstleistung. Ich schielte auf meine Armbanduhr und sah, dass es 11 war. Taumelnd verließ ich den Raum und wollte grade Tim suchen, da sah ich ihn an einer Wand stehen. Vor ihm Mia. Sie hatte die Hand auf seine Brust gelegt und spielte mit ihren Haare. Ihr Kleid hatte einen tiefen Ausschnitt und Tims Blick klebte dran. Ihre Hände wanderten in seinen Nacken und dann küsste sie ihn. Doch zu meinem Entsetzen erwiderte er den Kuss. Er legte seine Hände auf ihr Hüfte und zog sie näher an sich. Der Schock saß tief und in meiner Brust stach es. Ich sah nach unten und merkte, dass ich meine Hände zu Fäusten geballt hatte. Ich bekam keine Luft mehr und rannte raus. Wollte Sebastian suchen, doch fand ihn nicht. Also lief ich weiter bis ich, mal wieder, am Badesee ankam. Ich setzte mich in den Sand und starrte wütend auf das Wasser. Wie konnte er so dumm sein? Sie hatte ihm beim letzten Mal etwas ins Trinken gemischt und versucht sich über ihn herzumachen. Da hatte ich ihn noch gerettet. Doch das würde ich diesmal nicht wieder tun. Ich legte mich auf den Rücken und schaute in die Sterne. Weil der See nicht so weit vom Nebengebäude entfernt war, konnte ich leiser die Stimmen von den feiernden Menschen hören. Ich schloss die Augen und alles drehte sich. Aber vor allem wollte das flaue Gefühl im Magen nicht verschwinden. Mir war schlecht, doch nicht wegen dem Alkohol sondern wegen dem Anblick, wie Tim Mia küsste. Und dann hatte Sebastian uns auch noch einfach allein gelassen. So lag ich hier und merkte, wie die schwüle Luft sich drückend auf meine Brust legte und ich atmete schwer. Ich hörte Schritte im knirschenden Sand und öffnete die Augen. ,,Was machst du denn hier draußen?'' Es war Basti. ,,Wo warst du die ganze Zeit?'', konterte ich mit einer Gegenfrage. Er setzte sich neben mich und sagte dann:,, Ich habe mich mit Felix getroffen. Wir ... wir hatten neulich einen Moment und ich wollte mit ihm drüber reden. Er hat sich aber geweigert.'' Ich setzte mich auf und musterte ihm. Er scharrte mit seinen Füßen im Sand und sah traurig auf den Boden. ,,Was für einen Moment?'', wollte ich wissen und er erzählte mir von dem ''fast Kuss''. Meine Augen weiteten sich und ich hatte eine Menge Fragen doch wusste nicht, wo ich anfangen soll. ,,Denkst du denn, du könntest auf Felix stehen?'', fragte ich und er sah weiter auf den Boden. ,,Keine Ahnung. Ich kenne ihn schon lange. Würde das unsere Freundschaft nicht kaputt machen?'' Ich zuckte die Schultern und dachte an den Kuss mit Tim. Vielleicht hatte er sie deshalb geküsst. Vielleicht war er der Meinung ich wäre in ihn verliebt. Und vielleicht... ,,Hallo Stegi?'' Sebastian wedelte mit der Hand vor meinem Gesicht rum und ich verdrängte den Gedanken. ,,Ich weiß nicht. Sowas zerstört eine Freundschaft nicht immer gleich. Ich denke du musst rausfinden, ob du mehr für ihn empfindest.'' Er sah mich an und sagte:,, Ich hatte schon ein Kribbeln im Bauch. Aber vielleicht war das einfach, weil ich lange nicht geküsst wurde. Vielleicht wäre das momentan bei jedem so, der mir körperlich nah ist.'' Er legte eine Hand an meine Hüfte und ich ignorierte es. ,,Darf ich...?'' Ich unterbrach ihn und drückte meine Lippen auf seine. Er riss erschrocken die Augen auf und rührte sich nicht. Ich löste mich wieder von ihm und fragte: ,,Und?'' Er schüttelte den Kopf:,, Nichts. Ich glaube, ich ... Aber es ist Felix. Du und er haben Streit. Ich will meine Freundschaft mit dir nicht zerstören, indem ich was mit ihm anfange.'' ,,Übertreib nicht. Deine Gefühle sind wichtig und du musst auf mich keine Rücksicht nehmen. Was zwischen mir und ihm passiert ist, hat nichts mit dir zutun.'' Er lächelte mich an und zog mich in eine Umarmung. ,,Ich gehe ins Bett. Mir geht es nicht gut und ich bin müde. Nacht, Basti'', sagte ich und stand auf. Langsam taumelte ich zurück ins Wohnheim. Die Luft in den Fluren war angenehm kühl und ich versuchte, mir nicht anmerken zu lassen, wie betrunken ich war. Plötzlich kam mir wieder der Gedanke von dem Kuss mit Tim in den Kopf. Wie sich unsere Lippen aufeinander drückten. Seine Hände an meinem Körper. Mir wurde heiß und ich sah an mir runter. ,,Das ist ja wohl ein Scherz'', flüsterte ich, als ich sah, dass sich ein Problem in meiner Hose gebildet hatte. Schnell lief ich in unser Zimmer und legte mich aufs Bett. Ich schloss die Augen und versuchte, den Gedanken an Tims Lippen zu verdrängen, doch das erwies sich als fast schon unmöglich. Im Raum hing der Duft von seinem Parfüm und ich bildete mir ein, das selbst ich nach ihm roch. Ich konnte wieder seine Hände spüren. Doch an anderen Stellen als bloß meinem Rücken und meinem Nacken. Ein Schauer lief mir über den Rücken und ich zog mir seufzend das Hemd und die Hose aus. Das Problem war größer geworden. Ich überlegte was ich tun sollte als sich plötzlich die Tür öffnete und ich aus meinen Gedanken gerissen wurde. Es war Tim. ,,Stegi?'' Mir blieb die Luft weg und ich blieb still, antwortete nicht. ,,Stegi, bist du wach?'' Er kam ans Bett und ich hoffte inständig, dass es zu dunkel war und er nicht sehen konnte, wie erregt ich grade war und auch nicht, dass ich noch wach war. Nach einer Weile ließ er von mir ab und legte sich komplett angezogen ins Bett. Nur wenige Sekunden später hörte ich schon ein Schnarchen und ich stand vorsichtig auf, ging mir die Zähne putzen und legte mich dann schnell wieder ins Bett. Es dauerte eine Weile, bis ich einschlafen konnte, es drehte sich allen. Immer wieder musste ich schwer schlucken aus Angst, mich übergeben zu müssen. Doch irgendwann fielen mir vor Erschöpfung die Augen zu.

Stexpert - das ist nicht nur ein Name, sondern ein LebensgefühlWo Geschichten leben. Entdecke jetzt