54.) " Verarbeitung "

42 2 0
                                        

(Renesmees Sicht)

Es war vorbei. Ich lag mit fürchterlichen Schmerzen und halbnackt auf dem eiskalten Waldboden. Die Dunkelheit sank langsam über mich und ich wünschte mir, dass ich schnell einschlafen würde. Mein letzter Gedanke galt Jake und wie leid es mir tat, dass ich nicht auf ihn gehört hatte. Nun musste ich ihn verlassen,
meinen geliebten Jake.

Ich wusste nicht, wo ich war, als ich langsam wieder zu Bewusstsein kam. Verwirrung und Angst breiteten sich in mir aus.

Sollte ich doch keine Erlösung gefunden haben? Hatte er mich doch mit sich genommen und meine Folter würde von neuem beginnen? Beim Gedanken daran brannten meine Augen und eine kleine, heiße Träne lief über mein Gesicht.

„Hab keine Angst, ich bin bei dir. Bald hast du es geschafft.", drang Jakes Stimme an mein Ohr und ich atmete schockiert auf. Das Gefühl kehrte in meinen Körper zurück und ich stellte fest, dass ich nicht mehr im Wald war. Ich war überhaupt nicht mehr draußen ich lag auf etwas weichem.

Meine Handgelenke und die Oberarme schmerzten, als ich mich zu bewegen versuchte. Ich hörte ein sorgenvolles Seufzen und dann ein lautes, metallisches Reißen.

Ich zuckte zusammen, als ein stechender Schmerz meine Arme hinaufschoss und riss meine Augen auf. Jake beugte sich über mich und erwiderte meinen Blick abwartend.

Er war es, mein Jake. Er war hier.

„Wo ... wo bin ich?", krächzte ich und hustete, da mein Hals staubtrocken war. Weitere Tränen strömten über mein Gesicht, sowohl vor Schmerz als auch vor Erleichterung, da ich wusste, dass ich in Sicherheit und am Leben war und dass mein Jake bei mir war. Ich erkannte vage, dass seine Augen sich weiteten und er sich zur Tür wandte, und zu jemandem etwas flüsterte.

Ich knurrte und streckte mich auf dem Bett, meine Knochen schmerzten, jeder einzelne. Und ich hatte furchtbaren Durst. Mein Knurren wurde heiserer und ich umfasste mit einer Hand meine schmerzende Kehle. Es brannte wie Feuer und ich setzte mich schwankend auf, halb verrückt vor Durst. Keuchend schloss ich für einen Moment die Augen, da der Schmerz von meinem Hals aus in meinem gesamten Körper auszustrahlen schien.

Eine eiskalte Hand legte sich auf meine Schulter und ich schreckte zurück, die Augen geweitet, und sprang mit einem großen Satz von dem Bett, auf dem ich saß. Ich registrierte unterbewusst, dass es das Meine war und dass ich mich in meinem Zimmer befand.

Carlisles wachsame Augen musterten mich von oben bis unten und ich richtete mich erstaunt etwas auf. Ich wusste, dass ich mich vor ihm nicht fürchten brauchte, doch der wahnsinnige Durst, der mit jeder Sekunde sengender zu werden schien, brachte die nicht-menschliche Seite in mir noch stärker zum Vorschein.

„Entschuldige.", krächzte ich und hustete wieder, übermannt vom Brennen in meiner Kehle. Mühsam ließ ich meinen Blick durch den Raum schweifen, unbewusst auf der Suche nach Nahrung oder einen Ausgang. Dann sah ich ihn endlich und mein Atem stockte.

„Jake ...", murmelte ich und er erstarrte, als ich seinen Namen aussprach. Wieder fluteten all die schrecklichen Erinnerungen an die letzten Stunden meinen Kopf und ich spürte, wie die Tränen sich den Weg aus meinen Augen bahnten. Carlisle streckte wieder eine Hand nach mir aus, doch ich stürmte direkt an ihm vorbei auf Jake zu und warf mich schluchzend in seine Arme. Er zog scharf die Luft ein und wich zurück und als ich auf ihn traf, stolperte er und fiel mit mir auf den Boden.
Einen Moment lang war er erstarrt, dann schlossen sich seine starken Arme langsam um mich und ich klammerte mich weinend an sein T-Shirt. Ich wollte mit ihm sprechen, wollte ihm sagen, wie leid es mir tat, dass ich nicht auf ihn gehört hatte, doch als ich seinen warmen Herzschlag unter mir spürte, wallte nur noch mehr Hunger in mir auf und ich rückte von ihm ab.

Biss - die nächste GenerationGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt