Es war 6 Uhr morgens und Elyas wurde von einer schreienden Leonie geweckt. Er drehte sich stöhnend um und raunte: „Hat die schon wieder Hunger? Ich habe ihr doch gerade was gegeben!" Schnell sprang Lena aus dem Bett und fasste Elyas zärtlich auf die Schulter: „Bleib liegen. Ich muss eh stillen; ich produziere so viel Milch." Grinsend guckte er ihr hinterher und zwinkerte ihr zu: „Siehst aber gut aus mit einer Doppel-D!" Sie griff lachend nach einem Kissen und warf es auf Elyas Kopf: „Haha, sehr witzig, du Spinner!" Er kuschelte sich noch einmal in seine Decke und freute sich über ein paar mehr Stunden Schlaf. Auch Anika schien noch müde zu sein und döste auf Elyas Füssen weiter.
In der Tat bewies sich Elyas als sehr guter Vater. Seit der Geburt vor einem Monat stand er nachts alle 2 Stunden auf um seine kleine Prinzessin mit der Flasche zu füttern und Lena so viel Ruhe wie möglich zu geben. Er hatte seine Termine so legen können, dass er mindestens noch einen Monat komplett zu Hause sein konnte und erst danach hatte er wieder sporadisch einige Fotoshootings, Drehs für Werbefilme und Premieren.
Schnell ging Lena zum Kinderzimmer und nahm ihr Baby mit Kokrodilstränen auf den Arm um sie zu beruhigen. Sie setzte sich aufs Sofa, legte Leonie an ihre Brust und sofort begann sie mit gierigen Bewegungen zu trinken. Lena fixierte ihre Tochter und ein warmes Gefühl stieg in ihre auf: Leonie hatte die gleichen dunklen und intensiven Augen wie ihr Papa und die dunkelbraunen Haare lockten sich bereits. Innerlich sagte sie zu sich selbst: „Ich kann es nicht glauben, dass ich sie zuerst nicht wollte! Sie ist so wunderschön, so perfekt! Sie ist mein Leben!" Bei dem Gedanken stieg mal wieder ihr schlechtes Gewissen auf. Sie versuchte es abzuschütteln und nahm den Ipad zur Hand um sich abzulenken.
Nur 10 Minuten später stand eine verärgerte Lena vor Elyas, der wieder tief und fest eingeschlafen war. Sie hielt Leonie im Arm und rief laut: „Elyas, wach auf! Sofort!" Er rieb sich das Gesicht und gähnte: „Lena, was ist los? Bitte, noch ein paar Minuten! Ich kümmere mich nachher wieder um die Kleine, versprochen!" Neben ihm fiel etwas ins Bett und er erschreckte sich leicht. Er öffnete die Augen und guckte auf das Objekt neben seinem Kopf. „Was bitte soll das?" fragte Lena gereizt. Er erkannte sein Ipad und nahm es in die Hand um auf den Bildschirm zu gucken. „Fuck!" sagte er während sein Herz vor Schock stehen blieb. Mit einer leisen Stimme las er den Titel der Online-Bild: „Ich trage Elyas M'Bareks Kind unterm Herzen" Darunter sah er eine schwangere Alicia, die liebevoll ihren Bauch mit beiden Händen festhielt. Angst überschwemmte Elyas und langsam las er weiter: „'Elyas und ich kennen uns schon sehr lange. Als wir uns im Februar zufällig in einem Hotel wieder trafen, nachdem ich viele Monate in den USA gearbeitet hatte, ist es passiert. Es war zwar nicht geplant, aber ich freue mich riesig auf das Kind und hoffe, dass der Papa die gleichen Gefühle verspürt.' sagt Unterwäschemodel Alicia während sie mit strahlenden grünen Augen in die Kamera lacht und über ihren Babybauch streichelt. Sie ist bereits im 5. Monat schwanger und möchte das Kind in ihrer Heimat Deutschland zur Welt bringen." Elyas stotterte und guckte Lena mit aufgerissenen Augen an: „Lena, das...das ist totaler Quatsch! Das Kind ist nicht von mir! Du glaubst diesen Scheiss doch nicht etwa? Die versucht mich reinzulegen!" Lenas Augen wurden zu bösen Schlitzen und in ihr brodelte ein Feuer: „Und das Foto? Das ist von damals, als du in Berlin warst. Ich kann mich noch erinnern, mit welchem Pullover du abgeflogen bist und genau den trägst du auf dem Foto!" Schnell scollte er nach unten und ein heisses Messer bohrte sich in seine Brust: Dort war er mit einer sehr sexy guckenden Alicia, die sich für das Selfie eng an ihn schmiegte und einen Kussmund in seine Richtung machte. Panik stieg in ihm auf und inzwischen war er hellwach. Er schluckte und atmete ganz tief ein und aus: „Bitte, Lena, ich kann dir alles erklären! Das ist nicht so, wie du denkst!"
