011 // 13. April - II

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- Interludium -

Dezember

Ich hatte Henry, nachdem er mich auf seiner Couch dazu eingeladen hatte, zu einem der traumhaften Drehorte begleitet. Ich hatte mich wegen der Hunde für die kürzere Anreise in den westlichen und landschaftlich überaus ansprechenden Teil Irlands entschieden. Henry bemühte sich sehr, die Anreise für alle so angenehm und stressfrei wie möglich zu gestalten. Seinen Hundesitter hatte er kurzerhand ebenfalls gebucht, damit wir die Hunde auch betreut wussten, wenn wir länger außer Haus waren. Das eine oder andere Mal hatte Elias vor allem mich gerettet, wenn ich abends unerwartet und trotz Urlaub mit Johann Lind telefonieren und Präsentationen vorbereiten musste. Henry hatte an den Abenden, an denen ich Stunde um Stunde auf Deutsch telefoniert hatte, seinen Text gelernt, gelesen, Essen zubereitet oder mir belustigt zugehört.

Elias hatte währenddessen die vierköpfige Rasselbande draußen in den irischen Wäldern oder auf dem großen Hinterhof, der zu dem Ferienhaus gehörte, das wir mitten in der Einöde gebucht hatten, ausgepowert. Elias und ich unterhielten uns auch zwischendurch ausgiebig über Hunde und Hundeerziehung. Ich mochte ihn sofort sehr, er war klug und aktiv und liebte Hunde genauso sehr wie Henry und ich. Während unseres Aufenthaltes wohnte Elias im Nebenhaus am anderen Ende des Grundstücks und hatte viel Freizeit, um die Umgebung zu erkunden. Manchmal fragte er von sich aus, ob er die Hunde mitnehmen dürfe. Er wäre der perfekte Mann für meine Freundin Clara, hatte ich mehr als ein Mal gedacht, allerdings hatten Henry und ich unser Verhältnis immer noch nicht bekannt gemacht und so hielt ich auch den Kontakt zu Elias geheim. Niemand hätte sicherlich absichtlich etwas weitererzählt, das an die Presse gelangen könnte, aber es war eben auch menschlich, dass einem ungewollt etwas herausrutscht. Ich fand es für uns beide aber so auch entspannter.
Nachdem ich in Henrys Wohnviertel in Buckinghamshire mit Anubis und Skadi an der Leine fotografiert und online gleich über meine Person - von Hundesitterin über neue, noch unbekannte Hausbesitzerin bis hin zur neuen Geliebten eines anderen Schauspielers, der ebenfalls in dem Viertel wohnte und einen regelmäßigen Wechsel seiner Partnerinnen vornahm, war alles dabei - gemutmaßt wurde, war ich von da an auch morgens direkt mit den Hunden in den nahegelegenen Wald oder an den See gefahren. Zu groß war das beklemmende Gefühl gewesen, ungefragt zum Gesprächsthema zu werden. Zum Glück hatte ich Kal und Baggins nicht dabeigehabt, das hätte mich sofort verraten. Die beiden waren auf Instagram bei Henrys Fans, der sehr selten etwas postete - aber wenn, dann mit einem riesigen Anklang - sehr, sehr beliebt. Wie musste es bloß Henry immer damit gehen...? Er hatte sich wahrscheinlich einen professionellen Panzer angelegt und außerdem mochte er seine Fans, genoss es, wenn er mit ihnen in Kontakt kam. Größere Probleme bereiteten ihm eigentlich nur die aufdringlichen Journalisten und Reporter. Pressetermine hatte er während und nach Ende der Dreharbeiten auch schon einige absolviert. Immer wieder wurde er zu seinem Ausstieg aus der Witcher-Produktion befragt, ich verfolgte einiges online, er reagierte jedes Mal professionell, ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Es gelang Henry mit seinem unverwechselbaren Charme, das Thema immer wieder galant auf die neue Produktion zu lenken. Er betonte gerne, wie er es genoss, Teil des Schaffensprozesses zu sein. Ein kleiner, aber gut getarnter Seitenhieb an die vergangene Produktion, die ihn ausgetauscht hatte, weil er sich ihnen nicht beugen wollte.

Irland war jedenfalls wunderschön gewesen, wir hatten die langen Spaziergänge und Wanderungen über die unzähligen grünen Hügel und üppig bewachsenen Berge genossen. Die vier Hunde hatten wir oft dabei. Sie verstanden sich nach einer kurzen Raufphase zu Beginn, die der Klärung der Rangordnung diente, nun wunderbar. Skadi hatte, imposant und selbstbewusst wie sie ist, schnell die Führung übernommen. Eine hochgezogene Augenbraue, ein kurzes Grollen reichte oft, um die Jungs in die Spur zu bringen. Kal, Henrys American Akita, war der älteste in der Truppe und hatte die Rolle des weisen, gutmütigen Kumpels eingenommen. Wenn Anubis und Baggins zu sehr aufdrehten, stellte er sich aufrecht zwischen sie, brachte Ruhe in die Situation. Skadi lief in der Vierergruppe oft voran, Anubis und Baggins, die kleinen Kinderköpfe, tobten zwischendrin und Kal lief gemütlich hinter uns her, erkundete die Gegend und stupste uns öfter an, um das große, flauschige Köpfchen gekrault zu bekommen. Wir fuhren nacheinander die geplanten Drehorte ab, begutachteten die natürlichen Gegebenheiten. Henry erstellte eine Liste, in der er seine Gedanken eintrug. Am Ende hatte er sie Carl, dem Produktionsleiter, geschickt und zeitnah ein Feedback erhalten.
Wir genossen einfach die Zeit, die atemberaubenden Aussichten von den Bergen hinab ins Tal, in denen sich unzählige weiße Flecken abzeichneten. Schafe gab es reichlich, die auch bei den teils eisigen Temperaturen noch auf den Weiden standen und dem Wetter trotzten. Sie weckten jedes Mal auch das Interesse der Hunde, die wie wild schnüffelten, als wir an den Weiden vorbeikamen, auf denen die Schafe sich an den wenigen verbliebenen Grasbüscheln und Futterraufen labten.
Henry kaufte deshalb kurzerhand ein großes Schafsfell bei einem Schäfer, das die Hunde seitdem liebend gerne zum Schlafen und Schnüffeln benutzten. Ich hatte mit den Hunden an der Weide gewartet und einige neugierige Schafe die lockigen Köpfchen gestreichelt.

Bei einer anderen Wanderung um den Muckross Lake hatten wir einen Wasserfall entdeckt, der laut rauschend riesige Wassermassen nach unten beförderte. Es war mittlerweile viel zu kalt, um in dem Fluss, in den das Wasser mündete, zu baden. Ich ließ den Anblick auf mich wirken, atmete tief die frische, klare Luft ein, schoss ein paar Erinnerungsfotos. Die Hunde schnüffelten am teils von Schnee bedeckten Laub, am Tannengrün, fanden Tannenzapfen, die sie sich gegenseitig zu kullerten und in den Schnauzen damit davonrannten. Ein schöner Augenblick in der Abgeschiedenheit Irlands, die zu dieser Jahreszeit nur noch wenige Touristen anzog. Vor allem Wanderer und Radfahrer verirrten sich aber noch von Zeit zu Zeit an die entlegenen Orte. Henry hatte mittlerweile von hinten seine Arme um meinen dicken Wintermantel geschlungen und sein Gesicht zwischen meinem Schal und meiner Mütze eingekuschelt. Wir standen einfach so da, die Augen geschlossen und dieser kurze unachtsame Moment genügte - wir hörten ein lautes Platschen. Alle Hunde standen in dem seicht dahinfließenden Fluss, rauften sich. Wir lösten uns schnell voneinander und liefen zu ihnen, holten sie aus dem Wasser. Skadi, Anubis und Baginns zitterten unaufhörlich. Nur Kal, der durch seine doppelte Behaarung sehr gut vor Kälte und schlechtem Wetter geschützt war, schüttelte sich einmal ab und schaute entspannt in unsere Richtung. Wir hatten natürlich keine Handtücher dabei und machten uns schleunigst auf den Rückweg zum Auto, das zum Glück nicht zu weit entfernt auf einem Parkplatz, dem Startpunkt unserer mehrstündigen Rundwanderung, stand. Wir eilten zurück, ließen die zitternden Hunde in die große Box. Alle schmiegten sich an Kal, wir breiteten die Kuscheldecke aus der Box über ihnen aus und Henry stellte die Temperatur im Auto hoch. Wieder im Ferienhaus angekommen, hatte ich alle Hunde ordentlich abgerubbelt und auf mittlerer Stufe geföhnt. Anschließend waren sie erschöpft zu ihren Körbchen getigert und ließen sich zudecken. Henry befeuerte den Kamin und legte das Schafsfell davor, auf das sich nacheinander alle Hunde einfanden und beruhigend schnarchten. Während die Hunde sich ausgeruht und aufgewärmt hatten, hatte Henry mich, nachdem er uns mit Getränken versorgt und das Außenlicht angeschaltet hatte, auf die Terrasse mit Blick in den großen Garten geführt. Elias hatte sich den restlichen Tag freigenommen und war in der Gegend unterwegs. Wir hatten das gesamte abgeschiedene Grundstück für uns. Henry hatte eine mobile Fasssauna sowie ein ein Whiskeyfass imitierendes Becken für zwei Personen, das mit Atlantikwasser und Seetang befüllt war, bestellt. Neben der Sauna stand ein Tisch mit einer Schale Eis, das sich bei den Temperaturen hielt, ohne zu schmelzen. Ich freute mich riesig. Es war mittlerweile eiskalt und dunkel draußen, man sah nicht einmal mehr Elias' Nebenhäuschen, man konnte durch das Außenlicht gerade noch bis zur Fasssauna schauen. Ich trank einen Schluck des wärmenden Brandys, den er mir gereicht hatte und sah ihn eine Rauchwolke in die Luft blasen. Henry hatte sich eine Zigarre aus der Tasche gezogen, daran gerochen, das Ende abgeschnitten und sie entzündet. Ich küsste ihn.

"Ich danke dir. Das ist wunderbar!", hatte ich gesagt und mich an ihn geschmiegt.

Ich genoss die Zeit so mit ihm. Er war ein wunderbarer, bescheidener Mensch, der anderen so gerne eine Freude machte. Er roch leicht nach Brandy, Rauch und Vanille. Henry atmete wieder aus, bedachte mich mit einem warmen Blick und gab mir einen Kuss auf die Stirn.

"Auf dem Bett liegt ein Bademantel. Wenn du magst, mach dich bereit. Die Sauna ist schon aufgewärmt."

Ich stellte den Brandy auf dem Terrassentisch ab, lief ins Schlafzimmer, zog mich schnell aus und legte den weichen Kaschmirbademantel an. Seiner lag daneben. Als ich gerade zwei große Handtücher aus dem Schrank geholt hatte, mit denen wir uns nach dem Bad im Whiskeyfass abtrocknen konnten, trat er auch ins Zimmer, legte seine nach der teuren Zigarre duftenden Sachen ab und den Bademantel an.

"Sollen wir?", fragte er und hielt mir die Hand hin.

Ich nickte und ergriff sie.

HENRY | .•° Eine Henry Cavill Fanfic °•.Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt