Sekundenlang standen Elyas und Ava sich Hand in Hand gegenüber und für beide erschien es wie eine Ewigkeit. Leonie hatte sich auf die Spieldecke gesetzt und drückte ein paar Legosteine aufeinander. Aber dann bewegte Elyas Kopf sich langsam nach vorne und sein Mund traf auf Avas warme und weichen Lippen. Ihre Zungen spielten zärtlich miteinander und sie schmeckten die salzigen Tränen des Anderen. Er umfasste ihre Hüften und zog sie eng an seinen Bauch, wo er dieses ganz spezielle Kribbeln spürte. Nachdem sie den Kuss beendeten, fragte Elyas mit gerunzelter Stirn: „Reicht das als Zeichen?" Ava lächelte und nickte: „Ja, das reicht!" Er umarmte sie und stützte seinen Kopf ganz leicht auf ihre Schulter, welche er liebevoll küsste. Es war ihr Geruch, der ihn verzauberte und seine Welt wieder hell und freundlich machte.
Nach einer Weile löste er sich aus der Umarmung, schnappte sich Leonie und sagte grinsend: „Nimm es mir nicht übel, aber heute ist Papa-Tochter-Tag, ihr Frauen treibt mich noch in den Wahnsinn!" Ava grinste zurück: „Nein, es sind die Männer, die die Frauen in den Wahnsinn treiben." Er lächelte: „Wir sehen uns dann heute Abend, vielleicht bei einem Glas Wein?!" Sie nickte: „Gerne!"
Elyas packte schnell ein paar Sandwiches, Früchte und Getränke in eine Tasche und ging dann mit Leonie zum Auto um zu einem Zoo zu fahren. Aber als er seine Tochter in den Kindersitz setzen wollte, rief sie laut: „Nein, nein!!! Ava!?" Er lächelte sie an und gab ihr einen Kuss: „Die hat heute frei, sie braucht doch auch mal ihre Ruhe. Sie kommt nächstes Mal wieder mit." Aber Leonie zappelte so sehr umher, dass Elyas sie absetzen musste um sie nicht fallen zu lassen. Schnell löste sie sich komplett aus sein Griff und lief so schnell sie konnte zurück zum Wohnkomplex um zu Avas Apartment zu kommen. Er rief hinterher: „Leonie, warte, komm zurück, Leonie!" Aber sie ignorierte ihn und als sie bereits versuchte die Eingangstür des Gebäudes aufzustossen, kam Elyas hinterher, öffnete die Tür für sie und ging abermals zu Avas Wohnung. Er zeigte seiner Tochter, wie man anklopft und schnell erschien Ava in der Tür. Elyas zeigte auf Leonie und sagte in einem entschuldigenden Ton: „Hier ist jemand nicht einverstanden, ohne dich wegzufahren." Sie lächelte und sagte: „Na, sie weiss halt, was gut für dich ist. Warte, ich hol nur schnell meine Jacke." Als sie die Tür hinter sich schloss, streckte Leonie die Hand nach oben und Ava griff danach um mit ihr zum Auto zu gehen.
Im Zoo nahm Elyas Avas Hand und strich vorsichtig mit seinem Daumen über ihre Knöchel. Leonie ging wie fast immer vor ihnen und bewunderte mit grossen Augen die ganzen Tiere, die sie noch nie zuvor gesehen hatte. Am Ende der Runde setzten sich alle drei in einen Park, wo es freilaufenden Kaninchen und Meerschweinchen gab und die Kleine freute sich riesig, dass die Tiere aus Neugierde auf Futter in ihre Nähe kamen und sich streicheln liessen. Man hörte ihre niedliche Lache fast im ganzen Park und ein kinderlosen Pärchen drehte sich sogar um, zeigte auf sie und meinte: „Guck mal, so eine Tochter möchte ich auch mal haben. Was für eine tolle Familie!" Als Elyas das hörte, guckte er Ava an und zückte lächelnd die Augenbrauen. Er setzte sich hinter sie, legte seinen starken Arme um sie und liebkoste ihren Hals. Dann sagte er ganz ernst: „Glaubst du an Gott und den Himmel und so?" Ava nickte deutlich: „Natürlich, sie sitzt da oben im Paradies und guckt hier runter und beobachtet dich ganz genau. Sie sieht alles, deine Fehler, aber auch alle deine Bemühungen und Liebe für deine Tochter." Er musste bei dem Wort ‚Fehler' grinsen, denn er wusste genau, dass sie Dana damit meinte. Er sprach ganz leise: „Weisst du, sie hatte mich gehasst, als wir uns das erste Mal trafen und ich musste so sehr für sie kämpfen und nie hatte sie mir vertraut. Und vielleicht hatte ich es verdient, denn früher war ich schrecklich. Aber bevor sie starb, hatte sie mir gesagt, ich soll mir eine Frau suchen, die eine gute Mutter für Leonie sein kann und die sofort erkennt, wie speziell ich bin und dass ich der Richtige bin. Und ich dachte immer, dass das nicht möglich wäre. Aber vielleicht ist es ja doch! Aber ich brauche Zeit, OK?" Ava nahm seine Hände, liess ihre Finger zwischen die Seinen gleiten und sagte ganz leise: „So viel, wie du brauchst. Ich bin hier!"
Für das Abendessen bestellten sie sich von einem griechischen Bringedienst Lammkeulen, Bifteki, Mousakas, scharfe Pepperoni und einen teuren Wein in Elyas Apartment. Während sie assen und tranken, fragte Ava Elyas über Deutschland aus. Zwar hatte sie Deutsch in der Uni gelernt, aber sie hatte keine Ahnung, wie es dort aussah, was die Leute in ihrer Freizeit machten oder was sie gerne assen. Geduldig erzählte Elyas von seinem geliebten München, dem traditionellen Essen und zeigte ihr Bilder, die er auf dem Laptop oder Handy hatte. Am Abend verabschiedeten sie sich mit einem Kuss und einem Lächeln. Er wollte noch nicht mit ihr schlafen, er wollte es ganz langsam angehen lassen und Ava schien nichts dagegen zu haben.
