Kapitel 53

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Amelia war gerade auf dem Weg zum Mittagessen, als ihr eine völlig aufgedrehte Chloe entgegen kam. „Amm, hast du kurz Zeit?“, keuchte sie und stützte ihre Hände auf die Oberschenkel. So durch den Wind kannte Amelia sie gar nicht und erst Recht nicht so aus der Puste. „Klar, was gibt’s? Musst du nicht zum Mittagessen?“ Chloe richtete sich wieder auf. „Glaub mir, gibt gerade echt Wichtigeres als Essen.“, murmelte sie und lief Richtung Jungentrakt. „Chloe, was wollen wir bei den Jungs?“, fragte Amelia. „Vertrau mir Amelia. Es ist echt wichtig.“, meinte sie und wurde noch schneller. „Ist was mit Adam?“, fragte die Betreuerin. „So ähnlich.“ Und schon waren sie am Zimmer angelangt und Chloe öffnete die Tür. Amelia blinzelte mehrmals, die Rollos waren zugezogen und sie konnte nur wenig erkennen. Chloe schaltete ein Nachtlicht an und Amelia erkannte Lauren Lie, der auf dem Bett saß. Sie erschrak, als sie die Blessuren erkannte. „Gott Lauren, was ist passiert?“ Der schien wenig begeistert, dass Amelia sich so aufregte und verschränkte die Arme. Amelia trat zu ihm und begutachtete ihn genau. Eine große Platzwunde an seiner Stirn sprang ihr sofort ins Auge. Der Rest bestand aus blauen Flecken und augenscheinlichen Prellungen. „Warum zur Hölle bist du hier und nicht auf der Krankenstation?“ Chloe grinste. „Was habe ich gesagt.“, stichelte sie. „Abmarsch!“, ordnete Amelia an und wies auf die Tür. Sofort war Chloe zur Stelle und legte ihren um Lauren‘ s Hüfte. „Er hat sich am Fuß verletzt.“, informierte sie Amelia. Die riss empört die Augen auf. „Ihr habt sie ja nicht mehr alle.“, murmelte sie und trat an Lauren‘ s andere Seite. Der legte höchst widerwillig seine Arme um die Schultern der beiden und ließ sich halb stützen und halb tragen. „Das muss echt nicht sein.“, murrte er beleidigt. „Du hast dich drauf eingelassen.“, feixte Chloe. „Auf was?“ Lauren runzelte die Stirn. „Na auf den Deal.“ Sie kamen nur sehr langsam voran. „Was für ein Deal? Das war nicht mal ein Vorschlag. Das war gar nichts.“, meckerte Lauren. „Aber es ist zu deinem Besten also hör auf zu heulen.“, lachte Chloe und endlich hatten sie die Station erreicht. Eine Schwester die gerade aus einem Patientenzimmer kam musterte sie von oben bis unten. „Wer hat Sie denn verprügelt?“, fragte sie. „Niemand.“, knurrte Lauren. Die Schwester schüttelte den Kopf und ihre dicken Backen klatschten dabei immer wieder aneinander. „Kommen Sie gleich mal mit.“ „Ich werde hier nicht einziehen.“, protestierte Lauren. „Wir werden sehen.“, meinte die Schwester wissend und führte sie in ein Behandlungszimmer. „Setzen!“, forderte sie und Chloe und Amelia halfen Lauren auf die Behandlungsliege. Dramatisch zog sie ihre sterilen Handschuhe an und ging dann zu Lauren. „Das da“, sie deutete auf die Wunde am Kopf „muss ich einem Arzt zeigen. Vielleicht ist der Schädel darunter angebrochen.“ Lauren schüttelte den Kopf. „So schlimm ist es nicht.“ Die Schwester zog die Augenbrauen hoch. „Das entscheiden wir.“, meinte sie und verließ das Zimmer. Gefolgt von einem Arzt kam sie wieder. „Hey, mein Name ist Lauren Lie.“, murmelte Lauren und reichte dem Arzt seine Hand. Der musterte ihn verwirrt. „Da hat sich wohl jemand den Kopf angestoßen.“, meinte er dann. „Wie heißen Sie denn?“, fragte Lauren, doch der Arzt antwortete nicht darauf und begutachtete sofort die Platzwunde. „Ich denke nicht, dass etwas gebrochen ist, aber zur Sicherheit machen wir lieber ein MRT.“ Genervt stöhnte Lauren auf. Unter dieser Röntgenmethode verstand er stundenlanges Stillliegen in einer viel zu engen Röhre. Daher war er verblüfft, als die Schwester dem Arzt einen silbernen Kasten gab, der einem Fotoapparat glich. Man visierte die Wunde an und ein kleines Klicken war zu hören. „Was war das denn jetzt bitte?“, fragte Lauren. „Das MRT. Wir leben im Jahr 3029 Lauren, vergessen Sie das nicht!“ Lauren schüttelte gleichgültig den Kopf und zuckte zusammen als er ein Rattern hörte. Aus einer Art Drucker neben der Liege kam ein Bild heraus gefahren und der Arzt betrachtete es eingehend. Chloe und Amelia runzelten ebenfalls die Stirn und Lauren strafte Chloe mit einem vernichtenden „Du-bist-Schuld“-Blick. Sie zuckte mit den Schultern und legte den Kopf schief und verbot Lauren‘ s Unterbewusstsein damit, sauer zu sein. „Wie sieht es mit Ihrer Tetanus-Impfung aus?“, fragte der Arzt während er sich mit der Schwester beriet. „Weiß nicht. Wir leben im Jahr 3029, vergessen Sie das nicht.“, maulte Lauren. Der Arzt lächelte leicht. „Am Knochen ist alles in Ordnung, aber wir werden Ihren Impfschutz zur Sicherheit auffrischen.“, meinte er. „Mit einer Spritze nehme ich an.“, antwortete Lauren trocken. „In der Tat.“ Lauren schüttelte den Kopf. „Dann nein.“ „Wie nein?“ „Ich werde mich nicht mit irgendwas spritzen lassen, wovon ich keine Ahnung habe.“ „Sie können an Tetanus erkranken.“ „Ich kann an einer Überdosis Drogen sterben.“ Der Arzt öffnete den Mund, schien aber so geplättet, dass er ihn ohne etwas zu sagen wieder schloss. „Nun gut, ich kann Sie zu nichts zwingen.“, schwafelte er diskret und sogar etwas zickig. Im Schnelldurchlauf widmete er sich dann den blauen Flecken, konnte aber außer einigen Stauchungen und Prellungen nichts Ernsteres finden. Dann sah er sich Lauren‘ s Knöchel an. Und wieder kam die Kamera alias MRT 3029 zum Einsatz. „Die Schwellung ist relativ stark.“, murmelte er und betrachtete das Röntgenbild. „Bänderriss. Wir beobachten das bis morgen und entscheiden dann, ob ein operativer Eingriff nötig ist.“, stellte er dann nüchtern fest. „Operawas?“, rutschte es Lauren raus. „Operation. Ein chirurgischer Eingriff mithilfe von medizinischen Instrumenten.“ Lauren verdrehte abermals die Augen. „Ich weiß was eine OP ist verdammt.“ Chloe trat zu ihm und nahm seine Hand. „Dann ist ja alles geklärt. Die Schwester wird die Platzwunde verbinden und Ihren Knöchel schienen. Ein Zimmer dürfte ja noch frei sein.“, lächelte der Arzt und Lauren hätte ihm gerne die Zähne ausgeschlagen, doch Chloe hielt ihn zurück. Schade, äußerst schade.

Die SoldatinWo Geschichten leben. Entdecke jetzt