Es wurde bereits dunkel als endlich alle Kamerateams das Krankenhaus verliessen und Elyas rieb sich seine müden Augen. Er ging zu Lena, lächelte sie an und fragte dann doch ganz ernst: „Kommen die Kleinen denn durch?" Für eine Millisekunde erwiderte sie sein Lächeln, setzte aber dann doch wieder eine ernste Miene auf und zuckte mit den Schulter: „Das ist leider immer schwer zu sagen. Viele warten auf eine Knochenmarkspende und leider gibt es viel zu wenige Spender. Und manchmal kommt der Krebs auch zurück. Aber wir geben nicht auf!" Elyas Herz verkrampfte sich leicht und wollte etwas sagen, aber fand keine Worte. Stattdessen guckte er Lena in die Augen und spürte so ein starkes Kribbeln im Bauch, dass er tief einatmen musste. Er war fasziniert von dieser Frau, auch wenn er wusste, dass sie ihn unausstehlich fand. Sie war selbstbewusst und stand mitten im Leben. Sie wusste genau, was sie wollte und liess sich nicht so leicht den Kopf verdrehen. Genauso eine Frau wollte er immer haben, denn er brauchte jemanden, der ihn den Rücken stärkte. „Ähm, ich hoffe, sie werden alle wieder gesund. Und... ich dachte, vielleicht könnte ich dich mal zum Essen ausführen!?" stammelter er während sein Herz so laut in seinem Hals schlug, dass er Angst hatte, dass sogar Lena es hören konnte. Sie stand mit offenem Mund vor ihn und ihre Mundwinkel zuckten während sie die Augen aufriss: „Du und ich? Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist. Es tut mir Leid, ich habe kein Interesse an einem Date mit dir. Du wirst wohl nicht viele Absagen bekommen, aber ich lasse mich halt nicht so einfach von einer Menge Kohle und einer Designerlederjacke beeindrucken. Du hast einen tollen Job gemacht heute, aber das war's auch. Tschüs dann!" Sie drehte sich um und ging aus der Tür, aber im allerletzten Moment guckte sie noch einmal kurz nach hinten und ihre Blicke trafen sich. „Scheisse, sieht der geil aus!" dachte Lena halblaut während sie schnellen Schrittes ins Schwesternzimmer ging um ihre Sachen zu holen.
Minutenlang stand Elyas wie angewurzet alleine im Zimmer und atmete tief ein und aus. Wie schaffte es eine Frau, sein Herz zu brechen, obwohl er sie erst 7 Stunden kannte? Was würde sie beeindrucken? Er bräuchte doch nur eine Chance! Er seufzte und ging dann zu seinem Auto. „Hey, warte, Elyas!" rief eine Männerstimme hinter ihm und Elyas drehte sich noch einmal um bevor er ins Auto stieg. Sein Agent kam zu ihm gerannt und gab ihm die Hand: „Das ist ja heute super gelaufen! Die werden alle beeindruckt sein. Als Schauspieler hast du echt was drauf!" Nur drei Meter weiter schloss Lena gerade ihr Auto auf und hörte jedes Wort, aber sie wurde von Elyas nicht wahrgenommen. Er erwiderte den Händedruck und meinte: „Schönen Abend dann. Meld dich bei mir, wenn es was Wichtiges gibt!" Dann stieg er ins Auto, verband sofort seinen Ipod mit dem Radio und dachte sich: „Da war nichts gespielt! Kann denn keiner glauben, dass ich auch Gefühle habe?" Irgendwie stieg Wut in ihm auf, aber er atmete tief durch und startete das Auto.
Lena fuhr vom Parkplatz und hörte im Radio „Demons" von Imagine Dragons und war in ihren Gedanken versunken. Ihr Gesicht war versteinert und auf ihrer Stirn sah man Zornesfalten: „Ja klar, alles nur gespielt! Und ich habe gedacht, dass waren echte Gefühle und dass er die Kinder wirklich mag! Und dann will das Arschloch auch noch mit mir ausgehen? Was denkt der sich denn? Denkt der echt, dass ich so billig bin und eines seiner Püppchen werde? Naja, zum Glück muss ich ihn nie wieder sehen. Sowas kann ich echt nicht gebrauchen." Während sie durch das nächtliche München fuhr, musste sie an ihren Ex-Freund denken. Er war das genaue Gegenteil von Elyas: Markus war Kinderarzt, blond, gross und sehr schlank, er hatte immer alles genau durchdacht und geplant. Am Ende scheiterte die Beziehung daran, dass er ihr nie das Gefühl gab, dass sie überhaupt Platz in seinem Leben hatte. Nie versuchte er sie zu überraschen oder tat etwas Verrücktes. Er war nahezu langweilig und gefühlskalt ihr gegenüber.
Zu Hause angekommen, liess sie warmes Wasser in die Badewanne und legte sich in das heisse weiche Wasser und liess den Schaum um ihre zarte Haut wandern. Elyas, der 5 km weiter im Zentrumsinneren ebenfalls in seiner Wohnung ankam, tat genau das Gleiche und während er seinen Kopf unter Wasser tauchte, konnte er nur eines sehen: das hübsche Gesicht Lenas. Sie strich mit ihren Fingern über den Bauch und schloss die Augen und lächelte ungewollt als Elyas Gesicht vor ihr erschien und er sie mit einem schiefen Lächeln anguckte. Sie schüttelte ihren Kopf um das Bild aus ihrem Gedächtnis zu löschen und stieg aus der Badewanne um vor dem Fernseher auf andere Gedanken zu kommen. Aber als sie die Nachrichten anschaltete, kamen gerade die Promi-News mit einem kurzen Bericht über Elyas Besuch auf der Leukemiestattion. Schnell schaltete sie den Fernseher aus und stöhnte: „So ein Mist, der verfolgt einen ja geradezu!"
