080 // 21. Juni - II

34 3 1
                                    

Als ich am Abend zu Hause ankomme, stelle ich das kleine Präsent für meine Vermieterin vor ihrer Tür ab. Ich schnappe mir die Leinen und Halsbänder der Hunde, nachdem ich die Tüten, auf denen Attitude Disturbia by Jeanine Haverforth steht, in meinem Schlafzimmer in Sicherheit gebracht habe. Da Nini direkt eine kleine Änderung vorgenommen hat, ist es etwas später geworden. Ich öffne die Wohnzimmertür und begrüße meine beiden Fellnasen, die sich schwanzwedelnd ihre Halsbänder anlegen lassen. Ich drehe mit ihnen im Halbdunkel eine größere Runde durch mein Wohngebiet, komme dabei am Fitnessstudio, dem Park und verschiedenen Läden vorbei. Als wir in eine Straße einbiegen, in der es einen Italiener mit außer Haus-Verkauf gibt, knurrt mir bei dem verführerischen Duft sofort der Magen. Ich stelle mich in die Schlange, die aus vier anderen Hungrigen besteht und lasse die Hunde von einem kleinen Mädchen streicheln, das seiner Mama so lange an der Hand zupfte, bis diese schließlich ihr Einverständnis gegeben hat. Die Kleine stößt ein hohes Kichern aus, als Anubis sie mit seiner feuchten Nase an der Wange berührt. Skadi lässt sich genüsslich ihren Kopf kraulen und schwenkt den Kopf von links nach rechts und wieder zurück, als das Mädchen ihre Ohrmuscheln massiert. Die Mutter lässt ihre Tochter mit den Hunden kuscheln, bis sie die Bestellung entgegengenommen hat. „Leah, es wird jetzt Zeit sich zu verabschieden."

Leah zieht daraufhin einen Schmollmund und ihr Näschen bebt so sehr, dass ich befürchte, gleich einen Weinkrampf miterleben zu müssen. Ihre Mama legt ihr eine Hand auf den Kopf und streichelt beruhigend ihre Haare. Skadi leckt ihre Nase und schon kann Leah wieder lachen. „Mama, ich schaue jetzt immer, ob ich die Hunde sehe. Dann kann ich sie ganz oft streicheln, ja?"

„Wenn die Halterin das erlaubt, darfst du das bestimmt."

„Natürlich. Wir freuen uns schon auf ein Wiedersehen", sage ich lächelnd und winke Leah, die sich im Weggehen immer wieder zu uns umdreht. Ich gebe anschließend meine Bestellung auf und warte geduldig, bis der Koch mir alles zusammengestellt hat. Zwischendurch reicht er mir zwei dicke Scheiben Schinken, die ich an die vor Geifer triefenden Hunde verfüttere.

„Für die Signora", sagt der freundliche Koch zu mir und schiebt mir mein Essen in einer stabilen Papiertüte über den Tresen. Ich gebe ihm ein großzügiges Trinkgeld und trete dann langsam den Heimweg an.

Während ich mir die Pizza mit Spinat, Knoblauch, Peperoni und Schafskäse schmecken lasse, wähle ich Elis Nummer, der nicht abhebt. Ich schalte mir über die Musikbox eine 80's Playlist an und genieße die würzige, fluffige Pizza. Als ich mir das vorletzte Stück in den Mund schiebe, ruft Elias an. Ich lecke mir die Finger ab und gehe ran.

„Allo, min Liebr", sage ich kauend.

„Bist du im Funkloch, Sonnenschein?"

Ich schniefe amüsiert und schlucke schnell herunter. „Ich esse. Alles gut bei dir?"

„Schön, dass du mich daran teilhaben lassen willst... Ja, alles gut. Ich habe mir heute Braşov angeschaut. Das ist eine wunderschöne Stadt, die von den Karpaten umgeben wird. Total urig. Ich war auch in der Biserica Neagra, davon schicke ich dir gleich ein Foto. Du magst doch Sakralbauten so gerne?!"

„Oh ja, unbedingt! Ich bin richtig neidisch...und, wie ist das Essen?"

„Fragt sie, während ihre Kiefer noch malmen. Du bist so verfressen", ich höre ihn lachen und meine Lippen kräuseln sich. „Das Essen ist so lecker! Ich habe heute Sarmale gekostet, das sind Krautrouladen, die mit Hack, Bulgur, Kräutern und Sumach gefüllt sind...und dann die Frauen, diese Haare!", sinniert er.

„Hmm, das klingt gut! Du bist aber auch kein Kostverächter...Bleib anständig!", konstatiere ich und knabbere den Rand des letzten Stücks ab. Wir plaudern einige Minuten über Elis' Rumänien-Erfahrungen und er fragt mich über meinen Tag aus. Ich erzähle alles ausführlich, außer, dass ich ein Kleid für den Maskenball gekauft habe. Der wird Augen machen, wenn wir plötzlich da auftauchen!

„Also", wechselt Eli das Thema, „ich weiß ja, dass du dir den Kram von der Harrison nicht mehr reinziehst, aber das musst du dir anhören!" Einen Moment später klingt seine Stimme etwas leiser, weil er das Smartphone in der vor sein Gesicht hält, während er vorliest -

War alles nur ein Fake?

Faktencheck mit Charleen Harrison

„Faktencheck. Das ist doch schon der größte Witz. Jetzt plötzlich fällt ihnen ein, dass das eine gute Idee wäre...Naja, also..."

Nachdem ich seit Wochen erfolglos probiert habe, Ida Karlson (29) für ein Interview zu gewinnen und unzählige Anfragen an mir bekannte Kunden von Elias Hartman gestellt habe, die alle negiert wurden, musste ich mich nun fragen, ob Professorentochter Vanessa van Dien nicht doch nur ihre fünfzehn Minuten Rampenlicht gesucht hat?

In der Vergangenheit ist es meinem Team und mir bislang immer gelungen, neue Liebeleien der Schönen und Reichen zu identifizieren, zu enthüllen, zu befragen! In diesem Fall wirkt aber alles, als handle es sich um einen unlösbaren Cold Case. Angesichts des breiten öffentlichen Interesses (Danke für Eure Zuschriften und Tipps!) und der Anstrengung, die ich – trotz rechtlicher Schritte, die gegen unsere Redaktion eingeleitet wurden – betrieben habe, halte ich es also für überaus unrealistisch, dass Ida Karlson in einer Beziehung mit einem von Hartmans Kunden ist.

Schade, dass Sie mich an der Nase herumgeführt haben, Ms. van Dien. Sehr schade!

Elias schnaubt und verschluckt sich daran. Er hüstelt ein paar Mal ins Telefon.

„Geht es denn?" Ich erhalte nur ein Krächzen als Antwort. „Das war alles, aber kein Faktencheck...und dann das Wording! Cold Case? Oh je, wenn das mal nicht einen Shitstorm gibt." Ich kann mich einer gewissen Schadenfreude nicht erwehren. Zum Glück hat das Theater jetzt endlich ein Ende – zumindest so lange, bis wieder jemandem etwas einfällt.

„Das eigene journalistische Versagen kann man schon mal mit einem mysteriösen Mordfall vergleichen..."

Ich lache schriller als beabsichtigt auf und wische mir eine Träne aus dem Augenwinkel. „Hach...danke, das war das Highlight meines Tages."

„Immer doch, Sonnenschein." Ich höre, wie er trinkt und herunterschluckt. „Hast du mit Henry gesprochen?"

„Kaum. Wir haben in den letzten Tagen noch einmal telefoniert und da war er auf dem Sprung. Ansonsten schreibt er eigentlich gar nicht mehr. Weißt du, ob er die Sexszene diese Woche drehen wird? Ich habe nicht danach gefragt... Ich war froh, dass wir überhaupt kurz telefoniert haben."

„Hast du ihm denn klar gesagt, wie du dich damit fühlst...dass du es nicht möchtest?"

„Nein, ich war nur eine eifersüchtige Ziege...und habe gesagt, dass er es selbst entscheiden soll. Danach sind wir ja so verblieben, dass wir uns erst aussprechen, wenn wir uns wiedersehen."

„Hmm...dann wird er es wohl machen. Es ist sein Job...Wenn er denken würde, dass es nicht zur Handlung passt, würde er es definitiv ablehnen. Du weißt ja, dass er..."

„...das bei den Dreharbeiten zum Witcher auch gemacht hat, als sie eine weitere Szene mit Anya Chalotra drehen wollten, ja..."

„Er ist ein Profi, mach dir keine Sorgen", versucht Eli mich zu beruhigen.

Mein Herz klopft gegen meine Brust, die sich dadurch stärker hebt und senkt, als würde ich nur einatmen. Ob Elias es hören kann? „Das sagst du so leicht..."

HENRY | .•° Eine Henry Cavill Fanfic °•.Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt