Eine Woche später lag Elyas schon am Morgen gelangweilt auf seinem Sofa und suchte nach einer Idee, wie er Lena wiedersehen konnte. Er dachte laut vor sich hin: „Diese Blicke, die sie mir bei der Show und danach backstage zugeworfen hatte, haben doch gezeigt, dass sie mich auch ein bisschen mag. Warum ist sie nicht mit mir ausgegangen? Wie kann ich sie überzeugen?" In seinem Inneren breitete sich ein Gefühl der Frustration aus. So selten spürte er wirklich etwas für eine Frau und ausgerechnet jetzt, wo er so viel fühlte, schien diese Frau ihn zu hassen. Er nahm sein Handy und tippte mit seinen Fingern ungeduldig auf dem Touchpad rum. Aber plötzlich kam ihm eine gute Idee und er wählte die Nummer seines Agenten. Nachdem dieser abnahm, sprach Elyas gleich los ohne ihn auch nur zu begrüssen: „Wir könnten doch so eine Art Fortsetzung für die Leukämie-Station machen? Also, so um zu zeigen, was mit den Spendengeldern gemacht wird." Sein Agent stotterte überrascht: „Hallo erstmal, Elyas! Und ja, ähm, wir müssten aber zuerst Jemanden finden, der darüber berichten möchte. Und wann willst du das denn machen? Ich wusste gar nicht, dass dir die Kinder so wichtig sind." Elyas antwortete patzig: „Na, irgendwer wird das schon machen wollen.. Die Bunte oder so was; das wäre doch etwas für eine Frauenzeitschrift! Ich habe diese Woche sowieso nichts zu tun. Da kann ich ja auch mal was Gutes tun." Plötzlich schien aber dem Agenten doch ein Licht aufzugehen: „Elyas, du machst das aber nicht wegen dieser ... wie heisst sie noch? Ach ja, Lena. Die will nichts von dir! Versteh das doch! Ich mache so etwas nicht, damit du eine Frau aufreissen kannst." Elyas rollte mit den Augen und fühlte sich erwischt und versuchte schnell eine überzeugende Erklärung zu erfinden: „Nein, also, ähm, ich dachte, es wäre eine gute Idee wegen meines Rufs und so. Das könnte ja wirklich ein Langzeitprojekt werden und der kleine Pascal hat sich echt einen Platz in meinem Herzen erkämpft." Der letzte Teil war noch nicht mal eine Lüge, denn in der Tat musste er immer wieder an den Kleinen denken, wie er Elyas sein strahlendstes Lächeln schenkte, obwohl er vor kurzem noch sterbenskrank war, ein echter Krieger! Am Ende sagte sein Agent dann doch zu und versprach, dass er so schnell wie möglich zurückrufen würde um hoffentlich einen Termin für den neuen Bericht zu haben.
In der Tat zeigte die Bunte grosses Interesse an der Story, vorallem da Elyas keine Gage verlangte. Aber vertraglich wurde festgelegt, dass die Zeitschrift 5% jeder verkauften Ausgabe an die Station spenden würde. Schon 2 Tage später trafen sich Elyas und die Journalisten vor dem Krankenhaus. Lange stand er zu Hause vor dem Spiegel und überlegte, was er anziehen sollte. Da Lena damals meinte, dass teure Lederjacken sie nicht beeindrucken würde, entschied er sich für die lässige Jeansjacke und darunter ein einfarbiges T-Shirt. Die Haare liess er lockig und natürlich. Als er und die Journalisten in das Krankenhaus traten, wurden sie sofort von dem Oberarzt begrüsst, der seinen Dank aussprach, dass so viel Werbung für die Station gemacht wurde. In dem Moment kam Lena dazu und sagte zum Arzt ohne Elyas auch nur anzugucken: „So, ich gehe jetzt. Mir geht es echt nicht gut. Es tut mir Leid, dass ich nicht bleiben kann." Der Arzt fasste sie freundschaftlich an die Schulter und meinte: „Kein Problem! Gute Besserung! Wir bekommen das schon hin." Elyas konnte es nicht glauben: Die geht jetzt?? FUCK!!! Schnell drehte er sich zu ihr rum und rief: „Lena!?" Sie guckte ihn fragend an. Er blieb mit offenem Mund stehen und hatte keinen blassen Schimmer, was er jetzt sagen konnte. Warum hat er überhaupt nach ihrem Namen gerufen? Er konnte ja wohl nicht jetzt vor den Journalisten nach ihrer Nummer fragen oder mit ihr flirten. Dann stammelte er: „Ähm, gute Besserung!" Sie nickte und lächelte leicht. Elyas fühlte sich plötzlich leer und kalt, setzte aber seine gespielte gute Laune-Miene auf.
Dieses Mal verging der Fototermin schnell. Der Oberarzt führte die Journalisten und Elyas durch die verschiedenen Räume und zeigte ihnen, was bereits von den Spenden neu gekauft wurde und was noch fehlte. Elyas war inzwischen bei den Kindern bekannt und so beliebt, dass die Kleinen sich stritten, wer seine Hand halten durfte während sie durch die Gänge gingen. Und um seine Beliebtheit noch zu verstärken, hatte er dieses Mal an reichlich M&Ms und Gummibärchen gedacht und die Kleinen dankten es ihm mit einer grossen Umarmung. Eigentlich wollte er ja Lena beeindrucken, aber die Kleinen schafften es mit ihrer Freude und Dankbarkeit, seine Enttäuschung über Lenas Abwesenheit am Ende doch in einem geringen Ausmass zu halten.
