Einmal ein Casanova, immer ein Casanova

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Liebevoll badete Elyas seine Tochter und war von ihren dunklen braunen Augen fasziniert. Er verspürte eine unsagbar starke Angst, dass er sie verlieren würde und nie wieder sehen dürfte. Diese Angst schnürte ihm die Kehle zu und er hatte Probleme Luft zu bekommen. Er schüttelte sich und versuchte sich zu kontrollieren. Er nahm Leonie vorsichtig aus der Badewanne und legte sie in ein Handtuch um sie abzutrocken und einzucremen. Sie schien die Massage des Papas zu geniessen und machte kleine gurgelnde Laute, welche Elyas ein kleines Lächeln ins Gesicht zauberte. Gleich darauf machte er ihr eine Flasche Milch warm und brachte sie satt ins Bett. Noch einmal küsste er sie lange und zärtlich und strich ihr vorsichtig durchs Gesicht. „Gute Nacht, meine Prinzessin und bis bald!" sagte er mit zittriger Stimme und verliess das Kinderzimmer.

Er öffnete die Tür zum Schlafzimmer, wo Lena noch immer schluchzend im Bett lag. Er nahm sich eine Tasche und stopfte schnell ein paar Boxershorts, T-Shirts, Socken und eine Jeans hinein. Aus dem Bad holte er sich seine Zahnbürste und seinen Rasierer und liess sie ebenfalls in die Tasche fallen. Lena setzte sich auf und fragte verweint: „Was machst du?" Elyas biss sich auf die Unterlippe und sagte dann weinerlich: „Du bleibst hier. Ich will nicht, dass Leonie irgendwo anders schläft. Ich haue für ein paar Tage ab, bis die Sache geklärt ist. Und dann... dann.. ich weiss nicht.. was dann ist!" Er atmete tief ein und aus. Auch er war verletzt, denn er konnte nicht verstehen, warum sie ihm so wenig vertraute und ihm nicht glauben wollte. Dann sprach er weiter: „In der Mikrowelle ist Essen für dich. Die Kleine schläft schon und hat gerade getrunken. Ich melde mich dann." Lena nickte, aber konnte nichts sagen. Sie spürte, dass es Elyas nicht leicht fiel, seine Tochter hier zu lassen und sie fühlte auch, dass er beleidigt war. Und als er bereits das Haus verlassen hatte, fragte sich Lena: „Habe ich ihm Unrecht getan?" Aber sofort schüttelte sie ihr schlechtes Gewissen ab und fühlte sich sogar erleichtert, dass er weg war und sie ihn nicht mehr sehen musste.

Es war 21.30 Uhr als jemand einen Schlüssel ins Schloss von Josephs Wohnung steckte, während er und Sabine eng umschlungen einen spannenden Thriller im TV guckten. Joseph guckte seine Freundin fragend an: „Wer ist das? Es haben doch nur meine Brüder und Eltern einen Schlüssel." Sabine zuckte mit den Schulter. Schnell sprang Joseph vom Sofa auf und schaltete das volle Licht an, als er in Richtung Flur ging. Dort sah er einen absolut fertigen Elyas in der Tür, der mit einer kränklich klingenden Stimme fragte: „Kann ich ein paar Tage in eurem Büro wohnen? Ich kann mir zwar auch ein Hotelzimmer nehmen, aber ich will einfach bei jemanden sein. Ich will nicht alleine sein!" Joseph war von Elyas Erscheinungsbild geschockt: Er hatte tiefe Augenringe, die Falten um die Augen und an der Stirn schienen sich seit gestern verdoppelt zu haben und seine lockigen Haare standen in alle Richtungen. „Klar, komm rein! Ich nehme an, es gab ordentlich Stress zu Hause wegen Alicia. Erzähl mal, wie das passiert ist!" Elyas ging mit hängenden Schultern und schlürfenden Schrittes ins Wohnzimmer und liess sich auf den freien Sessel fallen. Sofort brachte Joseph eine Flasche Whiskey und drei Gläser aus der Küche und bot Elyas eine Zigarette an, während er sich selbst eine anzündete. Schnell ratterte Elyas die Geschichte herunter, so wie er sie auch schon Lena, seinem Agenten und seinem Anwalt erzählt hatte. Aber nachdem er fertig war, guckte ihn Joseph ungläubig an und machte „Hmmm...!" Elyas neigte den Kopf nach vorne: „Was bitte soll das heissen? Glaubst du mir nicht? Warum sollte ich dich anlügen?" Joseph atmete tief ein und aus: „Ganz ehrlich. Bei dir und Alicia weiss man nie." Plötzlich wurde der grosse Bruder laut: „Ey, die hat mich verarscht! Die hat mit Absicht solche Fotos gemacht um mich dann später reinzulegen! Hätte ich das gewusst, hätte ich doch nie zu den Fotos zugestimmt." Schnell entgegnete der kleine Bruder: „Und wie ist sie schwanger geworden? Die hat sich an dem Abend schnell einen Kerl gesucht, der sie hoffentlich schwängert? So einfach kann man das nicht planen. Und im Artikel haben die sogar ihren Schwangerschaftspass abgebildet und das Zeugungsdatum ist genau um diesen Termin herum! Die können das mit der heutigen Technologie alles genau nachvollziehen! Jetzt stell dich nicht dumm!!! Du hast dich da selbst in die Scheisse reingeritten und wenn Lena dich verlässt, dann ist es ihr Recht!" Elyas guckte ihn mit aufgerissenen Augen an und fragte stotternd: „Du, du glaubst wirklich, ich habe mit ihr geschlafen? Warum glaubt mir denn keiner?" Joseph guckte ihn ernst an: „Na, warum bloss? Einmal ein Casanova, immer ein Casanova!" Elyas wurde panisch: „Aber ich habe mich geändert! Mann, ich war Lena immer treu, ich liebe sie! Leonie und Lena bedeuten mir alles in der Welt!... Sabine, du glaubst mir doch, oder?" Sabine biss nervös auf ihrem Unterlippenpiercing herum und sagte nach einem zu langen Schweigen: „Ähm, ich sage besser nichts dazu. Ich kenne dich ja kaum. Und ich muss jetzt auch ins Bett; ich muss morgen früh raus. Gute Nacht!" Schnell sprang sie auf und rannte förmlich ins Badezimmer.

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