Langsam schloss Elyas die Tür zu seinem Haus auf und ging ins Wohnzimmer, wo Lena mit Leonie im Arm vor dem TV sass. Sie guckte ihn mit einem bösen Blick an: „Was willst du?" Er schluckte und stotterte: „Ähm, ich, ich wollte Leonie sehen und wir müssen reden." Lena stand auf, legte die Kleine in seine Arme und sagte: „Hier ist deine Tochter. Du kriegst 2 Stunden, aber reden müssen WIR nicht mehr. Es ist vorbei!" Schnellen Schrittes ging sie ins Schlafzimmer und schloss ab. Elyas stand mit seiner Tochter im Arm mitten im Wohnzimmer und Anika sprang vor Freude ihn wiederzusehen an seinen Beinen hoch. Er stöhnte frustriert und setzte sich erstmal auf das Sofa um seine Prinzessin zu betrachten und gleichzeitig Anika zu streicheln.
Elyas blieb so eine halbe Stunde sitzen und küsste Leonie immer wieder auf ihren Kopf und sagte ihr, wie sehr er sie und ihre Mama liebte. Aber dann legte er sie in die kleine Wiege, die im Wohnzimmer stand und ging zum Schlafzimmer. Er klopfte an der Tür und bekam keine Antwort. Noch einmal klopfte er und sagte: „Lena, bitte mach auf. Wir müssen wirklich reden, es geht um dich und Leonie. Wir haben echt Probleme!" Er hörte ihre Schritte und sein Herz schlug rasend schnell. Dann drehte sie den Schlüssel herum und Elyas öffnete ganz langsam die Tür. Lena sass auf dem Bett und guckte ihn wütend an: „Na dann, erzähl!" Elyas atmete tief durch und sagte: „Sie erpresst mich! Sie macht diesen Scheiss nur, damit ich ihr Geld zahle. Und sie hat mir gedroht, dass sie der Presse sagt, dass du meine Verlobte bist und dass wir ein Kind haben. Ich habe ihr deinen Namen gesagt, weil ich so stolz und glücklich war. Sie weiss auch, wo du arbeitest. Es wird ein Leichtes sein, daraus eine Story zu bauen und alles preiszugeben. Ich weiss nicht, was ich machen soll!" Lena zuckte mit den Schultern: „Dann zahl ihr doch dieses Schweigegeld, mir doch egal. Deine Verlobte bin ich übrigens nicht mehr!" Elyas guckte auf ihre Hand und ein kalter Blitz durchzuckte ihn, als er sah, dass sie ihren Ring nicht mehr trug. Sein Kopf schien zu explodieren und er war total verwirrt. Stotternd sprach er: „Lena, du verstehst es nicht! Ich bin nicht der Vater! Das hat sie selbst zugegeben, am Telefon. Sie will einfach nur Geld und deswegen erzählt sie die Lügen, weil sie weiss, dass es mir schadet und sie mich so unter Druck setzen kann." Lena lachte höhnisch: „Ach ja, sie hat das selbst gesagt! Du hast nicht zufällig das Telefonat aufgenommen?" Er sagte panisch: „Natürlich nicht! Mann, die hat mich total überrascht, mit ihren Forderungen und so." Lena guckte ihn ernst an und war den Tränen nah: „Elyas, mach es nicht schlimmer mit noch mehr Lügen! Ich bitte dich nur um eins: Halte mich und Leonie da raus. Ich werde mir in den nächsten Tagen eine Wohnung für mich und die Kleine suchen und dann bin ich für immer weg, aus deinem Leben raus." Er schlug die Händ vors Gesicht und wollte sie anschreien und ihr klarmachen, dass er nicht lügte. Aber er kontrollierte sich und blieb ganz ruhig und drehte um und verliess das Haus.
Im Auto rief er wieder seine Agentur an und sagte nervös ins Telefon: „Ich will, dass du der Presse sagst, dass sie mich erpresst. Die sollen schreiben, dass die ganze Liebesnacht erfunden ist, aber dass sie Geld will und deswegen diese Lügen erzählt." Der Agent zögerte und meinte: „Elyas, bist du dir sicher?" Elyas antwortete weinend: „Mach es! Bitte, mach es einfach! Ich bin am Ende! Ich bin total am Ende!"
In den nächsten Stunden überschlugen sich die Online-Nachrichten und alle Seiten schrieben über die angebliche Erpressung. Aber es dauerte nicht lange und Alicias Gegenmeldung lautete: „Anscheinend hat Elyas das falsch verstanden. Ich habe lediglich um eine einmalige Unterhaltszahlung gebeten!" Es war später Abend als Elyas diese Meldung laut für Joseph und Sabine vorlas und dabei vor Frustration atemnot bekam. Er drehte sich vom Computer weg und guckte Joseph tief in die Augen und sprach ganz klar: „Ich zahle einfach! Dann ist der ganze Albtraum vorbei! Ich will zurück nach Hause! Ich will zu Leonie und Lena!" Joseph guckte traurig nach unten und ihm selbst schmerzte das Herz, denn er konnte sehen, dass Elyas fix und fertig war. Aber dann sprach er: „Nein, Elyas, das bringt nichts. Das wird dir Lena nicht zurückbringen und die ganze Welt wird denken, dass du Alicia für ihr Schweigen bezahlst! Lass deinen Anwalt das regeln." Elyas schüttelte den Kopf, rieb sich durch das Gesicht und wurde innerlich von einer tiefen Dunkelheit erfasst. Er liess sich von dem Stuhl fallen und sackte auf den Boden und rollte sich zu einer Fötusposition zusammen und weinte. Joseph wusste nicht, was er tun oder sagen sollte, aber ging zu ihm hin und sprach leise: „Pst, Elyas, bitte, hör auf! Das geht vorbei! Hab Geduld und es regelt sich! Bitte!" Joseph umarmte seinen grossen Bruder und legte seinen Kopf auf seine Schulter während Elyas unaufhörlich schluchzte.
