Sind die verrückt?

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Als Elyas stöhnend versuchte, sich auf dem Sofa etwas bequemer hinzusetzen, fragte Lena besorgt: "Hast du Schmerzen?" Elyas nickte mit einem schmerzverzehrten Gesicht. Sie fragte weiter: „Starke Schmerzen?" Und wieder nickte er mit dem Kopf. Ganz sanft legte sie ihre Hand auf seinen Oberschenkel und flüsterte: „Ich hol dir was, warte!" Lena guckte den Anführer an and sagte laut: „Hey, Elyas braucht Schmerzmittel. Sie sind gleich im Zimmer nebenan. Kann ich ihm etwas holen?" Der Mann guckte sie fragend an und meinte: „Wozu? Damit er hier Ärger machen kann? Nee nee, es kommt mir gerade Recht, dass der sich nicht bewegen kann. Weniger Arbeit für uns." Lena fühlte eine Hitze vor Wut aufsteigen und schrie: „Und schlafen wird er so auch nicht können!" Der Mann richtete seine Waffe auf Lena und schrie zurück: „Das ist mir doch scheissegal, ob der schlafen kann oder nicht. Und jetzt hör auf zu nerven, bevor ich die Geduld verliere!" Elyas und Lena atmeten schnell vor Angst und er legte seine Hand auf die Ihre und sagte leise: „Ist Ok, es geht schon irgendwie." Sie lehnte sich vorsichtig an seine Schultern und er strich liebevoll durch ihre Haare und gab ihr einen Kuss auf die Schläfe. Tränen der Verzweiflung stiegen in Lenas Augen auf, aber sie versuchte, sie zu unterdrücken und sprach mit beschlagener Stimme: „Leg dich hin und schliess deine Augen." Unter Schmerzen quälte sich Elyas bei dem Versuch seine Beine hochzulegen und Lena half ihm dabei und blieb dann neben ihm am Boden sitzen um seine Hand zu halten und über seinen Arm zu streicheln. Die Geiselnehmer machten es sich ebenfalls bequem während immer ein Anderer Wache hielt.

Es war bereits Mitternacht, als Raphael mit Joseph telefonierte: „Die wollen das Krankenhaus stürmen, noch heute Nacht!" Joseph antwortete entgeistert: „Sind die verrückt? Was ist, wenn die wirklich auf Elyas schiessen?!" Raphael antwortete genervt: „Mann, ich kann doch auch nichts machen. Die sagen, die schicken ein Sondereinsaztkommando rein und haben Scharfschützen auf dem Gebäude gegenüber. Die können wohl ganz gut ausmachen, wo sich Lena und Elyas befinden. Die werden definitiv nicht warten, bis sich ein Spender findet... Warte, ich rufe gleich zurück!" Raphael legte auf und Joseph stand mit offenem Mund im Wohnzimmer seiner Eltern und wurde mit fragenden Blicken gelöchert. Er schluckte und sprach dann leise: „Es sieht so aus, als ob die noch heute Nacht mit einem SEK da rein wollen." Seine Mutter stiess einen kleinen Schrei aus und hielt sich zitternd die Hände vor den Mund.

Elyas hatte auf dem Sofa in einen unruhigen Schlaf gefunden und Lena lag zusammengekauert auf ein paar Sitzsäcken neben ihm auf dem Boden. Es war kurz nach 3, als Elyas von lauten Geräuschen und Schreien auf dem Flur aufwachte. Das Licht brannte noch immer in ihrem Zimmer, aber alle drei Geiselnehmer waren eingeschlafen. Elyas stupste Lena vorsichtig an und versuchte sie aufzuwecken. Aber genau in dem Moment, als sie die Augen öffnete, wachten auch die 2 kleineren Männer auf und sprangen auf um in den Gang zu rennen. Plötzlich ertönten Schüsse und zersplitterten mit einen lauten Knall die Fenster und trafen die beiden Männer in den Rücken. Elyas hielt reflexartig die Hände vor seine Augen und versuchte aufzuspringen um sich und Lena schützend in einer Ecke zu verstecken. Stöhnend liess er sich auf die Knie fallen, griff sich die Waffe von einen der Männer und bemerkte, wie der Anführer mit 4 Metern Abstand vor ihm stand und genau auf ihn zielte. Von draussen ertönten Schüsse und Elyas Herz schlug ihm bis zum Hals. Seine Hände waren schweissnass, aber umklammerten die Waffe und langsam löste er die Sicherung. Er war dankbar, dass er das mal für einen Film lernen musste. Als der Anführer schnelle Schritte auf dem Gang vernahm, die immer näher kamen, schrie er: „Ich habs euch gesagt, ich bringe ihn um!" Wie in Zeitlupe realisierte Elyas, wie sich zwei Schüsse aus der Waffe des Mannes lösten und er schloss die Augen und sah noch einmal sein Leben vor sich: wie er als kleiner Junge mit seinen Brüdern Geburtstagstorte ass, wie er seine erste Freundin küsste, wie er das erste Mal in einem schwarzen Anzug einen Preis entgegen nahm, wie er vor tausend schreienden und weinenden Fans Autogramme gab und wie er mit Lena in ihrem Bett lag und sie sich eng umschlungen festhielten. Er kniff die Augen noch stärker zusammen und wartete darauf, dass die Kugeln sein Leben auslöschten.

HoffnungenGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt