Es geht echt nicht, Sorry

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In der Tat war Elyas ein guter Koch und Lena genoss das Essen in vollen Zügen. Immer wieder guckte sie sich in seiner ordentlichen Wohnung um und danach ihn an. Hier erschien er wie ein ganz normaler liebevoller Mann, der sein Leben komplett unter Kontrolle hatte und eine Frau verdiente, die mit beiden Beinen im Leben stand. Plötzlich trafen sich ihre Blicke und ihr Herz fing so schnell und laut an zu schlagen, dass sie Angst hatte, dass er es hören konnte. Sofort guckte sie wieder runter auf ihr Essen und schlung die letzten Bissen hinunter. Nachdem sie die letzten Tropfen des teuren Weines getrunken hatte, sagte sie: „Ich muss morgen früh raus. Jetzt in den Semesterferien bin ich jeden Tag auf der Kinderstation." Elyas guckte sie in die Augen und fragte: „Und wann nimmst du dir mal frei?" Sie zuckte mit den Schultern: „Es macht mir Spass und ich lerne total viel für mein Studium. Aber ich muss jetzt echt los! Vielen Dank für das Essen!" Sie stand auf und ging zur Tür. Er kam ihr schnell hinterher um die Tür zu öffnen und fragte dann: „Sehen wir uns auf der Premiere?" Sie umarmte ihn zum Abschied und sagte: „Ja klar, ich freue mich!" Sie ging nach draussen und Elyas schloss die Tür, aber ihr lieblicher Geruch lag noch immer in der Luft. Er atmete tief ein und in ihm stieg ein warmes wohliges Gefühl auf und er lächelte vor sich hin. Er hatte noch eine Chance und er würde sie nutzen und sie langsam, aber sicher erobern.

Der Tag der Premiere begann mit unzähligen Interviews und Elyas war schon am frühen Abend eigentlich genervt und müde. Aber dann dachte er daran, dass er Lena wieder sehen würde und warf sich dann doch mit guter Laune in seinen Anzug. Es war auch für Elyas das erste Mal, dass er den Film in Endfassung gesehen hatte und selbst er fand ihn gut gelungen. Das Publikum schien ebenfalls begeistert und lachte sogar beim Rausgehen noch. Auf der Party suchte er überall nach Lena und es dauerte lange, bis er sie in ihrem beigen enganliegenden Kleid fand. Er umarmte sie und während sie von seinem angenehmen männlichen Geruch so benebelt war, dass sie die Kontrolle über sich verlor, guckte sie ihn einfach nur an und verlor sich im dunklen Braun seiner Augen. „Wie hat dir der Film gefallen?" fragte Elyas gespannt. Lena trat einen Schritt zurück um die Beherrschung über sich selbst wieder zu erlangen und sagte: „Er war toll, sehr lustig. Ich habe mich echt amüsiert!" Für einen Moment schwiegen sie und die Spannung erschien unerträglich. Lenas Gedanken kreisten und eine Stimme schien sie zu ermahnen: „Küss ihn nicht! Der wird dich ins Unglück treiben! Bleib stark!" In diesem Moment klopfte ein Mann Elyas von hinten auf die Schulter und meinte: „Hey Alter, komm mal mit an die Bar, da wollen noch ein paar Presseleute was von dir." In diesem Moment verfluchte Elyas seinen Job und die Journalisten, aber sagte dann schnell: „Es war schön, dich zu sehen. Ich bin jetzt erstmal 10 Tage auf Promootour, aber danach melde ich mich bei dir, Ok?!" Sie nickte ihm lächelnd zu und dann wurde er auch schon weggezogen.

Genau 10 Tage später sass Elyas müde, erschöpft und ein bisschen erkältet auf seiner Couch und tippte folgende Nachricht: „Zurück in München. Möchtest du morgen Abend mit mir Essen gehen? Dein Elyas" Schnell kam eine Antwort: „Hallo, es tut mir Leid. Ich muss vor Semesterbeginn noch viel für die Uni machen. Ich habe keine Zeit. Lena" Elyas riss die Augen auf und sein Herz schien still zu stehen. Was sollte das denn jetzt? Auf der Premiere war sie doch sogar kurz davor mich zu küssen und jetzt werde ich so abserviert! Er versuchte herauszufinden, was er falsch gemacht haben könnte, aber ihm fiel absolut nichts ein. Hatte sie vielleicht wirklich keine Zeit? Ein Medizinstudium soll ja anstrengend sein. Daher versuchte er es noch einmal: „Und wenn wir nur schnell einen Cocktail schlürfen?" Wieder dauerte es nicht lange und sein Handy kündigte eine Nachricht von Lena an: „Es geht echt nicht, Sorry!" In Elyas stieg Wut auf und er hatte Probleme sich zu kontrollieren. Am liebsten hätte er sein Handy gegen die Wand geschmissen, aber er riss sich zusammen, ging in die Küche und öffnete eine Flasche Wein. Mit dem Glas in der Hand liess er sich aufs Sofa fallen und verschüttete dabei ein paar Tropfen Wein, die auf seine Hand spritzen und sie aussehen liess, als ob er blutete. Bluten tat er in der Tat, aber innerlich. Sein Herz verkrampfte sich und er realisierte, dass irgendetwas passiert war und er Lena doch wieder verloren hatte ohne sie jemals wirklich gehabt zu haben. Er lehnte sich zurück, atmete tief ein und aus, Tränen stiegen in seinen Augen auf und er fragte sich, warum Liebe so weh tun müsse. Nur Sekunden später schlief er auf dem Sofa ein und im Schlaf rollten ihm die Tränen über die Wangen.

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