Warum willst du mein Leben zerstören?

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Der nächste Tag war ein Samstag und Lu kam vorbei und versuchte Elyas aufzuheitern: "Komm, wir gehen heute abend weg und trinken was! So kannst du wenigstens für ein paar Stunden diesen Scheiss vergessen!" Elyas schüttelte sofort mit dem Kopf und hatte das Gefühl, dass er erneut in Tränen ausbrechen würde. „Was ist, wenn mich jemand sieht?" fragte Elyas. „Gott, was soll schon sein? Wir gehen seit Jahren immer in die gleichen Bars und manchmal erkennt dich einer, manchmal nicht und nie ist es ein Problem! Jetzt geb dir einen Ruck!" sagte Lu während er ihn auf die Schulter fasste. Ganz leise sprachen Elyas Lippen „OK."

Elyas war einfach nicht gut drauf und trotz der Versuche seiner Freunde, ihn auf andere Gedanken zu bekommen, verabschiedete er sich bereits 23.00 Uhr vor der Bar von ihnen. Aber genau in diesem Moment sah er eine Frau auf der anderen Strassenseite. „Das ist sie! Das ist Alicia!" sagte Elyas hektisch während er bereits auf die andere Strassenseite rannte. Er packte sie an den Armen und stiess sie unsanft gegen eine Hauswand. „Warum machst du das? Warum? Warum willst du mein Leben zerstören?" schrie er. Alicia guckte sich panisch um und schrie sofort nach Hilfe. Gleich kamen Lu und Elyas andere Freunde zu ihm gerannt und zogen ihn weg. „Bist du verrückt? Als ob das jetzt was bringt? Lass sie gehen!" schrie Lu ihn an. Sofort löste sie sich aus seinen Armen und ging schnellen Schrittes weg. Elyas guckte ihr ausser Atem und voller Wut nach, aber bewegte sich keinen Millimeter.Wenige Sekunden nachdem Alicia um die Ecke gebogen war, hörte sie quietschende Reifen und einen Schrei. „Scheisse! Was war das?" rief Jona. Schnell liefen die fünf Männer zur Kreuzung und sahen Alicia vor dem Auto auf den Boden und bereits zwei Passanten, die sich um sie kümmerten und einen Notarzt riefen.

Innerhalb weniger Minuten waren die Polizei und der Krankenwagen da. Während der Notarzt sie untersuchte, beugte sich eine Polizistin über sie und fragte: „Was ist passiert?" Alicia sagte vor Schmerzen zitternd und zeigte auf Elyas: „Er.. er hat mich verfolgt!" Panik stieg in Elyas auf und sein erster Instinkt war wegzulaufen, aber Lu hielt ihm am Arm fest. Die Polizistin kam auf ihn zu und sagte direkt: „Ich werde sie mit auf das Revier nehmen müssen." Sofort schüttelte er den Kopf und meinte: „Nein, ich habe nichts gemacht. Ich stand da hinten. Ich.. ich.. Meine Freunde können das bezeugen!" Die Polizistin zückte die Handschellen und sprach in einem neutralen Ton: „Ihre Freunde und die anderen Zeugen werden wir auch noch vernehmen. Wenn sie jetzt kooperativ sind, wird vieles viel einfacher." Um Elyas herum wurde alles dunkel und ihm wurde schwindelig. Er spürte, wie das kalte Metall sich um seine Handgelenke legte und er hatte das Gefühl, er war in einem endlosen Albtraum gefangen.

Auf dem Revier wurde er in einem Raum gebracht, der durch ein Fenster einen Blick auf den Flur zuliess. Sofort machte er klar, dass er ohne seinen Anwalt nicht ein Wort sagen würde. Zum Glück war sein Anwalt auch nachts kontaktierbar und nur 40 Minuten später konnte Elyas sehen, wie er sich mit einem Polizisten auf dem Gang unterhielt. Schnellen Schrittes kaum er danach zu Elyas und guckte ihn ernst an: „OK, ich brauche jedes Detail. Alicia hat ihr Kind verloren und wenn du etwas damit zu tun hast, dann steckst du jetzt wirklich tief in der Scheisse!" Sein Anwalt kannte ihn schon so lange, dass sie sich gegenseitig dutzten. Elyas Herz stockte und er fragte mit zittriger Stimme: „Sie hat es verloren?" Sein Anwalt nickte ernst und sagte noch einmal: „Ich brauche jedes Detail!" Schnell schüttelte Elyas seinen Kopf und seine Worte sprudeleten aus seinem Mund: „Ich war das nicht. Ich meine, ok, ich habe sie vor der Bar gesehen und ich bin auf sie zugerannt. Ich habe sie angefasst, also , ein bisschen härter, aber nicht so hart und habe sie gegen die Wand geschubst, aber langsam. Und dann kamen Lu und die anderen und haben mich weggezogen und Alicia ist gegangen, aber nicht gerannt. Sie ist langsam gegangen, wirklich und ich bin stehen geblieben. Ich bin ihr nicht gefolgt. Lu kann das bestätigen. Er hat mich die ganze Zeit festgehalten. Wir sind erst dorthin gerannt, als wir die Schreie gehört haben. Bitte, ich sage die Wahrheit!... Und, ich... also, wenn das Kind tot ist.. ich bräuchte troztdem einen Vaterschaftstest." Der Anwalt sagte trocken: „Das habe ich bereits veranlasst. Gleich kommt jemand, der dir Blut abnimmt."

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