Bedauernd schüttelte der Hamster den Kopf. Sie öffnete den Mund um etwas zu sagen, schloss ihn dann aber nach einigen wenigen Sekunden, in denen sie nicht besonders intelligent ausgesehen hatte. Ein weiteres Kopfschütteln folgte. Als wäre zu nichts anderem fähig. Für einen Moment kam sie sich vor wie ein minderbemittelter Primat. Und selbst die schienen in dem Moment mehr Geist als sie zu haben. Und der Arzt, der ihr gegenüber stand, schien diese Meinung zu teilen.
„Aber es wäre doch so viel einfacher ihn zu beseitigen. Er macht Probleme. Er lässt sich nicht behandeln. Diese ganze verdammte Bagage lässt sich nicht mehr behandeln.“
„Ich werde ihn nicht operieren. Ich werde ihn auch nicht töten. Der Krieg kommt früh genug und es wird ohnehin genug Opfer geben.“, antwortete der Arzt verbissen.
„Und das Mädchen? Was ist mit ihr? Das war in Ordnung?“
„Ihr Tod war zweckgebunden.“, meinte der Arzt nüchtern.
„Zweckgebunden.“, wiederholte der Hamster zischend. Ihr Ton war voller eisiger Verachtung.
„Und Ginger? War ihr Tod auch zweckgebunden?“
„Ginger hat zu viele Fehler gemacht. Ginger hat uns beinahe verraten.“, argumentierte er.
„Und der Junge wird es auch tun. Davon können wir ausgehen.“
„Dann ist es nicht unsere Aufgabe über sein Leben zu entscheiden.“
„Ach ja, stimmt, das haben wir ja auch schließlich noch nie getan.“, fauchte der Hamster.
„Was möchtest du von mir hören, Ruthy? Du möchtest ihn verschwinden lassen. Gut, aber lass uns warten, bis auch die Offiziere das möchten. Entweder sie töten ihn, er stirbt im Kampf oder er kommt tragischerweise bei einem Unfall ums Leben. Aber er wird nicht bei meiner Operation sterben, die dazu auch noch völlig unnötig wäre.“
„Unnötig.“
Sie spuckte ihm jede einzelne Silbe vor die Füße und erwartete, dass er zurück wich, doch er tat es nicht. Er hielt ihren Blick stand. Sie löste sich und drehte ab.
„Wo willst du hin?“, rief er ihr hinter her, obwohl das unnötig war. Schließlich war sie noch immer nur wenige Meter von ihm entfernt. Sie hielt inne, kehrte ihm aber weiterhin den Rücken zu.
„Ihn entlassen.“
„Verbinde seinen Fuß nochmal neu.“
Sie nickte langsam. Allmählich drehte sie ihren Kopf nochmal zu ihm.
„Und eins noch. Sag nie wieder meinen Namen. Du weißt, das ist gegen die Forschriften.“
Ohne seine Reaktion abzuwarten, verschwand sie.
Lauren hatte nicht lange geschlafen diese Nacht und gegen jedes Klischee weckte ihn der draußen wütende Schneesturm. Gott, wie sollten sie nur jemals im Freien trainieren können, wenn da jeden Tag aufs Neue die Erde der Apokalypse nahe schien? Sie mussten sich doch vorbereiten, vorbereiten zu kämpfen. Egal gegen wen. Sie würden kämpfen müssen. Ein nicht durch Klopfen angekündigtes Eintreten des fetten Hamsters schreckte ihn auf.
„Können Sie sich nicht irgendwie vorher bemerkbar machen?“
„Ach kommen Sie, jetzt heulen Sie nicht rum.“
Lauren zog die Augenbrauen hoch. Was zur Hölle hatte die denn aus dem Bett gejagt? Schlechter Sex?Sie werkelte an ihm herum und riss die Decke beiseite. Er war froh, eine lange Boxershort anzuhaben und keine kurze. Er wollte sich gar nicht erst vorstellen, was sonst passiert wäre.
„Kann man Ihnen irgendwie behilflich sein?“, meckerte Lauren.
„Halten Sie einfach die Klappe.“
Perplex beobachtete er den Hamster, wie er den Stützverband löste, eine Salbe wenig sanft einrieb und einen neuen Verband anlegte. Entnervt ging sie nochmal aus dem Zimmer und holte ein Paar Krücken.
„Sie dürfen gehen!“
„Wissen Sie, wenn Sie das sagen, hört sich das an wie 'Verpiss dich oder stirb'.“
Wie richtig er damit lag, war ihm noch nicht mal bewusst, denn der Hamster ließ das unkommentiert, zog ihn hoch und drückte ihm die Krücken in die Hand.
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Die Soldatin
FantasyMisstrauisch blickte Mar aus dem Fenster. Ihr Atem schlug an das kalte Glas. Ruckartig zog sie die Vorhänge zu. „Okay, pass auf. Ich erzähle es dir einmal und dann nie wieder, verstanden?“ Hailey nickte. „Wir wurden her gebracht um zu kämpfen.“ Verw...
