Das Wochenende war seit einigen Tagen vorbei gewesen und alle Weasley's waren, zu unserem großem Glück, unversehrt zurückgekehrt. Doch Ginny, Ron, die Zwillinge und die anderen distanzierten sich seit dem merkbar von mir. Harry und Ron mieden mich komplett und würdigten mich keines einzigen Blickes. Hermine dagegen lächelte mir gelegentlich zu, ging mir jedoch ebenfalls aus dem Weg. Ich konnte nur erahnen woran das lag. Trotz allem bekam ich mit, dass Harry viel Zeit mit Professor Slughorn verbrachte. Offensichtlich versuchte er immer noch an die Erinnerung zu kommen, welche Dumbledore unbedingt benötigt hatte. Zudem verbrachte Ron wohl einige Nächte im Krankenflügel da er Pralinen genascht hatte, die von Romilda Vane an Harry gehen sollten und die sie mit einem Liebeszauber beleget hatte. Als Harry Slughorn daraufhin um Hilfe gebeten hatte, tranken sie einen Wein auf die Genesung von Ron. Doch erneut hatte dieser ziemlich großes Pech gehabt, denn er trank als erster und kaum hatte das Getränk seine Lippen berührt gehabt, kippte er um. Der Wein war vergiftet worden und einige Zeit nach dem Unfall stellte sich heraus, dass er eigentlich für Professor Dumbledore gedacht war, als Geschenk. Professor Snape, Malfoy und ich taten unwissend und spielten unsere Rollen nahe zu makellos. Es war Draco's Aufgabe gewesen, ihn zu vergiften. Doch wir waren mehr als nur froh darüber, dass er niemals bei Professor Dumbledore ankam. Auch, wenn Ron dafür ganz schön leiden musste. Mittlerweile war auch geklärt, dass wir die Zeit nach Dumbledores bevorstehendem Tod bei mir zu Hause und nicht bei den Malfoys verbrachten. Diese Nachricht war zumindest etwas und vermutlich auch das einzig Positive in diesen dunklen Zeiten gewesen.
Ich war auf dem Weg zur großen Halle um Malfoy, wie jeden Tag, dort nach dem Unterricht zu treffen, als jemand meinen Namen flüsterte: „D/N!"
Irritiert blickte ich mich im Gang um und sah Hermine in einem kaum sichtbaren Winkel stehen. Vorsichtig ging ich auf sie zu „Was gibt es?"
„Komm mit!" Sie zog mich hinter sich her auf das Mädchenklo, bevor ich überhaupt reagieren konnte.
Bei der Erinnerung die ich hier mit Draco teilte, wurde ich rot, doch schob ich diese schnell wieder beiseite denn sie fiel mir wenig später um den Hals;
„Du hast mir so sehr gefehlt!"
Ein Kloß blindere sich in meinem Hals. Tränen sammelten sich in meinen Augen. Auch wenn ich es nicht sonderlich gerne zugab, aber sie fehlte mir auch und das mehr, als ich es jemals für möglich gehalten hatte. So sehr, dass es im Herzen weh tat.
„Wieso distanziert ihr euch dann so von mir?" Hermine räusperte sich, dann erklärte sie es mir; „Harry hat euer Gespräch nach der Weihnachtsfeier mitbekommen. Das Gespräch zwischen Snape, Draco und dir. Er ist euch nachgelaufen als ihr die Feier verlassen habt. Seit dem ist er fester als zuvor davon überzeugt, dass ihr den Todesser angehört." Auch wenn ich es nicht durfte, aber ich musste es ihr einfach sagen. Ich konnte sie nicht weiter anlügen. Schließlich war sie meine beste Freundin gewesen.
„Hermine" tief atmete ich ein „Ich muss dir etwas sagen, was ich dir vermutlich schon längst hätte sagen sollen." Fing ich meine Erklärung an.
Ihr Blick lag erwartungsvoll auf mir, als würde sie es kaum noch erwarten können. Einige Minuten rang ich mit mir selbst doch dann schob ich schließlich meinen schwarzen Pulloverärmel nach oben und zeigte ihr das Mal, welches meinen unteren Arm zierte. Und sie? Sie war schockiert gewesen, was mich keines Wegs wunderte. Was hatte ich auch erwartet gehabt? Dass sie es cool finden würde? Zuerst wollte sie nicht einmal weiter mit mir reden und panisch aus dem Raum laufen. Doch ich hielt sie am Handgelenk fest und redete hektisch auf sie ein. Ich flehte sie an mir nur einige Minuten zuzuhören. Und nach einer gefühlten Ewigkeit, die ich so auf sie eingeredet hatte, entschloss sie sich dann tatsächlich dazu mir zuzuhören. Und ich? Ich erzählte ihr alles;
Von unserem Plan, dass wir die Todesser überlisten wollten. Davon, dass wir nur vorgaben ihnen anzugehören doch eigentlich auf der anderen Seite, auf der guten, auf ihrer Seite standen. Am Anfang schien sie mir das Ganze nicht wirklich zu glauben. Doch ich war noch lange nicht fertig gewesen und redete weiter darüber, was Malfoy an den Abenden voller Zweifel zu mir gesagt hatte. Erzählte ihr von den intimsten, traurigsten Momenten zwischen uns beiden , in denen er mir sein wahres ich offenbarte und alle meine Zweifel an und über ihn vergessen waren. Ich erzählte ihr von der Zugfahrt, dem Amulett, dem Wein der vergiftet worden war und von dem Plan, Dumbledore zu töten. Sie schüttelte unglaubwürdig den Kopf und ich sah, wie auch ihre Augen sich mit Tränen füllten, umso mehr Informationen ich ihr preisgab. Am Ende bat ich Granger darum, das alles für sich zu behalten. Sie schien nicht lange überlegen zu müssen, denn nach einigen Sekunden versprach sie es mir. Dann fiel sie mir erneut um den Hals;
„Ich habe so ein schlechtes Gewissen, dass ich dich damit allein gelassen habe, D/N."
Zum ersten Mal, nach all den Jahren, sah ich sie weinen. Hermine Granger weinte vor mir.
„Hermine. Das alles konntest du nicht wissen!"
„Aber ich hätte mit dir reden können. Dich fragen können was los ist. Stattdessen bin ich dir einfach nur aus dem Weg gegangen. D/N. Es tut mir so unfassbar leid!"
„Auch wenn ich diesen Moment sehr genieße, aber da ist noch etwas was du wissen solltest, Hermine. Draco und ich werden bald von hier verschwinden müssen. Wir werden Hogwarts verlassen müssen. Keine Ahnung für wie lange. Weih auch dann die Anderen nicht ein! Voldemort kann Harry's Gedanken nach wie vor kontrollieren und er muss denken, dass wir zu ihnen gehören und ihn hintergangen haben. Nur so wird der dunkle Lord uns ein für alle Mal vertrauen!"
Erneut nickte sie und löste sich von mir um sich die Tränen aus ihrem hübschen Gesicht zu wischen.
„Ich glaube, wir sollten langsam zurück sonst wird es auffällig wenn wir beide fehlen" schlug ich vor.
„Das denke ich auch. Aber ich möchte das du weißt, du kannst dich auf mich verlassen" lächelte sie.
„Das hätte ich niemals in Frage gestellt." Und so verließen wir nacheinander die Toiletten und gingen dann schließlich in getrennte Richtungen.
In der großen Halle wartete Draco schon auf mich. „Wo warst du solange?" Fragte er mich, kaum als ich angekommen war und neben ihm gesessen hatte. Er schien mich aus dem Augenwinkel wahrgenommen zu haben, denn sein Blick verharrte weiter auf dem hölzernen Tisch. Düster, starr, emotionslos.
„Mit Hermine" antwortete ich ihm ehrlich. Er reagierte nicht weiter darauf. Als ich ihn ansah stellte ich fest, dass er mehr als bloß traurig aussah- Irgendetwas schien ganz und gar nicht zu stimmen.
„Ist alles in Ordnung? Du siehst ganz schön fertig aus" meine Hand wanderte zu seiner doch er zog seine schnell weg- Autsch.
„Ich - Ich muss raus" stammelte er nur und stand, bevor ich etwas entgegnen konnte, auf. Dann verließ er den Saal. Einen kurzen Moment lang blieb ich irritiert sitzend. Was war das gewesen? Was war los mit ihm? Doch dann stand auch ich auf und lief ihm nach. Draco lief die Gänge entlang bis zu einer Treppe, die wir vor einigen Wochen schon einmal hinaufgegangen waren als gemeinsam nach dem Verschwindekabinett gesucht hatten. Doch er lief am Raum der Wünsche vorbei, weiter in das Jungsklo. Jemand lief hinter ihm. Es war Harry Potter gewesen. Das stellte ich fest, nachdem ich ebenfalls um die Ecke geborgen war. Er schien Draco regelrecht zu verfolgen. Die Situation kam mir seltsam vor. Äußerst seltsam. Also beschloss ich den beiden weiter nach zu laufen. Bis dahin wusste ich noch nicht, dass dies vermutlich eine meiner besten Ideen gewesen war..
DU LIEST GERADE
Draco Malfoy- Der Junge der mich mehr liebte, als er zugab
RomantikWie weit wirst du für deine Liebe gehen..
