43.) Intermission : Alice's Zweifel

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(Alice's Sicht)


Wieder einmal saß ich ihn unserem Zimmer auf dem Bett und blies Trübsal. Es war ein schöner Abend, an dem ich so viel mehr hätte tun können, als einfach hier zu sitzen und aus dem Fenster auf die Linie des Waldes zu starren, die sich in einiger Entfernung um das Haus wand.

Irgendetwas stimmte einfach nicht mit mir. In letzter Zeit entgingen mir immer wieder wichtige Dinge oder ich sah sie erst gar nicht.

Vielleicht verlor ich ja langsam meine Gabe?

Vielleicht war sie durch die vielen Wesen in meiner Umgebung, die ich nicht sehen konnte, überstrapaziert und verschwand nun.

Ich seufzte leise und sah dann zur Tür, die sich kurz darauf langsam öffnete. Wenigstens bei so kleinen Dingen des alltäglichen Lebens funktionierten meine vampirischen Sinne noch. Jasper betrat den Raum und ging langsam auf mich zu, nachdem er die Tür geräuschlos wieder hinter sich geschlossen hatte.

„Willst du nicht mit runterkommen?", fragte er und nahm meine Hand.

Ich schüttelte den Kopf und lächelte ihn entschuldigend an.

„Mir ist nicht danach.", murmelte ich und Jasper ließ sich neben mich fallen. Dann legte er mir einen Arm um die Schultern und meine Trübsinnigkeit schwand langsam. Murrend schüttelte ich seinen Arm ab und sah ihn vorwurfsvoll an. Er wusste, dass ich es nicht mochte, wenn er mit meinen Gefühlen arbeitete.

„Entschuldige, ich kann dich einfach nicht so sehen.", sagte er leise und ich seufzte kaum hörbar.

Lange schwiegen wir, dann ließ ich mich zurückfallen und zog ihn mit mir auf die Matratze.

„Was ist nur los mit mir?", murmelte ich und starrte an die Decke, als würden dort die Antworten auf meine Fragen geschrieben stehen.

„Es ist bestimmt nur eine Phase. Du wirst sehen, nächste Woche ist alles wieder normal.", versuchte er mich aufzumuntern. Doch wieder schüttelte ich den Kopf.

„Nein, irgendetwas ist falsch.", hauchte ich und drehte den Kopf, um in seine besorgten Augen zu blicken.

„Denkst du, wir müssen wieder kämpfen?", fragte er und wirkte angespannt. Seine Stimmung gab er natürlich unbewusst auch an mich weiter, doch ich lebte schon lange genug mit ihm zusammen, um mich davon nicht verwirren zu lassen.

„Nein.", sagte ich schließlich nach langer Pause und Jasper entspannte sich wieder.

Ich schloss die Augen und hätte am liebsten geweint. Natürlich spürte er die drastische Veränderung meiner Stimmung und zog mich in seine Arme, jedoch ohne an meinen Gefühlen etwa zu verändern.

Leise schluchzte ich und wollte mich gerade an seiner Seite zusammenrollen, als ich zusammenzuckte und die Welt vor mir verschwand. Ich weinte weiter in der Dunkelheit, denn das war alles, was ich sah. Nichts außer hier und da ein paar undeutlichen Farben und drum herum nur Dunkelheit.

Ich wusste, dass da etwas war, das ich sehen musste, doch ich konnte einfach nicht. Als ich langsam wieder in die reale Welt zurückkam, spürte ich Jaspers sanfte Hände, die mich immer noch hielten. Dann sah ich auch seine Augen, die so unendlich traurig aussahen.

„Hast du etwas gesehen?", fragte er flüsternd und ich schüttelte erneut den Kopf. Dann rollte ich mich zusammen und er nahm mich noch fester in den Arm, während ich hemmungs- und tränenlos weinte.

Als ich mich wieder etwas beruhigt hatte, war ich schon etwas hoffnungsvoller, doch das kam nicht von mir. Auch, wenn Jasper es geschickt anstellte, spürte ich natürlich, dass er es war, der mir die Hoffnung schickte, doch diesmal sagte ich nichts dazu und ließ es geschehen.

Dann hörten wir, dass im Erdgeschoss irgendetwas im Gange war und ich stand schnell auf, gefolgt von Jasper.

So schnell wir konnten rannten wir nach unten und ich sah gerade noch, wie Zafrina, Senna und Edward das Haus über die Veranda verließen. Schnell folgte ich ihnen und nach kaum einer Sekunde hatte ich Edward eingeholt.

„Was ist los?", rief ich aufgeregt und sah ihn an, als ich über eine große Baumwurzel sprang, die vor mir aus der Erde ragte.

Hatte ich schon wieder etwas übersehen? Wurden wir womöglich schon angegriffen und nur ich hatte nichts davon mitbekommen?

„Nein, wir werden nicht angegriffen aber Renesmee wird es. Von Nahuel.", knurrte Edward und meine Augen weiteten sich schockiert. Das hatte ich natürlich nicht wissen können, ich hatte Nessie oder Jake noch nie in einer meiner Visionen gesehen.

Wir beschleunigten und fanden schließlich Jakes und Nessies Spur, der wir folgten.

Die ganze Zeit über hatte ich Mühe, mich unter Kontrolle zu bringen. Edward bekam es mit und sah mich mehr als einmal prüfend an.

„Geh wieder zurück!", rief er mir schließlich zu, da ich schon sehr weit zurück gefallen war.

„Nein.", sagte ich stur und rannte weiter.

Es dauerte nicht lang, da hatten wir sie gefunden und ich wünschte mir, ich hätte auf Edward gehört und wäre Zuhause geblieben. Nessie sah furchtbar aus, sie saß unter einem Baum, über und über mit Erde und Blut beschmiert. Unsere Blicke trafen sich und ich wusste, dass ich die Trauer und Verwirrung, die in mir herrschten, nicht länger verstecken konnte. Ich ging langsam auf die zu, als sie den Blick nicht von mir abwandte, doch blieb ich stehen, als sie vor Schmerzen zusammenzuckte.

Edward tastete Nessies Kopf ab und erst jetzt fiel mir auf, dass eine ihrer Haarsträhnen blutverschmiert an ihrer Stirn klebte.

„Nichts Schlimmes, nur eine Platzwunde. Carlisle wird sich zuhause darum kümmern.", sagte er und wir machten uns langsam auf den Weg zurück.

Wieder kämpfte ich mit den nicht vorhandenen Tränen, als wir immer näher an unser Zuhause kamen. Ich wollte nichts sehnlicher, als endlich wieder in Jaspers Armen zu liegen und meiner Verzweiflung freien Lauf zu lassen.

Betrübt dachte ich, dass es vielleicht sogar besser wäre, wenn meine Gabe verschwinden würde, denn dann wüsste ich wenigstens, was mit mir los war. Diese Ungewissheit - hatten wir Feinde, die unerklärlicherweise um meine Fähigkeit wussten oder lag es doch an mir? - fraß mich innerlich auf.

Biss - die nächste GenerationGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt