Ich bin stolz auf dich

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In den nächsten Tagen nahm Lena immer wieder ihr Handy zur Hand und schrieb Nachrichten für Elyas: „Ich finde es toll, was du machst!", „Ich bin stolz auf dich!" oder so ähnlich klangen die Versuche, die aber sofort wieder gelöscht wurden. Noch immer konnte sie sich nicht eingestehen, dass sie ihn liebte oder als Partner wollte. Aber zur gleichen Zeit quälte sie ihr schlechtes Gewissen, weil sie so unpassend auf Elyas Erscheinen im Krankenhaus reagiert hatte. Das ganze Wochenende blieb sie zu Hause und versteckte sich in ihrem Schlafzimmer der Vierer-WG und liess sich kaum blicken. Als sie am Montag müde durch die schlaflosen Nächte und frustriert durch ihre Unentschlossenheit auf die Kinderstation kam, plante sie, dass sie nur eine Stunde mit den Kleinen spielen wollte und sich danach wieder nach Hause schleppen würde. Aber der Oberarzt kam ihr entgegen gerannt und meinte: „Schnell, Frau Müller, ich brauche Ihre Hilfe. Es sind zwei Krankenschwestern krank und ich brauche jemanden, der mit bei der Knochenmarkentnahme hilft. Sie können sogar noch einiges lernen; das ist eine tolle Chance für Sie! Der Spender ist in der 12. In zehn Minuten haben wir das Vorgespräch und um 14.00 Uhr ist die OP." Lena seufzte, aber sagte nichts, denn irgendwie war sie auch gespannt, denn bis jetzt durfte sie noch nie bei einer Operation dabei sein.

Schnell zog sich Lena um und schlüpfte in die weisse Ärztekleidung. Sie ging zu Zimmer 12 und der Oberarzt stand schon vor dem Spender und erklärte ihm die letzten wichtigen Details. Lena kam ganz leise auf Zehenspitzen ins Zimmer und hörte, wie der Arzt sagte: „Naja, wie schon erwähnt, die Leberwerte sind ein wenig ausserhalb des Normalbereiches. Ein paar Partys weniger könnten nicht schaden." Als Lena das Gesicht des Spenders zu Gesicht bekam, blieb ihr Herz stehen und sie riss die Augen auf: Es war Elyas! Ihre Gedanken schrieen: „Natürlich!!! Wer sonst sollte es denn sein? Scheisse!!!" Sie atmete tief durch und versuchte professionell zu wirken. „Ah, hier ist sie ja. Frau Lena Müller wird bei der OP asistieren. Können Sie ihm bitte den Zugang legen. Sie hatten doch schon genug Übung, oder?" fragte der Oberarzte während er Lena tief in die Augen guckte, denn noch immer konnte er sich gut an ihre Reaktion erinnern, als sie ihm letzte Woche sah. Lena nickte stumm und griff nach der Nadel. Aber ein Lächeln konnte sie nicht verbergen, denn irgendwie freute sie sich Elyas zu sehen. Er sah eine kleine Chance sich doch noch beliebt zu machen, verzog sein Gesicht zu einer schelmischen Grimasse und meinte: „Ui, ich hoffe, ich überlebe das alles mit ihr als Assistenzärztin!" Lena musste ihr Grinsen unterdrücken, denn in der Tat fand sie das lustig. Aber dann nahm sie das Desinfektionsmittel und berührte sanft Elyas muskullösen Arm um vorsichtig die Nadel in seine Vene zu führen. „Tat gar nicht weh. Die Krankenschwester am Freitag war nicht so liebevoll!" lächelte Elyas Lena an und ihre Augen strahlten.

Die Operation verlief ohne Probleme und als Elyas langsam wieder aus seiner Vollnarkose erwachte und nur verschwommen seine Mutter an seiner Seite vernahm, die ihm durch seine lockigen weichen Haare strich und ihm mit einem stolzen Blick anguckte, spürte er ein angenehmes warmes Gefühl in seiner Brust aufsteigen. In diesem Moment kam Lena ins Zimmer und schenkte ihm ein weiteres Lächeln: „Na, du Superheld, alles klar? Hast du Schmerzen?" Elyas versuchte sich auf etwas zu konzentrieren, vorallem auf seine Hüftknochen, aber anscheinend hatte er noch genug Schmerzmittel im Blut um nichts zu spüren. Daher schütteltete er leicht seinen Kopf. Lena legte behutsam ihre Hand auf seine Schulter und er spürte tausende von Schmetterlingen in seinem Bauch aufsteigen.

Obwohl Lena eigentlich geplant hatte, heute schnell wieder nach Hause zu fahren, blieb sie noch stundenlang im Krankenhaus und kam alle 30 Minuten in Elyas Zimmer um zu gucken, ob es ihm gut ging. Natürlich fehlte ihm nichts, denn Knochenmarkspenden hatte normalerweise wenige Risiken. Oft litten die Spender zwar unter recht starke Schmerzen an den Einstichstellen, aber Lena versorgte Elyas mit ausreichend Schmerzmitteln um das zu verhindern. Als Lena das 4. Mal in sein Zimmer kam, lachte Elyas: „Hey, stalkst du mich? Muss ich mir Sorgen machen, dass du doch plötzlich Gefühle für mich hast?" Sie verzog das Gesicht, drehte sich spielerisch um und kam dann aber doch zurück zu seinem Bett und sagte leise: „Ich bin stolz auf dich! Du hast etwas ganz Besonderes getan!" Er griff nach ihrer Hand und hielt sie kurz fest. Ihr Herz schlug schneller und sie musste tief einatmen um sich wieder zu kontrollieren. „Naja, ich komme nachher noch mal vorbei, wenn du möchtest!" sagte sie während sie aus der Tür ging und sich verführerisch durch die Haare strich. Elyas lächelte: „Gerne!"

HoffnungenGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt