Stunden vergingen und nachdem sich Ava etwas zu essen für sich und Leonie besorgt hatte, ging sie abermals frustriert zum Empfang der Notaufnahme und fragte nach Elyas. Die Schwester lächelte und sagte: „Ah ja, er ist im 2. Stock im Raum 278. Sie können jetzt zu ihm." Sofort schnappte sich Ava Leonie und nahm sie auf den Arm um zum Fahrstuhl zu rennen.
Ihr Herz raste wie wild als sie die Tür zu Elyas Zimmer öffnete und langsam hineintritt. Er hatte die Augen geschlossen und schien zu schlafen. Aber als sie sich mit Leonie auf dem Arm auf einen Stuhl setzte, sprach er ganz leise: „Du sollst sie in deinem Zustand nicht rumtragen, sie ist schon zu schwer!" Avas Herz machte vor Freude einen Salto und eine ungeheuere Last schien von ihren Schultern zu fallen. Sie lächelte und gab ihm einen Kuss: „Na, anscheinend geht es dir gut genug um schon wieder rumzumeckern." Er öffnete die Augen komplett, aber das grelle Licht des Krankenhauszimmers blendete ihn unangenehm und er zwinkerte unruhig. „Wie geht's dir?" fragte Ava nun endlich. Elyas verzog spielerisch sein Gesicht und versuchte Mitleid zu erregen: „Kopfschmerzen, aber ich darf morgen wohl schon wieder raus. Wie geht es unseren beiden Kindern?" Ava lächelte: „Leonie hat absolut gar nichts abbekommen und auch psyschisch scheint sie unberührt." Dann nahm sie Elyas Hand und führte sie zu ihrem Bauch und sagte: „Und deiner kleiner Tochter hier geht es auch super." Er riss die Augen auf und fragte: „Es ist ein Mädchen?" Sie nickte: „Ja, ich habe es auch gerade erst bei dem Ultraschall gehört. Wolltest du einen Jungen?" Er schüttelte den Kopf und zeigte sein strahlendstes Lachen: „Nein, Mädchen sind toll." Sie küssten sich liebevoll, aber plötzlich zog Ava den Kopf weg und guckte ihn ernst an. Elyas runzelte die Stirn und fragte: „Was ist denn los?" Sie biss sich kurz auf die Unterlippe und sprach dann: „Es gibt da ein Problem. Als ich euch suchen lassen habe, hat die Presse davon Wind bekommen und jetzt weiss die ganze Welt, dass du eine Tochter hast und eine Freundin. Und ich soll die Mutter von Leonie sein. Ich habe dazu noch nichts gesagt, weil ich nicht weiss, was ich sagen soll. Es tut mir so Leid, ich weiss, dass du Leonie aus der Öffentlichkeit raushalten wolltest. Ich wusste nicht, dass das sofort in der Presse sein würde." Elyas lachte: „Willkommen in meiner Welt, Baby! Und keine Sorge, es war vorallem wegen Lena, dass wir damals unsere Ehe und auch Leonie geheim gehalten hatten. Vielleicht ist es sogar besser, sich mal nicht verstecken zu müssen. Das war manchmal ganz schön anstrengend. Ich werde das gleich mal mit meinem Agenten regeln."
In der Tat sassen Elyas, Ava und Leonie schon am nächsten Tag im Flugzeug nach München. Während Ava und Leonie schliefen, surfte Elyas im Internet und lass sämtliche Artikel, die er über sich finden konnte. Er hatte seinem Agenten ein Foto von ihm, seiner Tochter und Ava geschickt um dieses zu veröffentlichen. Ausserdem hat er klargestellt, dass Leonie nicht Avas Tochter ist, sondern ihre Mutter verstorben sei. Wann Lena gestorben war und dass sie verheiratet waren, verschwieg er lieber. Auch die Kommentare auf seiner Facebook-Seite las er sich durch und war überrascht, dass die Mehrheit der Kommentare positiv waren und es viele Glückwünsche für das kommende Baby gab. Anscheinend gönnten ihm seine Fans inzwischen eine Familie, immerhin war er auch schon 35 und hatte vielleicht ein bisschen von seinem Teenieschwarm-Status verloren, denn so langsam wurden ein paar seiner Haare grau. Müde legte er den Ipad zur Seite und machte es sich auf dem 1. Klasse-Flugzeugsitz bequem. Kurz bevor er die Augen schloss, guckte er noch einmal zu Ava, die Leonie im Arm hielt und er lächelte vor sich hin. Ein warmes angenehmes Gefühl stieg in ihm auf. Er war wieder glücklich, so wie früher.
Als sie Stunden später in München landeten und mit ihrem Gepäckwagen in die Ausgangshalle kamen, stoppte Elyas für einen Moment und rief „Fuck!" . Ava guckte über seine Schulter und sah hunderte von Journalisten mit Kamerateams. Ava riss die Augen auf und sagte: „Ich dachte, so etwas gibt es nur in Hollywood!" Elyas antwortete stottert: „Iccch auch." In dem Moment kamen Joseph und Raphael auf sie zu und zogen die Drei mit sich mit. Hunderte von Stimmen riefen: „Herr M'Barek, warum haben Sie ihre Tochter so lange geheim gehalten?" oder „Wann kommt ihr zweites Kind auf die Welt?" oder „Bitte erzählen Sie uns doch etwas über ihre neue Partnerin!" Aber Elyas schüttelte nur den Kopf und rannte mit Leonie im Arm und Ava an der Hand schnell zwischen Joseph und Raphael durch die Menge und zu den Parkplätzen. Schnell sprangen alle ins Auto und Joseph, der auf dem Fahrersitz sass, drehte sich nach hinten um, lächelte Ava an und fragte: „Du bist also Ava?" Sie nickte und hatte noch immer ein angsterfülltes Gesicht. Joseph grinste: „Na, dann herzlich Willkommen in Deutschland!" Sie lächelte skeptisch und sagte: „Danke!"
