"Du hast also einen Plan? Wie wäre es, wenn du mich vorher fragst, wenn du Pläne für uns machst???" fauchte Lena Elyas an. Er biss sich auf die Unterlippe und sagte so ruhig wie möglich: „Lena, jetzt hör mir doch mal zu! Ich habe der Produktion gesagt, dass ich die Rolle nur annehme, wenn meine Familie mitkommen kann. Wir werden da ein grosses Apartment haben, du kannst für ein Jahr dort arbeiten und die Kleine könnte ganz normal in den Kindergarten gehen. Da kennt mich keiner und ich müsste keine Angst um sie haben. Und viele Ärzte gehen doch ein Jahr ins Ausland um zu arbeiten. Die Produktion hat mir sogar versprochen, dass sie dir helfen eine Stelle zu finden und sie haben mir angeboten, einen Babysitter zu engagieren. Das ist alles kein Problem!" Lenas Augen wurden zu bösen Schlitzen und in ihnen funkelte ein Feuer des Zorns. Ihr wurde heiss und sie schrie: „Du denkst echt, die Welt dreht sich nur um dich!!! Was ist, wenn ich nicht ins Ausland will! Ich bin hier sehr glücklich. Was denkst du dir eigentlich, so eine Entscheidung zu treffen, ohne mich vorher zu fragen???" Elyas fehlten die Worte, er zuckte mit dem Bein und strich sich nervös über die Nase. In der Tat fragte er sich, warum er diese Entscheidung ohne sie getroffen hatte. Aber diese Rolle war einfach zu gross, der Film zu gigantisch und die Chance zu verführerisch um nicht gleich zuzusagen. Plötzlich sprang er vom Sofa auf, griff nach der Lederjacke und seinem Autoschlüssel und verliess das Haus ohne ein weiteres Wort zu sagen.
Fünfzehn Minuten später hielt Lu die Tür für Elyas auf und fragte: „Na, die Neuseeland-Idee kam nicht so gut?" Elyas antwortete patzig: „Stell keine dummen Frage und hol den Whiskey!" Er liess sich aufs Sofa fallen und während Lu die Whiskeygläser auf den Tisch stellte, fragte er: „Und, was machst du jetzt?" Elyas zuckte frustriert mit den Schultern: „Mann, keine Ahnung, die ist total ausgeflippt. Die ist nicht mal annähernd darauf eingegangen und denkt, ich bin ein Riesenegoist!" Sein Kumpel drückte ihn ein volles Glas in die Hand und meinte: „Hey, lass die sich erstmal beruhigen und morgen redet ihr nochmal... Prost!" Elyas guckte ihn mit traurigen Augen an, aber prostete ihm dann doch zu und liess sich tief ins Sofa sinken während er mit einem Zug das Glas leer trank.
Kurz vor Mitternacht piepte Elyas Handy und er griff unsicher danach. Mit einem verschwommenen Blick las er: „Wann kommst du nach Hause? Ich glaube, wir sollten noch mal ganz in Ruhe miteinander reden." Elyas hickste laut auf und tippte mit tollpatschigen Fingern: „Bin schoNNn betruHnken. SSchlafe heUute Nacht bei Lu." Es dauerte nur Sekunden und Lenas Antwort lautete: „Nimm ein Taxi! Die besten Gespräche hatte ich mit dir, als du betrunken warst, wenigstens bist du dann ganz ehrlich!" Wankend stand Elyas auf, ging zur Tür und meinte: „Hey, ruf mir mal 'nen Taxi!" Lu zückte die Augenbrauen: „Wieso bleibst du nicht hier?" Elyas lehnte sich wankend an den Türrahmen und lallte: „Die will reden."
Als Elyas sein Haus betrat, wartete Lena bereits auf ihn. Er liess sich in den Sessel fallen und rieb sich das Gesicht: „Ich bin total hinüber!" Sofort ergriff sie das Wort: „Schatz, es tut mir Leid, ich glaube, ich habe etwas überreagiert. Ich hatte den ganzen Tag Migräne und irgendwie war es nicht das, was ich erwartet habe." Elyas lachte laut auf: „Ein bisschen überreagiert??? Du bist die Meisterin in Untertreibungen... Und weisst du was, ich dachte, du würdest sehen, wie sehr ich mich die letzten Monate aufgeopfert hatte um dich beruflich glücklich zu machen. Und ich werde auch weiterhin für Leonie da sein, damit DU arbeiten kannst." Schnell unterbrach Lena ihn: „Ich weiss, Elyas, ich weiss. Ich habe noch mal darüber nachgedacht und vielleicht funktioniert es ja so, wie du es dir gedacht hast. Ich werde morgen gleich nachfragen, ob ich ein Jahr frei kriege und sie mir meine Stelle aufheben." Seine dunklen intensiven Augen guckte in ihre und er lächelte sie an. „Kann ich jetzt ins Bett gehen?" fragte er während sein Kopf unkontrollierbar nach links fiel. Lena nickte nur und Elyas stand auf und torkelte zur Treppe. „Aua! Fuck!" erklang es wenige Sekunden später und sie guckte in seine Richtung und rief: „Alles OK?" Elyas lallte: „Scheisstreppe, die bewegt sich total!" Lena musste kichern und verspürte plötzlich einen unbeschreiblich starkes Gefühl des Stolzes auf Elyas. Jetzt erst realisierte sie, dass er es wirklich geschafft hatte. Er würde eine Rolle in einem grossen Hollywood-Film haben und sie würde die Frau an seiner Seite sein!
