071 // 30. Mai - II

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Die Hülle meines Smartphones gibt ein kurzes, quietschendes Geräusch von sich, als ich es auf meinen Wohnzimmertisch lege. Ich massiere meinen Nasenrücken und schließe die Augen, während Anubis mein Knie mit seiner feuchten Nase anstupst. „Na komm, Dickerchen." Ich klopfe neben mich auf das Kissen und Nubby klettert, eine Pfote nach der anderen auf die weichen Polster setzend, herauf. Sein massiger Kopf ruht auf meinem Schoß und ich gehe das Gespräch mit Paul noch einmal durch. Henrys Anwalt hatte mir in wenigen Sätzen die Rechtslage und Optionen erklärt. Verleumdung, Persönlichkeitsrechtsverletzung und Datenschutz waren einige der Worte gewesen, die Paul in diesem Zusammenhang verwendet hatte. Er meinte, ich müsse mich erst einmal um gar nichts kümmern. Paul würde wieder auf mich zukommen, wenn er die Situation vollständig analysiert habe. Meine Freundinnen hatten das Video mittlerweile ebenfalls gesehen und mich direkt nach der Arbeit angerufen. Mir brennen immer noch die Augen und Wangen, weil ich den pragmatischen Modus nicht länger aufrechterhalten konnte. Marleen und Clara haben mich bestärkt, mir gut zugesprochen und mich davon zu überzeugen versucht, dass das alles keine negativen Folgen auf mein Leben haben wird. Schließlich flauen Gerüchte so schnell ab, wie sie entstehen, hatte Clara missionarisch gemeint. Ich bin bis jetzt nicht ganz überzeugt davon. Das weiche Fell an Nubbys Ohren beruhigt mich, während ich mit den Fingerspitzen in kreisenden Bewegungen darüberfahre. Er gibt ein schnarchendes Geräusch von sich und ich lasse eines seiner knorpeligen Öhrchen zwischen meinen Fingern hin- und hergleiten. Skadi stellt jetzt ebenfalls Ansprüche und wühlt eine Weile auf dem Sofa herum, bis sie schließlich eine bequeme Position gefunden hat. Sie sieht aus wie ein Bagel.

Mein Handy beginnt zu klingeln und rutscht dabei ein paar Zentimeter über die Tischplatte. Ich nehme ab, um mit Henry zu sprechen. Als ich ihm schließlich den Vorfall in allen Details geschildert und meinen Augen jegliche verfügbare Tränenflüssigkeit abgerungen habe, schleiche ich vollkommen erledigt ins Bett. Er ist dazu bereit alles abzustreiten, falls er Anfragen bekommt. Henry meinte aber auch, dass es ziemlich wahrscheinlich ist, dass das Team um Charleen Harrison versuchen wird an Elias' Kundenliste zu kommen. Henry hat mir dazu geraten, vorerst ebenfalls auf keine Kontaktversuche zu reagieren und mich bestmöglich zu schützen. Morgen früh kommt deshalb Lucas vorbei und holt Anubis und Skadi ab.

Nachts wache ich mehrmals auf, sehe jedes Mal die Schatten an der Decke tanzen, die sich plötzlich zu Kameras, Mikrofonen und Kugelschreibern verformen und mich bis in den leichten Schlaf verfolgen.

HENRY | .•° Eine Henry Cavill Fanfic °•.Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt