Lauren, der es mittlerweile gewohnt war, dass weibliche Wesen in seinem Zimmer nächtigten, war auch diesmal nicht überrascht, als er nach dem Duschen eine schlafende Hailey auf Adam liegend sah. Ihre Finger waren weiß. Gott, was hatte sie gemacht? Mehr oder weniger beruhigt stellte Lauren fest, dass ihre Hände verbunden waren. Was hatte sie schon wieder angestellt? „Ist sie okay?“, flüsterte er Adam zu. Der zuckte nur leicht mit den Schultern und strich über Hailey‘ s Stirn. „Du kannst auch in ihrem Zimmer schlafen wenn du willst. Kann sein, dass die nächsten Stunden für alle Beteiligten nicht so angenehm werden.“, kündigte er leise an. Diesmal zuckte Lauren mit den Schultern. Falls es Hailey wegen ihrer Verletzung durch das Weib schlecht ging, war er ja eh daran schuld und würde nun ausbaden müssen was er sich selbst eingebrockt hatte. Und so legte er sich ohne ein weiteres Wort unter seine Decke und verfiel in einen kurzen Schlaf.
Schnee. Überall Schnee. Halt. Ein roter Farbtupfer. Verquollene Augen. Wehende Strähnen. Totenblasse Haut. Herzschlag. Tot. Maryann Westminster.
Kreischend wachte Hailey auf und saß kerzengerade im Bett. Ihre Fingernägel bohrten sich in ihre Handflächen und sie schmeckte Blut. „Hey, Hailey, beruhig dich! Du hast nur geträumt. Alles gut.“, flüsterte jemand hinter ihr und sie spürte wie Adam seinen Arm um ihre Taille legte. Ihr Nacken war schweißnass und ein Schauder durchzog ihre Nerven. Aus den Augenwinkeln konnte sie sehen, wie Lauren panisch aufsprang und taumelnd vom Bett viel. „Ist was passiert? Alles okay?“, nuschelte er mit dem Gesicht auf dem Boden. „T…tut mir leid.“, murmelte Hailey und lehnte sich langsam zurück. „Ach so. Ich dachte schon…“, rappelte Lauren sich auf und fiel wieder müde ins Bett. „Schlaf noch ein bisschen Babe.“ Hailey wollte nicht mehr schlafen. Sie hatte Angst zu träumen. Von ihr. „M…mir ist schlecht.“, murmelte sie und ihre Blickfelder verschwammen. Konzentrier dich Hailey, oder willst du wieder zu diesem fetten Hamster zurück und auf Droge gesetzt werden? Ja, das war eindeutig der Moment wo sie sich wieder zusammenriss und auf Adam‘ s Atem achtete. Leises Einziehen des Lebenswillen. Sie hoffte, dass er ihr etwas abgeben konnte. Denn im Moment hoffte sie nichts anderes als einfach nur ganz intelligent aus dem Fenster zu fallen und sich das Genick zu brechen. Innerlich schlug sie sich für diesen Gedanken. Wärme umwog sie und sie setzte sich wieder auf. Ruckartig zog sie ihr Oberteil aus und schlug die Decke weg. An dem Keuchen aus der Dunkelheit bemerkte sie, dass Lauren wohl doch noch nicht schlief. Aber es war ihr egal. Und als sie endlich wieder eingeschlafen war legte Adam seinen Arm schützend um sie und ließ sie nicht mehr los.
Erstaunlicherweise wurde Lauren erst am nächsten Morgen wieder wach. Er hatte sich darauf vorbereitet noch ein paar saftige Backpfeifen vom Schicksal in Form von Hailey zu bekommen aber das blieb aus. Diese schlief friedlich in Adam‘ s Armen. Bedauernd stellte er fest, dass sie mittlerweile zugedeckt war. Leise kicherte er und zog sich leise an. So wie er das einschätzte, würde Hailey heute eh sich nicht mehr als die fünf Meter zur Toilette bewegen und zurück. Also könnte er ja auch schon mal zum Frühstück gehen. Dass er wirklich verdammt früh dran war bemerkte er an den fehlenden ausgehungerten Massen an Jugendlichen auf dem Flur. Auch der Speisesaal war nur spärlich gefüllt und er ließ sich Zeit sein zuckerfreies Müsli solange mit Honigmelone zu paaren, bis er zwar nur noch einen einheitlichen Brei aber wenigstens ein wenig Süße in seiner Schüssel vorfand. Im Endeffekt entschloss er dann allerdings doch, alles in den Ausguss zu kippen und verließ den Speisesaal. Gerade als er zum Hauptgang abbiegen wollte rannte jemand in ihn rein. Ein leises Fluchen beiderseits war zu vernehmen und Lauren erkannte Chloe, die mittlerweile lachend auf der Erde saß. Vor ihr verstreut lagen mehrere Bücher. „Hast du vor eine Bibliothek zu eröffnen?“, grinste Lauren und beugte sich vor. Wieso der Flur auf einmal menschenleer war, wussten beide nicht. „Nee, die habe ich mir von einer Freundin ausgeliehen und wollte sie ihr jetzt zurück geben.“ Beide begannen die Bücher aufzusammeln und Lauren bestand darauf, mindestens die Hälfte davon zu tragen. Chloe lachte wieder und gerade als sie aufstehen wollte war sie seinem Gesicht so schrecklich nahe. Und dann, dann berührten das erste Mal, verstohlen und schüchtern, die Lippen eines Jungens die Lippen von Chloe Cadence.
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Die Soldatin
FantasyMisstrauisch blickte Mar aus dem Fenster. Ihr Atem schlug an das kalte Glas. Ruckartig zog sie die Vorhänge zu. „Okay, pass auf. Ich erzähle es dir einmal und dann nie wieder, verstanden?“ Hailey nickte. „Wir wurden her gebracht um zu kämpfen.“ Verw...
