Das kann nicht sein

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"Elyas, kannst du dich bitte beeilen?! Wir haben einen mega vollen Drehplan für heute. Ich kann ja verstehen, dass du dir um deine Freundin Sorgen machst, aber heute ist echt kein guter Tag um zu spät zu kommen." sprach ein genervter Produktionsassistent ins Telefon und Elyas rollte mit den Augen als er die Worte vernahm und gerade auf den Parkplatz des Krankenhauses einbog. Er antwortete leicht gernervt: „In 30 Minuten bin ich am Set, OK? Bis dann!" Elyas legte auf, hielt das Auto direkt vor dem Personaleingang an und guckte Lena mit seinen intensiven Augen an: „Bitte lass dich gleich untersuchen und sag mir Bescheid! Ich glaube, ich bin heute so um 18.00 Uhr wieder zu Hause. Aber wenn du irgendetwas brauchst, ruf mich an. Ich lasse das Handy bei den Mädels in der Maske; die können immer rangehen und mich informieren. Ich liebe dich!" Er küsste sie liebevoll und lächelte sie besorgt an. Lena lächelte zurück und ihre Augen strahlten: „Elyas, mir geht es wieder gut. Aber ja, ich lass mich kurz durchchecken... Ich liebe dich auch!" Sie gab ihm noch einen hastigen Kuss und stieg dann aus und lief schnellen und sicheren Schrittes ins Krankenhaus.

Im Umkleideraum ging sie an ihren Spind und holte ihren weissen Kittel heraus und heftete das Namensschild mit „Asssistensärztin Lena Müller" daran. Sie dachte laut vor sich hin: „Noch 5 Monate und da steht endlich ‚Dr. med. Lena Müller' drauf, wow!" Sie guckte auf die Uhr und erschrak über die späte Uhrzeit. Sie schmiss mit Schwung die Spindtür zu und machte sich laufend aufdem Weg zur Leukämie-Kinderstation. Als sie den langen weissen Gang mit den grellen Lichtern entlanglief, fingen die Wände an, sich zu bewegen und vor ihren Augen flickerte das Licht an und aus. Sie stoppte und stüzte sich an der Hauswand ab und atmete tief ein und aus. Ihr wurde schwarz vor Augen und ihre Beine wurden weich. Sie rieb sich die Augen und schüttelte sich vor Kälte. „Hey Lena, was ist denn los?" fragte die Oberschwester als sie helfend ihren Arm um sie legte. Lena war kreidebleich und sagte kein Wort. „Komm, setz dich erstmal hin!" sprach die etwas korpulente Schwester weiter, stützte Lena und zog sie in Richtung Schwesternzimmer. Dort liess sich Lena auf einen Stuhl fallen und versuchte wieder die Kontrolle über sich zu bekommen. Sie atmete noch einmal tief ein, streckte sich und sagte dann: „Ich weiss nicht, aber heute spielt mein Kreislauf total verrückt. Ich bin heute früh schon einmal umgekippt. Es muss am Wetter liegen." Die Schwester runzelte die Stirn: „Hmm... eigentlich ist das Wetter doch total angenehm. Ich hole gleich mal Dr. Brandt, der soll sich sie mal angucken. Sie sehen echt nicht gut aus!"

Als der Arzt 10 Minuten später ins Schwesternzimmer kam, ging es Lena wieder blendend. Trotzdem legte der Arzt das Stethoskop auf ihren Brustkorb und hörte auf ihre Herztöne, mass ihren Blutdruck und kontrollierte ihre Pupillen. „Lena, du gibst mir Rätsel auf! Ich kann eigentlich nichts finden. Dein Blutdruck ist zwar ein bisschen niedrig, aber für Frauen in deinem Alter und mit deiner Figur eigentlich nichts ungewöhnliches... Hattest du viel Stress?" Lena musste laut loslachen: „Ich bin Assistenzärztin und arbeite täglich 10-12 Stunden und hatte die letzten drei Wochen jeweils nur einen Tag frei. NATÜRLICH habe ich Stress! Aber das hat mir früher auch nichts ausgemacht." Dr. Brandt musste grinsen, denn nur zu gut konnte er sich an seine anstregende Assistensarztzeit erinnern. „Naja, ich könnte dich ein paar Tage krank schreiben und du könntest dich mal richtig ausruhen. Vielleicht geht es dir dann schon wieder besser. Aber um sicher zu gehen, nehme ich dir noch Blut ab... Bekommst du vielleicht bald deine Periode? Viele Frauen haben kurz vorher Kreislaufprobleme." Lena zuckte mit den Schultern und griff nach ihrem Handy: „Oh, lass mich mal nachgucken. Ich hatte in den letzten Tagen so viel um die Ohren, dass ich das gar nicht weiss." Mit flinken Fingern tippte sie auf dem Iphone herum, welches Elyas ihr geschenkt hatte, und suchte nach der Regelkalenderapp. Sie öffnete sie und plötzlich blieb ihr Herz stehen und rief lauf: „Ach du grosse Scheisse! Das kann nicht sein!!!"

HoffnungenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt