Sorry, ich kann leider nicht!

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Während Elyas nun den Moderatoren mit bösen Blicken strafte, stiess plötzlich etwas an sein Hinterkopf. Er drehte sich schnell um und sah einen kleinen Jungen, der auf seinem Stuhl stehend rumzappelte, während die Eltern ihm zum zehnten Mal ermahnten, dass er doch sich doch endlich hinsetzen sollte. Elyas guckte den Kleinen an und bemerkte sofort, dass sein Basecap die fehlenden Haare verstecken sollten. Er richtete seine Frage an die Eltern: „Sind sie die Familie, die nachher für das Projekt der Leukämie-Station auf die Bühne kommt?" Die Mutter griff nach den Arm des Jungen und zwang ihn sich hinzusetzen und meinte: „Ja, das sind wir. Nur leider weiss ich nicht, wie ich ihn nachher kontrollieren soll. Seitdem es ihm besser geht, bleibt er keine 2 Minuten sitzen." Elyas musste grinsen: „Ich war auch kein einfaches Kind... Wie heisst du denn, kleiner Mann?" Der etwa 5-jährige Junge antwortete freundlich: „Pascal." Elyas rückte seinen Stuhl zurecht, so dass er den Pascal besser sehen konnte und zog die M&Ms-Tüte aus seiner Jacke: „Na, isst du die gerne?" Pascal machte grosse Augen und nickte gierig während Elyas weitersprach: „OK, du setzt dich jetzt ganz lieb auf deinen Stuhl und ich gebe dir ein paar. Und wenn wir nachher auf dem Sofa sitzen, bekommst du die ganze Tüte, wenn du ganz artig bist!" Pascal konnte sein Glück kaum fassen und setzte sich kerzengerade auf seinen Stuhl. Elyas öffnete die Tüte und füllte Pascals Hände mit den M&Ms und er steckte jede Einzelne voller Genuss in den Mund.

Lena beobachtete die ganze Szene und schien beeindruckt. Sie konnte nicht aufhören, Elyas Mimik und Gestik genau zu analysieren. War das auch nur gespielt? Elyas grinste den Kleinen an und zog ihm liebevoll das Basecap zurecht. Lena konnte ihren Augen nicht trauen und ihr Herz schlug schneller, denn jede Sekunde wurde sie sicherer, dass das seine echten Gefühle waren. War er etwa ein Familienmensch? Sie bekam ein Kribbeln im Bauch und musste sich innerlich immer wieder einreden, dass er nur ein riesiger Macho war.

Eine Stunde später musste Elyas auf die Bühne. Er beantwortete geduldig alle Fragen des Moderators und spulte seinen Text runter. Als Lena dazu kam, hoffte er inständig, dass sie ihn nicht in einer Livesendung blossstellen würde. Aber sie benahm sich ganz professionell und lächelte ab und zu auch charmant zu Elyas rüber, was sein Herz jedes Mal in einen rasenden Takt versetzte. Dann kamen Pascal und seine Eltern auf die Bühne und wieder einmal zappelte Pascal wie wild herum und stellte sich sogar auf das Sofa. Elyas rettete die Situation schnell mit einem: „Guckt mal, wie gut es ihm inzwischen geht. Es lohnt sich also wirklich zu spenden!" Daraufhin packte er schnell wieder die M&Ms-Tüte aus, knispte sein Mikrofon aus, was an seinem Hemd befestigt war und sagte zu dem Kleinen: „Na, in welcher Hand habe ich die Schokolade versteckt?" Wieder einmal setzte sich Pascal artig auf die Coach und neigte den Kopf mal nach links, mal nach rechts, während Elyas die Hände hinter dem Rücken versteckt hielt. Pacal tippte schlussendlich auf den rechten Arm und Elyas musste schnell die Tüte in die rechte Hand wechseln und zog dann mit einem erstaunten Gesicht die Tüte hinter seinem Rücken hervor. Pascal klatschte vor Freude in die Hände und griff nach der Tüte. „Hey warte, ich kriege auch welche von!" grinste Elyas ihn an und Pascal gab ihn 5 M&Ms ab. Auf dem Grossbildschirm konnte das Publikum vor Ort genau verfolgen, wie ein grosses Kind namens Elyas und ein kleines Kind namens Pascal sich glücklich die M&Ms in die Münder schoben und es gab keinem im Saal oder vor dem Fernseher, dem bei diesem Anblick nicht das Herz aufging. Wieder einmal verfolgte Lena genau die Situation und lachte Elyas direkt an. Dieser lächelte zurück und verlor sich in ihren schönen Augen. Sein Herz schlug schnell und Schmetterlinge stiegen in seinem Bauch auf.

Minuten später wurden alle vom Moderator verabschiedet und Pascal wünschte er „Gute Besserung!". Als Pascal von dem Sofa hüpfte, nahm er Elyas Hand und ging so mit ihm zu dem Backstagebereich. Man konnte förmlich hören, wie das Publikum ein kleines Stöhnen vor Rührung ausstiess. Nachdem Pascal Elyas Hand losgelassen hatte und mit seinen Eltern den Gang entlang iang, kam Lena zu Elyas und meinte: „Das hast du gerade echt toll gemacht! Ich glaube, da blieb wirklich kein Auge trocken und hoffentlich bringt es viele Spenden für die Station." Sie nahm seine Hand und schüttelte sie leicht. Er strich mit seinem Daumen sanft über ihre Knöchel und ihr Herz schlug wie wild. Er fragte: „Gehst du dann als Dank heute abend noch mit mir aus?" Ihre Gedanken kreisten, denn eigentlich war sie ihm schon längst verfallen, aber dann stotterte sie: „Ähm, ich... weisst du, ich bin wirklich müde und ich... also, muss morgen früh gleich wieder zum Flughafen. Sorry, ich kann leider nicht!" Sofort liess sie seine Hand los und rannte Richtung Gang um den Ausgang zu suchen. Elyas stand mit offenem Mund noch immer im Backstagebereich und wurde von dem Produktionsassistenten vorsichtig zur Seite geschoben, da die nächsten Gäste auf die Bühne mussten. Er konnte seine Gefühle nicht definieren. War er enttäuscht? Frustriert? Geschockt? Verärgert? Unsterblich verliebt???

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