4.) Eine lange Nacht (Teil 2)

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Renesmees Sicht

Ich zog mich so schnell um, wie ich konnte, denn ich wollte Jake nicht zu lange warten lassen. In meinem geliebten Rosa Jogginganzug versuchte ich dann, meine Haare irgendwie in einen Zopf zu bekommen. Jakes Schritte klangen auf dem Waldboden und wenig später hörte ich das Knistern des Feuers und sah den warmen Schein, denn er hatte es für die Nacht wieder angeheizt. Sicher würden sich auch während der Nacht die anderen darum kümmern, doch wenn nicht, wäre das auch nicht schlimm. Schließlich trauten sich wenige Tiere in unsere Nähe, da ihre Instinkte ihnen sagten, dass wir gefährlich wären.
Seufzend ließ ich meine Hände sinken, jetzt machte es sich bemerkbar, dass mir bei meinem Haar immer jemand half, denn ich konnte es einfach nicht bändigen.
Dann hörte ich Jake näher kommen und bat ihn herein.
„Könntest du mir helfen?", fragte ich und drehte ihm dann den Rücken zu.
Da entweder er, meine Mutter oder Alice mir die Haare machten, hatte er schon Übung darin und wusste, was er zu tun hatte. Doch als seine Finger zufällig meinen Nacken streiften, durchfuhr mich ein Schauer, was ihm nicht entging.
„'tschuldige ...", murmelte er. Er klang verlegen, war ihm das etwa peinlich?

Ich erwiderte nichts und wartete, bis er meine Haare fertig hatte. Dann hielt ich meinen Blick weiter abgewandt, als ich das Rascheln von Stoff hörte und er sich wohl ebenfalls umzog.
Außer einem geflüsterten „Gute Nacht", sprachen wir nichts mehr und krochen in unsere Schlafsäcke. Bald hörte ich Jake schnarchen, doch ich konnte nicht schlafen.
Ich wälzte mich hin und her, zählte Schafe und dachte an schöne Dinge, aber nichts wollte helfen. Mein Kopf schwirrte vor lauter Unruhe und schließlich hielt ich es kaum noch aus.

>>Es muss schon eins oder halb zwei sein ...<<, dachte ich träge und setzte mich auf.
Mein Blick fiel auf Jake, der friedlich schlief und sich wie immer durch nichts stören ließ, jedenfalls dachte ich das. Ich atmete einmal tief durch und zog dann den Reißverschluss meines Schlafsacks leise auf. Nur leider ließ sich das Zelt nicht so geräuschlos öffnen und Jake wachte auf.
„Wo willst du hin?", hörte ich seine schläfrige Stimme hinter mir und hielt inne.
„Schlaf ruhig weiter, ich wollte mir nur etwas zu trinken holen.", flüsterte ich und stieg aus dem Zelt.
„Es ist nichts mehr hier ...", sagte er und schob sich aus seinem Schlafsack.
„Wir müssen zum Haus runter."

Und wieder gingen wir zusammen durch die Nacht, was mich wieder beunruhigte. Eigentlich war gehen wohl das falsche Wort, da uns niemand sehen konnte, legten wir ein schnelleres Tempo an den Tag. Außerdem war es kalt und ich hatte nur leichte Kleidung an, wollte also nicht so lange frieren und Jake schien es wohl ähnlich zu gehen, wenn er auch darauf bestand, dass er nie fror. Doch das konnte ich mir nicht vorstellen, denn als wir einmal durch die Wälder bis in den Norden gelaufen waren - damals hatte ich bei der Jagd noch auf seinem Rücken gesessen - hatte ich deutlich gespürt, wie er unter seinem Fell gezittert hat.
In ein paar Sekunden waren wir bei seinem Elternhaus angekommen und gingen schnell hinein.
Es war alles ruhig, denn Opa Billy war nicht da, er sah ein Spiel auf Opa Charlies Plasmabildschirm und weil die Straßen nicht beleuchtet waren, blieb er einfach über Nacht.

Ich schaltete das Licht an und setzte mich auf die Theke in der Küche. Vielleicht war es nur die Müdigkeit, die nun langsam zuschlug, aber ich fühlte mich irgendwie beruhigt. Alles in dem Haus erinnerte mich an früher, Jake hatte mich oft mit nach La Push genommen, an den Strand oder zu den anderen, damit ich mit Claire spielen konnte oder Emily beim Kochen helfen konnte, während die Jungs ihre Runden drehten. Manchmal war ich auch dabei mit von der Partie, denn Jake und ich waren eigentlich immer unzertrennlich gewesen
Wann hatte sich das denn verändert, wollte eine leise Stimme in meinem Kopf plötzlich wissen, doch ich fand auch keine Antwort darauf.
„Ist Wasser okay?", fragte er und ich nickte gedankenverloren und sah mich dann um. Es hatte sich wirklich nichts verändert, bis auf die neuen Möbel hier und da und die Halterungen an den Schränken, die Jake angebracht hatte, bevor wir Forks verlassen hatten. So konnte sich Opa Billy im Haus auch selbst versorgen und musste nicht immer jemanden um Hilfe bitten. Ich wusste, dass ihm das gefiel, denn er fragte eigentlich nie nach Hilfe, auch, wenn er sie brauchte.
Dann sprang ich wieder von der Theke um mein Glas zu nehmen.
Nur leider hatte ich nicht bedacht, wie klein der Raum war und dass Jacob bereits neben mir stand. Und nun befand ich mich direkt vor ihm, sah in seine dunklen Augen, die mich gefangen zu halten schienen.

Wieder übermannte mich dieses Kribbeln und ich konnte nur noch wortlos in seine Augen starren. Dass das Glas aus seiner Hand rutschte und klirrend zu Boden fiel, kümmerte mich nicht, denn in meinem Kopf herrschten ein heilloses Chaos und gleichzeitig eine solche wissende Ruhe, dass es verrückt war.
Er beugte sich zu mir herunter und legte seine Lippen leicht auf meine. Seine Arme schlossen sich um mich und die Hitze, die von ihm ausging und die ich trotz meiner eigenen hohen Körpertemperatur deutlich spürte, schien meine Starre zu lösen. Langsam legte ich meine Hände auf seine Schultern.
Ehe ich es mich versah, saß ich wieder auf der Theke, an ihn geklammert und erwiderte seine Küsse stürmisch. Ich war wie in Trance doch als seine Lippen meinen Hals hinabwanderten schrak ich zusammen.
„Hör auf, hör auf!", rief ich und stieß ihn weg, völlig überfordert von der ganzen Situation.
Mit großen Augen sahen wir uns an, beide außer Atem. Kein weiteres Wort konnte ich mehr sagen, auch nicht, als er mich in seine Arme zog.
„Entschuldige, ich wollte dich nicht erschrecken.", klang seine Stimme heiser in meinem Ohr.
„Renesmee .... Ich Liebe dich.", flüsterte er und mich überlief am ganzen Körper eine Gänsehaut.
Ich konnte nichts erwidern, mich nicht bewegen. Nicht einmal meine Tränen konnte ich zurückhalten und so weinte und schluchzte ich, bis alles um mich schwarz wurde und der Schlaf mich endlich fand.

Biss - die nächste GenerationGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt