Kapitel 58

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Ich sah Enzo mit brennendem Zorn in den Augen an, spürte das Adrenalin in meinen Adern pochen, als ich seine Reaktion beobachtete. Sein Gesicht lief rot an, ein tiefer, ungesunder Rotton, der von seinem Hals bis in seine Schläfen kroch. Die Adern an seiner Stirn und seinem Hals pulsierten heftig, als ob sein Körper versuchte, die brodelnde Wut in ihm irgendwie zu kompensieren. Sein Atem wurde immer schneller, unregelmäßiger, und dann, in einer plötzlichen Bewegung, griff er nach meinem heruntergezogenen Kleid. Seine Finger umklammerten den Stoff fest, fast so, als würde er ihn zerreißen wollen, und riss ihn mit einer brutalen Bewegung wieder nach oben. Der Ruck war so stark, dass mein Körper hart gegen seinen gedrückt wurde. Ich spürte seinen rasenden Atem auf meiner Haut, heiß und unkontrolliert.

„Du... du hast es gewagt, dich vor anderen im BH zu zeigen. In einer verdammten Bar..", stieß er hervor, seine Stimme überschlug sich vor ungebändigter Wut. Er musste immer wieder neu ansetzen, weil ihm die Worte zu entgleiten drohten. Es war, als ob er sich selbst nicht mehr unter Kontrolle hatte, und ich spürte die Bedrohung in jedem einzelnen seiner Worte, in der Spannung seines Körpers, der sich wie eine gespannte Feder gegen mich drückte.

Ich biss die Zähne zusammen und zwang mich, die Furcht zu ignorieren, die in mir aufstieg.
„Ich zeige mich auch komplett nackt, wenn ich das möchte, Henington", zischte ich zurück und riss mich mit aller Kraft aus seinem Griff los. Der Abstand zwischen uns war nur minimal, aber ich spürte, wie die Luft plötzlich wieder in meine Lungen strömte, obwohl sie immer noch schwer von der Spannung zwischen uns war.

Enzo taumelte einen halben Schritt zurück, aber seine Augen verengten sich, sein Blick wanderte zu dem Tisch, an dem ich eben noch mit Aaron gesessen und gelacht hatte. Sein Blick blieb an den Gänseblümchen hängen, die Aaron mir gepflückt hatte, und ich sah, wie sich seine Gesichtszüge verhärteten. Für einen kurzen Moment empfand ich Mitleid, als seine Lippen sich verzogen, fast so, als wolle er etwas sagen, aber keine Worte fanden den Weg über seine Lippen.

„Gänseblümchen also, huh?" Seine Stimme zitterte, sie war voller unterdrückter Emotionen, die kurz davor waren, überzulaufen.

Seine Augen glitten über meinen Körper, als ob er mich neu sehen würde, als ob er etwas entdeckt hätte, das er nie für möglich gehalten hatte. „So hast du noch nie gelacht." Seine Stimme wurde leiser, als er auf die Blumen starrte, als würde er mit sich selbst reden, als hätte er gerade eine bittere Erkenntnis gewonnen. „So hast du noch nie mit mir gelacht."

Er schien in eine Art Trance gefallen zu sein, seine Gedanken zogen ihn fort von der Realität. Seine Augen blieben wie gefangen an den Blumen, als wären sie das Symbol für alles, was er verloren hatte. Doch dann nickte er plötzlich, wie jemand, der eine unausweichliche Entscheidung getroffen hatte. Die Veränderung in ihm war greifbar, wie ein Sturm, der sich in seinen Augen formte, und ich spürte, wie mir der Atem stockte.

„Dein bester Freund also, huh?" Seine Augen fanden wieder zu mir zurück, und in seinem Blick lag etwas, das ich nicht deuten konnte. Eine seltsame Mischung aus Enttäuschung, Wut und etwas, das fast wie Schmerz aussah. Doch es war dunkel, bedrohlich, ein Abgrund, den ich nicht betreten wollte.

„Genau. Mein bester Freund, dem du nichts tun wirst", erwiderte ich mit bebender Stimme. Ich bemühte mich, die Stärke in meiner Stimme zu halten, obwohl ich innerlich noch zitterte. Für einen Moment flackerte etwas wie Mitleid in mir auf, als ich ihn so vor mir stehen sah, als ob er in sich selbst zusammenbrechen würde. Doch dann erinnerte ich mich an Svetlana – an die Bilder, die sich in meinem Kopf eingenistet hatten, von den Stunden, die er vermutlich mit ihr verbracht hatte, während ich auf ihn gewartet hatte. Mein Blick wurde kalt, mein Herz verhärtete sich erneut.

„Ich werde bis zur Gala nicht mehr bei dir wohnen, Enzo," sagte ich, und meine Stimme war jetzt klar und entschlossen, so sehr, dass ich selbst davon überrascht war. „Ich brauche Abstand von dir, und dir würde das ebenfalls guttun. Du solltest über dein Verhalten nachdenken und dich selbst einmal reflektieren. Du sagst immer, dass Hochbegabt seist, dann fang doch mal damit an, dich zu fragen, ob dein Verhalten mir gegenüber gerecht ist." Meine Worte schnitten wie Messer durch die Stille, ich sah, wie sie ihn trafen, wie er für einen Moment ungläubig blinzelte, als könnte er nicht glauben, dass ich das tatsächlich sagte.

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