Ich mache mir halt Sorgen

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Es war am Nachmittag des 29. Mais, als Lena, Elyas, die Brüder Joseph und Raphael mit ihren Freundinnen und ihrer Mutter am Wohnzimmertisch in Elyas neuer Villa am Stadtrand von München zusammen sassen und Torte assen. Lena war inzwischen hochschwanger, aber zum Geburtstermin fehlten noch genau 3 Wochen. Immer wieder streichelte sie liebevoll mit ihrer linken Hand, die inzwischen mit einem teuren weissgoldenen und diamantenbesetzten Verlobunsgring geschmückt war, über ihren Bauch.

„Na Joseph, keinen Hunger?" fragte Elyas amüsiert und grinste den etwas blassen blonden Bruder an, der lustlos in seinem Tortenstück rumstocherte. „Hör auf! Mein Kopf explodiert gleich und zum Frühstück gab es 2 Ibuprophen und seitdem gar nichts mehr. Gestern habe ich echt ein paar Drinks zu viel gehabt!" sagte er mit einem leicht verzogenem Gesicht. Seine Freundin Sabine stimmte ihm zu: „Oh ja, nachdem ich ihn die 4. Stockwerke zu seiner Wohnung hochgezogen habe, ist er auf dem Sofa mit Lederjacke und Schuhen eingeschlafen." Lena lachte: „Elyas ist auf dem Boden des Kinderzimmers eingeschlafen. Er war gestern der Meinung gewesen, dass er nachts um 4 nachgucken musste, ob er das Kinderbett richtig zusammen gebaut hatte." Alle brachen in Gelächter aus und Raphael fragte: „Und, war alles in Ordnung?" Elyas setzte einen gespielten beleidigten Gesichtsausdruck auf: „Natürlich, immerhin haben Lu und ich das aufgebaut!" Elyas Mutter fragte ungläubig: „Und das hat funktioniert? Ich seid doch beide nicht so handwerklich begabt." Lena prustete vor Lachen: „Es war auch ein Bild für die Götter, ihr hättet es sehen sollen. Die beiden haben einen vollen Tag dafür gebraucht, und einen Kasten Bier!" Joseph und Raphael hielten sich vor Lachen den Bauch, denn sie konnten sich zu gut vorstellen, wie die beiden Strategen über Baupläne eines Kinderbettes diskutierten. Aber es war Elyas wichtig gewesen, das Kinderzimmer selbst aufzubauen und es nicht vom Möbelhaus machen zu lassen. Er fasste Lena an den Arm und meinte: „OK, jetzt reicht es aber. So langsam wird es peinlich. Meine Mutter gibt mich wirklich noch in Adoption." Raphael rief aus: „Oder sie steckt dich wieder in ein katholisches Internat!" Alle lachten, nur Lena guckte Elyas entgeistert an: „Du warst auf einem katholischen Internat! Was hast du da denn gemacht?" Er zuckte mit den Schultern: „Na, nichts, genauso wie in jeder anderen Bildungsinstitution, wo ich jemals war." Das Gelächter wurde immer lauter und Joseph unterbrach es mit den Worten: „Hoffen wir, dass Elyas Tochter den IQ der Mutter bekommt!" Elyas guckte ihn böse an, warf mit Schwung ein Kissen nach ihm und meinte: „Haha, sehr witzig!" Genau in dem Moment, als Joseph das Kissen zurückschmeissen wollte, sagte seine Mutter ernst: „Ok, jetzt reichts! Ihr seid keine Kinder mehr!" Alle drei Brüder guckten sich grinsend an, aber schwiegen erst einmal und tranken ihren Kaffee.

Als Lena langsam, gestört durch ihren dicken Bauch, aufstand, fragte Elyas sofort: „Wo willst du hin?" Lena rollte mit den Augen und meinte: „Eine Jacke von oben holen. Darf ich?" Sofort sprang Elyas vom Sofa und sagte: „Ich hole sie für dich. Welche willst du? Soll ich das Fenster zumachen?" Sie drehte den Kopf schief und sagte ernst: „Elyas, setzt dich wieder hin. Du machst mich verrückt. Ich bin schwanger, nicht totkrank! Ich kann mir meine Jacke selber holen!" Gegen seinen Willen setzte er sich wieder hin und guckte Lena nach: „Sei vorsichtig bei der Treppe!" Nun mischte sich auch seine Mutter ein: „Elyas, treib sie nicht in den Wahnsinn!" Er erwiderte leicht gereizt: „Ich mache mir halt Sorgen!"

Wenige Minuten später scherzten die Jungs wieder über den gestrigen Partyabend. Aber plötzlich wurden sie von einem lauten Knall und einem „Autsch"-Schrei unterbrochen. Elyas sprang sofort vom Sofa und rannte Richtung Treppe.

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