Er folgte der Schwester bis in die Intensivstation und setzte sich dort an die Seite einer blassen Lena, die noch immer Bluttransfusionen bekam. Sie hatte die Augen fest geschlossen, aber als Elyas vorsichtig ihre Hand berührte, zitterten ihre Augenlider und sie nahm Elyas verschwommen war. Er lächelte und sagte sanft: „Na, du Superheldin, alles klar?" Ihre Augen fielen vor Schwäche wieder zu, aber sie zwang sich zu einem Lächeln und ganz leise kamen Worte aus ihrem Mund: „Geht so. Irgendwie tut alles weh." Er strich zärtlich mit seinem Finger über ihre Wangen und sagte ganz leise: „Ich wollte dich unbedingt sehen. Ich darf aber nicht lange bleiben. Du musst durchhalten, OK? Ich hatte nämlich eine lange glückliche Zukunft für uns geplant." Sie grinste mit geschlossenen Augen und sagte: „Du Spinner!" Der Herzmonitor zeigte an, dass sich ihr Herzschlag verschnellerte und sofort kam ein Arzt ins Zimmer: „Es ist besser, wenn Sie jetzt gehen. Sie braucht viel Ruhe. Vielleicht geht es ihr morgen schon besser." Elyas schluckte und spürte, wie sein Herz sich vor Sorge verkrampfte. Als er in der Tür stand, dreht er sich noch einmal um und fragte: „Lena?" Aber sie reagierte nicht und schlief bereits tief und fest. Er seufzte, ging nach draussen und sagte leise vor sich hin: „Ich liebe dich auch!"
Es dauerte 3 Tage, bis es Lena endlich gut genug ging um ganze Sätze mit ihm zu sprechen. Aber jeden Tag kam Elyas in ihr Zimmer, hielt ihre Hand und lächelte sie an. Er konnte die drei Wörter, die sie sagte, nachdem sie angeschossen wurde, nie vergessen. Er wollte für sie da sein und ihr zeigen, dass er sie liebte. Es war an dem 4. Tag nach der Schiesserei und Lena lächelte ihn mit ihren funkelnden Augen an, als er ins Zimmer trat. Er setzte sich zu ihr, küsste ihre Schläfe und streichelte ihre Hand. Inzwischen konnte er sich wieder ohne Probleme bewegen und bevor er zum Krankenhaus fuhr, war er in einem Einkaufszentrum gewesen. Hinter seinem Rücken zauberte er eine Geschenktüte hervor und grinste sie an. Sie nahm sie entgegen und griff hinein, um einen Kuscheltierwelpen herauszuziehen. Sie musste lachen und sagte dann: „Der ist wirklich süss!" Elyas biss sich leicht auf die Unterlippe und sprach: „Er trägt noch etwas um seinen Hals." Lena runzelte die Stirn und guckte sich das Kuscheltier genau an und riss die Augen auf: „Bist du verrückt? Das muss ein Vermögen kosten!" Er schüttelte leicht den Kopf, öffnete die Kette, die um das Kuscheltier hing und legte sie Lena um den Hals: „Es ist ein Schutzengel, weil du meiner warst und damit du jetzt immer einen in der Nähe hast. Ich habe auch deinen Namen eingravieren lassen." Oh ja, es war eine weissgoldene Kette mit einem Schutzengel-Anhänger, der mit mindestens 10 kleinen Diamenten bestückt war. Sie konnte nicht glauben, dass er so viel Geld für ein Schmuckstück für sie ausgeben würde. Sie atmete schwer und war sprachlos. Sie wollte die Kette nicht annehmen, denn sie hatte Angst, dass er sie damit an sich ketten wollte, aber sie konnte das Geschenk nicht ablehnen, es war einfach zu schön.
Es war einen Tag vor ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus, als Elyas abermals vor ihrem Bett sass und sie mit seinen intensiven dunklen Augen anguckte. Sie lächelte ihn an und sagte: „Helf mir mal. Ich muss zum Bad!" Er stützte sie und sie stand mit schmerzverzehrtem Gesicht auf und hielt sich den Bauch. Ganz langsam setzte sie einen Fuss vor den anderen und atmete tief ein und aus, bis sie die 3 Meter bis zum Bad gelaufen war und dann die Tür vor Elyas Nase schloss. Er wartete vor der Tür, bis sie sich wieder öffnete und sagte dann ernst: „OK, du wirst morgen entlassen. Wie bitte willst du alleine klar kommen? Du kannst noch nicht mal aufstehen!" Sie rollte mit ihrem Augen und meinte: „Es wird schon irgendwie gehen. Ich wohne in einer WG und die Anderen werden mir helfen." Während sie sich wieder zu ihrem Bett schleppte und Elyas ihr um die Hüfte fasste um sie zu stützen, sagte er: „Warum ziehst du nicht bei mir ein? Ich bin die nächsten zwei Wochen hier in München und habe fast keine Termine. Ich kann mich um dich kümmern." Sie schüttelte sofort ihren Kopf. Sie fand keine Worte, aber sie hatte Angst. Sie wollte sich nicht von ihm abhängig machen. Sie sass auf ihrem Bett und versuchte seinem Blick auszuweichen. Er fasste sie vorsichtig an die Hüften und flüsterte ihr ins Ohr: „Ich hole dich morgen früh ab, Ok? Lass dir einfach mal helfen!" Sie konnte nichts dagegen sagen, denn er hatte Recht: Sie brauchte Hilfe und ihre Eltern waren tausende von Kilometern weit weg und ihre WG-Mitbewohnerinnen waren fast den ganzen Tag in der Uni. Noch immer guckte sie ihn nicht an, aber sie nickte leicht.
Elyas war pünktlich und half ihr am nächsten Tag in sein Auto und in seine Wohnung. Dort setzte er sie auf sein Sofa und fragte: „Ich nehme an, ich soll noch ein paar Sachen von deiner Wohnung abholen. Mach mir eine Liste und ich bin gleich wieder da. Dort ist dein Zimmer, gleich das Erste links. Ich habe das Bett sogar selbst bezogen, meine Putzfrau ist schrecklich. Ich glaube, ich werde sie feuern!" Er grinste sie an und sie griff nach einem Zettel und schrieb darauf, was sie noch brauchte. Als er weg war, schleppte sie sich stöhnend in ihr Zimmer und blieb mit offenem Mund im der Tür stehen. Es war liebevoll eingerichtet mit einem Bett mit rot-schwarzer Bettwäsche, einem Nachttisch mit einem grossen Blumenstrauss roter Rosen, einem Flatscreen-TV mit Blu-Ray-Player und es roch frisch und angenehm. Sie legte sich aufs Bett, schloss die Augen und spürte wieder einmal die Schmetterlinge im Bauch. Sie wusste, dass er sie liebte, aber sie wollte es langsam angehen lassen. Sie wollte den Beweis, dass er wirklich der Richtige für sie war.
