Die Sonne war dabei unterzugehen, als Adam und Lauren das Training beendeten und früher als eigentlich geplant zurück zum Internatsgebäude gingen. Der Schnee beruhigte sich langsam und Lauren blinzelte in den Horizont. Adam kicherte leise. „Hör endlich auf zu lachen, man!“, meckerte Lauren, denn sein Kumpel fand seine Schwärmerei gegenüber Chloe immer noch höchst amüsant. „Sag mir lieber was ich machen soll.“ Adam verschluckte sich vor Lachen und musste stehen bleiben. Die Hände auf die Oberschenkel gestützt kippte er fast um. „Sory, hab ne Schneeflocke eingeatmet.“, prustete er. Langsam fasste er sich wieder und atmete tief durch. „Wie war das denn bei dir und Hailey?“, fragte Lauren, da Adam immer noch unfähig war auf seine letzte Frage zu reagieren. Da wurde Adam plötzlich still und ein kleines Glänzen in seinen Augen breitete sich aus bis er wie eine Glühbirne strahlte. „Das ist einfach passiert.“, meinte er dann schüchtern und senkte den Blick. Er wollte nicht unbedingt erzählen, dass Hailey und er sich das erste Mal geküsst hatten als sie emotional völlig fertig und verzweifelt war. Und somit grinste er nur. „Ich war für sie da als sie mich gebraucht hat.“, sagte er damit zusammenfassend. Lauren half das nicht wirklich weiter und so schüttelte er mürrisch den Kopf. „Du machst das schon!“, feixte Adam wieder und bog in den Mädchengang ein. „Wo willst du hin?“, rief Lauren ihm hinter her. „Na zu wem wohl.“, lächelte Adam und ein warmes Gefühl breitete sich unter seiner starken Brust auf. Ohne zu klopfen öffnete er Hailey‘ s Zimmertür, doch nur Dunkelheit empfing ihn. Wo war sie? Sie konnte doch unmöglich noch beim Friedhof sein. Draußen toste zwar kein Wind mehr, doch es war bitterkalt. Plötzlich rannte jemand in seinen Rücken. „Adam? Wir haben Sie schon gesucht!“ Als Adam sich umdrehte sah er herab in das dickliche Gesicht der Krankenschwester. „Wieso? Was ist los?“ Unbehagen machte sich breit. „Hailey Rose, sie hatte einen kleinen Schwächeanfall und ist zusammengebrochen.“ Adam‘ s Augen weiteten sich. „Bitte was?“ Seine Stimme war lauter als gewollt und mit dieser Frage hatte er keinesfalls die Absicht mitzuteilen, dass er die Schwester akustisch nicht verstanden hatte, sondern er wollte ihr die Chance geben das Gesagte zu verbessern. Denn Adam glaubte ihr kein Wort. „Kommen Sie, ich bringen Sie zu ihr.“ Auf dem Weg zur Station versuchte Adam immer wieder nachzuhaken, doch die Schwester blockte alles ab und irgendwann gab Adam es auf. Er wollte sich jetzt nicht um so etwas Unwesentliches kümmern, denn sie waren endlich da und die Schwester öffnete die Tür zu seiner schlafenden Schönen.
Orientierungslos kam Hailey wieder zu sich. Wo zur Hölle war sie? Stöhnend erkannte sie das ihr vertraute Krankenzimmer und fragte sich, was ihr jetzt schon wieder Dummes passiert war? Prüfend bewegte sie ihre Arme und Beine und stellte erleichtert fest, dass sie sich nicht ganz ausversehen die Extremitäten abgetrennt oder dergleichen hatte. Schien wohl etwas anderes zu sein. „Babe!“ Sie lächelte. Und ehe sie etwas anderes tun konnte griff sie in die Richtung aus der Adam‘ s Stimme kam und zog ihn zu sich heran. Seine Lippen kitzelten ihre und langsam realisierte sie, wie sich ein dumpfer Schmerz in ihrem Kopf ausbreitete. Und mit dem Gorilla in ihrem Kopf kam auch alles zurück was ihr für wenige Sekunden verschwunden schien. Sie erinnerte sich. An den Friedhof, an die blonde Frau, an den Springbrunnen und dann? Nichts. Sie musste aus irgendeinem Grund das Bewusstsein verloren haben. Doch sie hatte sich doch gut gefühlt. Warum also diese Nebelschwaden um ihr Gehirn? Der Schmerzensschrei der Blonden schwirrte immer noch in ihrem Kopf und sie konnte sich erinnern, dass die Frau sich an der Hand verletzt hatte. Und dass sie diesen mysteriösen Springbrunnen völlig Harry-Potter-mäßig öffnen konnte und von ihm verschluckt wurde. Das war‘ s. Und genau das erzählte sie nun Adam ohne Warnung und ohne jegliche Vorankündigung. Adam musste ihr einfach glauben. Als sie beendet hatte sah sie tiefe Falten auf seiner Stirn. Diese Art von „Was-du-da-gerade-sagst-ist-völliger-Mist“ – Falten. Doch irgendwo in seinen Augen sah sie auch eine Spur Zweifel. „Du hast eine Gehirnerschütterung Babe. Es ist ganz normal, dass du so durch den Wind bist.“ Doch Hailey stöhnte nur genervt auf. „Jetzt glaub mir doch bitte.“ Und noch ehe sie weiter diskutieren konnten kam der Hamster ins Zimmer und verkündete, dass Hailey auch wieder auf ihr Zimmer dürfte wenn sie sich dort wohler fühle. Auch wenn sie strikte Bettruhe verschrieben bekam und ihre Genesungszeit sich damit noch mehr in die Länge zog. Doch Hailey war es nur lieb von hier weg zu kommen. Sie traute diesen Psychos einfach nicht. Falsch lächelnd nahm sie die „Schmerztabletten“ der Schwester entgegen und ließ sich von Adam aufhelfen. Der grinste sie schelmisch an, als sie feststellte, dass sie nur noch Unterwäsche anhatte. „Jetzt tu nicht so als würdest du das nicht kennen.“, spottete sie und er schob sie in Richtung eines Rollstuhls. „Muss das sein?“, nörgelte sie. „Oh ja!“, lachte er und warf ihr eine Decke zu. Die ruckartige Bewegung beim Auffangen ließ sie erzittern und eine starke Übelkeit rauschte durch sie hindurch. Adam kniete sich zu ihr nieder und ergriff ihre Hand. „Hey, Hailey, sieh mich an!“ Er drückte ihre Finger sanft zusammen. Seine Berührung ließ ihre taumelnden Flüge wieder in ein leichtes Schweben verfallen und sie konzentrierte sich. „Ist dir schlecht?“ Sie unterdrückte den Drang sich zu übergeben und atmete ein. „Geht wieder!“, murmelte sie doch die Besorgnis wich nicht aus Adam‘ s Augen. Sie musste lächeln. Seine sandfarbenen Haare fielen ihm wirr in die Stirn und seine Augen wanderten zwischen ihren Irden hin und her. Als er sich sicher war, dass es ihr wirklich besser ging, stand er auf und schob sie hinaus. Er wusste, dass diese Nacht alles andere als angenehm für seine Liebste werden würde und er schwor sich selbst, bei ihr zu bleiben und über sie zu wachen. Das hatte er schon lange versprochen. Und er würde sein Versprechen halten. Hailey fand langsam wieder zu sich und bemerkte, wie die Station an ihr vorbei rauschte. Als sie jedoch an einer offenen Tür vorbei kamen klemmte sie reflexartig die Hände zwischen die Speichen des Rollstuhls. Ihre aufreißende Haut bemerkte sie gar nicht. Ihre Aufmerksamkeit galt der blonden Frau, die ihr die rechte Seite zugewandt auf einem Behandlungstisch saß und sich vom Hamster die Hand eingipsen ließ. „Adam, Adam das ist sie.“, keuchte sie und diesmal hielt sie nichts mehr, als sie auf den kalten Linoleumboden kotzte.
„Sie war es, Adam! Sie war es wirklich.“, weinte Hailey leise. Adam hatte sie in sein Zimmer gebracht nachdem sie wieder klar bei Sinnen war und ihre blutende Haut gereinigt und verbunden wurde. Bis jetzt hatte sie allerdings nicht aufgehört unentwegt zu schluchzen und er, er löste sein Versprechen ein. Sie lag in seinen Armen auf seinem Bett und ihre brennenden Wangen drückten sich gegen seine Brust. Sein Shirt war mittlerweile durchnässt, doch das störte ihn nicht. Hailey glühte förmlich und als sie langsam einschlief küsste er sie auf den Scheitel und hoffte für nur einen Moment, dass sich seine Ahnung über die kommende Nacht nicht erfüllen würde. Dass sich dieser Wunsch nicht erfüllen konnte, würde er nur Stunden später realisieren müssen.
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Die Soldatin
FantasyMisstrauisch blickte Mar aus dem Fenster. Ihr Atem schlug an das kalte Glas. Ruckartig zog sie die Vorhänge zu. „Okay, pass auf. Ich erzähle es dir einmal und dann nie wieder, verstanden?“ Hailey nickte. „Wir wurden her gebracht um zu kämpfen.“ Verw...
