Ach sei einfach still, spar dir deine Kommentare

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Sicht Stegi

Die Wochen und Monate vergingen und Emilie wurde immer größer. Doch sie wurde auch von Tag zu Tag schöner. Ich saß grad zusammen mit ihr im Wohnzimmer, als Tim rein kam. Er arbeitete momentan fast den ganzen Tag, nur heute hatte er sich mal einen Tag frei genommen. Emilie kaute grad auf einem Spielzeug rum als Tim anfing zu sprechen: ,,Emilia, lass das!'' Er war etwas lauter und Emilia zuckte zusammen und fing an zu weinen. ,,Musste das sein?'', fragte ich ihn wütend und zog sie in meine Arme. ,,Kannst du einfach dafür sorgen, dass sie endlich still ist?'' Tim rieb sich die Schläfen und schaute erschöpft zu mir. ,,Du bist echt zum kotzen seit du so viel arbeitest.'' ,,Ach sei einfach still, spar dir deine Kommentare. Wenigstens arbeitet einer von uns'' Ich blieb in der Bewegung stehen und schaute ihn an. ,,Was hast du gesagt? Du weißt, dass ich mich um unsere Tochter kümmern will. Ich hab mir extra ein Jahr Vaterschaftsurlaub genommen. Ich kann nichts dafür, dass du es nicht gemacht hast'' Tim schnaufte einmal, ich stand mit Emilia im Arm auf und ging in ihr Zimmer. Er war seit Wochen immer gereizt, langsam wurde es echt anstrengend. Ich wickelt Emilia, zog ihr einen Schlafanzug an und legte sie in ihr Bettchen. ,,So, Prinzessin. Jetzt schläfst du ein wenig und nachher gehen wir spazieren'' Sie schaute mich aus ihren wunderschönen Augen an, kaute auf ihrer kleinen Faust rum und brabbelte irgendwas vor sich hin. Ich lächelte einmal, strich ihr die blonden Haare aus dem Gesicht und gab ihr einen Kuss. Dann ging ich leise aus dem Zimmer, schloss die Tür und ging weiter in die Küche. Ich goss mir einen Kaffee ein und schaute aus dem Fenster. Tim kam hinter mir in die Küche und lehnte sich gegen den Türrahmen. ,,Bist du jetzt wieder normal?'', fragte ich ohne ihn anzusehen. ,,Du weißt nicht, wie schwer das für mich ist. Ich bin mit dir verheiratet, wir haben eine kleine Tochter und ich arbeite mir hier den Arsch ab'' Ich drehte mich um. ,,Es ist also anstrengend für dich, dass wir verheiratet sind? Das ist mir neu. Du bist doch kaum zu Hause und wenn du es bist, redest du nicht wirklich mit mir. Wann haben wir das letzte Mal Zeit zusammen verbracht? Wann haben wir das letzte mal Sex gehabt oder sind ausgegangen?'' Tim zuckte die Schultern und schaute mich an. ,,Das ist doch alles wegen Emilia.'' Ich stellte die Tasse etwas zu doll ab, der Kaffee schwabte über und sagte dann wütend: ,,Nein! Es ist nicht ihre Schuld! Du bist schuld. Du arbeitest den ganzen Tag, wenn du nach Hause kommst und ich versuche, irgendwie anzukommen, werde ich immer abgewiesen und du sagst, du bist zu müde.'' Tim zog wütend die Augenbrauen zusammen. ,,Du kannst mich mal!'' Damit verschwand er im Schlafzimmer. Emilia fing an zu weinen und ich ging seufzend zu ihr. Sie saß in ihrem Bettchen und schaute mich an, Tränen liefen ihr über das Gesicht. Ich nahm sie hoch und schaukelte sie ein wenig. Als sie sich beruhigt hatte, setzte ich sie wieder in ihr Bettchen und packte ein paar Sachen in ihre Tasche. ,,Papa ist gleich wieder da, Liebling''. Ich ging ins Schlafzimmer, Tim lag im Bett, die Gardinen waren zugezogen und er hatte die Augen geschlossen. Ich griff eine Sporttasche, stopfte ein paar Klamotten rein und legte sie auf das Bett. ,,Was soll das werden?'', fragte Tim plötzlich genervt und ich packte weiter einige Dinge ein. ,,Ich fahre ein paar Tage weg und nehme Emilia mit. Wir stören dich ja anscheinend nur'' Tim setzte sich auf und schaute mich an. ,,Babe, ich meine das doch nicht so. Es tut mir leid, ich bin einfach total fertig. Ich weiß nicht, wieso ich das alles gesagt habe. Bitte verzeih mir'' Ich nickte und setzte mich an das Bettende. ,,Ich liebe Emilia genau so sehr wie du, aber es ist einfach anstrengend. Sie weint jede Nacht und ich kann dir nicht helfen, weil ich zu fertig bin'' Er kam zu mir gerutscht und legte vorsichtig einen Arm um meine Taille und zog mich zu sich. Als ich aufschaute, sah ich Tränen in seinen Augen. Er biss sich auf die Unterlippe und schaute mich verzweifelt an. ,,Tim, ich verstehe dich aber du musst aufhören, deinen Frust an mir auszulassen. Wie wäre es, wenn ich Emilia ein paar Tage zu Manu und Kaya bringe und wir machen was schönes. Du hast dir doch die Woche Urlaub genommen und wir unternehmen irgendwas, okay?'' Tim schaute mich an, ich wischte ihm die Tränen aus dem Gesicht und drückte ihm einen Kuss auf. Vorsichtig drückte ich Tim in die Matratze, gab ihm noch einen Kuss auf die Wange und sagte ihm, er solle sich ein bisschen ausruhen. Im Wohnzimmer nahm ich mein Handy, wählte die Nummer von Manu und sprach alles mit ihm ab. ,,Natürlich kann sie zu uns kommen. Bring sie einfach her. Bis gleich'' Ich schob mein Handy in meine Hosentasche, ging zu Emilia und stellte ihre Tasche in den Flur. ,,So mein Engel, du fährst jetzt für ein paar Tage zu Manu'', sagte ich ihr und sie kicherte glücklich. Schnell zog ich ihr etwas frisches an und ging dann mit ihr und der Tasche runter zum Auto. 

Eine Stunde später war ich wieder zu Hause, Emilia war bei Manu und ich kochte etwas zu essen. Als ich fertig war, ging ich leise zum Schlafzimmer und weckte Tim. ,,Liebster, Essen ist fertig'' Er grummelte irgendwas, zog sich das Kissen über den Kopf und ich strich ihm über den Rücken. Langsam öffnete er die Augen und blinzelte mich an. ,,Wie spät ist es?'' Ich schaute auf die Uhr und sagte dann: ,,17 Uhr'' Er drehte sich auf den Rücken und gähnte einmal. Dann zog er mich auf sich, küsste mich und drehte sich so, dass ich letztendlich unter ihm lag. Seine Hände strichen über meine Seiten und er küsste mich verlangender. ,,Baby, nicht jetzt. Lass uns erst essen'' Tim ließ von mir ab, wiederwillig stand er auf, zog sich eine Jogginghose über und hob mich hoch. ,,Willst du dir nicht auch noch ein Shirt anziehen?'', fragte ich und hielt mich an seinen Schultern fest. ,,Ne, wir sind doch eh allein und du magst es, meinen Körper anzuschauen'' Ich lachte und er setzte mich an den Küchentisch. Die Lasagne stand schon auf dem Tisch und wir aßen zusammen.  

Stexpert - das ist nicht nur ein Name, sondern ein LebensgefühlWo Geschichten leben. Entdecke jetzt