Was habe ich falsch gemacht?

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Die nächsten beiden Tage liess Elyas sein Handy immer bei den Frauen der Maske, wenn er drehte, denn er hoffte inständig, dass sich Lena doch noch umentscheiden würde und er wollte auf keinen Fall ihren Anruf verpassen. Aber auch am zweiten Tag hatte sie sich nicht gemeldet und er nahm traurig sein Handy entgegen als er das Set verliess. Als er auf dem Heimweg an einer Ampel halten musste, piepte sein Handy und sofort griff er danach. Sein Herz schlug schnell, als er sah, dass es eine Nachricht von Lena war. Er betete, dass es eine Nachricht war, um ihn zu fragen, ob sie sich treffen könnten um noch einmal zu reden. Nichts wünschte er sich mehr. Aber als er die Nachricht lass, blieb ihm sein Herz stehen: „Ich wollte dir nur mitteilen, dass ich für Freitag einen Termin habe. Ich melde mich dann nächste Woche bei dir." Elyas dachte laut: „Termin? Für was? Für..." Und in diesem Moment realisierte er, wie dumm er war. Natürlich war er der Termin für die Abtreibung und ihm wurde schwarz vor Augen. Sein Herz verknotete sich und Tränen stiegen wieder in seine Augen. Durch lautes Hupen wurde er aus seiner Trance gerissen, denn inszwischen hatte die Ampel auf grün geschaltet und die Autofahrer hinter ihm wurden nervös, da Elyas' Auto sich keinen Zentimeter vom Platz bewegt hatte.

Zu Hause angekommen, griff er wieder zur Whiskeyflasche und liess sich aufs Sofa fallen. Er war müde, frustriert, hatte Kopfschmerzen und spürte einen Stich in seinem Herzen. Seine Gedanken kreisten: „Warum macht sie es so schnell? Hat sie Angst, dass sie sonst noch Gefühle für das Kind bekommt? Und was soll ich auf die Nachricht antworten? ‚OK!'? Nein, es war nicht OK! Kann ich ihr das verzeihen? Will sie, dass ich ihr verzeihe? Ist jetzt alles aus? Warum ist das passiert? Was habe ich falsch gemacht???" Er nahm noch einen grossen Schluck und um ihn herum wurde alles dunkel.

Es war Donnerstagnachmittag und Lena war auf dem Weg zum Psychologen des Krankenhauses um das Attest zu bekommen um am nächsten Tag den Schwangerschaftsabbruch durchführen zu lassen. Die grellen Lichter des Ganges brannten unangenehm in ihren Augen und der Weg schien unendlich lang. Sie ging mit sicheren Schritten, aber innerlich war sie zerwühlt. Sie vermisste Elyas, seine erotische Stimme, die kräftigen Arme, die ihr immer so viel Halt und Schutz gaben und diese dunklen Augen, die immer die Wahrheit sagten. Er hatte so eine gefühlvolle und sensible Seite. Es hätte ihr doch klar sein müssen, dass er das Kind haben wollte. Immer wieder fragte sie sich, ob sie das Richtige tat, ob Elyas vielleicht doch ein guter Vater sein konnte, ob ihre Karriere wichtiger war als ein ungeborenes Leben, ob sie damit ihre Beziehung zerstören würde oder schon hatte. Als sie vor der Tür der Psychologin ankam, lehnte sie sich gegen die Wand und atmete tief ein und aus. Ein kalter Schauer lief über ihren Rücken und sie musste sich ungewollt schütteln. Aber dann sagte sie halblaut zu sich: „Jetzt reiss dich zusammen! Du bist eine selbstsichere und selbständige Frau. Und wenn Elyas dich wirklich liebt, dann wird er das verstehen. Er muss einfach! Ich liebe ihn doch und er mich!"

Sie stiess sich von der Wand ab, band sich ihren Zopf neu und zupfte ihren weissen Kittel noch einmal zurecht. Als sie sich gerade hinstellte, spürte sie, wie Tränen in ihre Augen stiegen. Aber schnell rieb sie sich die Augen und ignorierte das flaue Gefühl in ihrem Magen. Es schien, als ob eine dunkle Kraft ihre Seele zerreisen würde. Aber sie zwang sich ihre Hand zu heben um an der Tür der Psychologin zu klopfen. Ihr Herz schlug rasend schnell und sie fing an zu hyperventilieren. Aber dann hörte sie eine leise Frauenstimme von drinnen, die „Ja, bitte!" rief und Lena drückte ganz langsam auf die Türklinke, während sie versuchte, ihre Atmung zu kontrollieren. Als Lena in das Zimmer trat, sagte die Psychologin freundlich: „Guten Tag, sie müssen Lena Müller sein. Es geht um einen Schwangerschaftsabbruch." Noch immer schnell atmend, nickte Lena nur mit blassen Gesicht und setzte sich auf den Stuhl vor dem Schreibtisch.

HoffnungenGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt