E n z o H e n i n g t o n
Der sterile Geruch von Desinfektionsmittel brannte in meiner Nase, doch er verblasste gegen den metallischen Gestank von getrocknetem Blut, der sich in den Wänden dieses verdammten Raumes festgesetzt hatte. Mein Herz hämmerte in einem Tempo, das mich fast in den Wahnsinn trieb, während meine Augen auf den Arzt vor mir fixiert blieben.
„Und?" Meine Stimme klang rau, ungeduldig, voller unterdrückter Wut und Angst. „Wie sind die Ergebnisse ausgefallen?"
Der Arzt räusperte sich, seine Miene professionell, aber ich erkannte das Zögern in seinen Augen. Er wusste genau, dass ein einziges falsches Wort hier sein Todesurteil sein konnte.
„Keine Spermienspuren oder Anzeichen einer Vergewaltigung, Mr. Henington." Sein Blick huschte nervös zu Aurora, die reglos auf dem Bett lag. „Bis auf die körperlichen Verletzungen, die ihr zugefügt wurden, natürlich."
Meine Lunge zog sich zusammen, als ob jemand mit bloßen Händen mein Herz umklammerte und es mit aller Kraft zusammendrückte.
Montesa hatte sie nicht vergewaltigt.
Ein kurzer Moment der Erleichterung flackerte in meiner Brust auf – doch es reichte nicht. Es würde nie reichen. Denn er hatte sie trotzdem berührt. Er hatte es gewagt, seine dreckigen Finger an den reinsten Engel dieser verdammten Welt zu legen.
An meine Frau.
Mein Blick wurde dunkel. „Sie können gehen." Meine Stimme war messerscharf, mein Nicken kaum mehr als ein Befehl. Der Arzt zögerte nicht, er verließ das Krankenzimmer so schnell, als hätte er Angst, dass ich es mir anders überlegen könnte.
Stille.
Nur das leise Piepen des Monitors neben ihrem Bett, das mich daran erinnerte, dass sie noch atmete. Dass sie noch hier war.
Ich senkte den Blick auf ihre Hand, die viel zu klein in meiner wirkte. Blass. Kalt. Zerbrechlich. Meine Finger zitterten, als ich ihre umschloss und mit beiden Händen festhielt – als könnte ich sie allein durch meine Berührung alles vergessen lassen. Als könnte ich den Schmerz aus ihrem Körper reißen und auf mich nehmen.
Mein Kiefer mahlte, meine Muskeln waren so angespannt, dass es wehtat. Ich schloss die Augen, kämpfte gegen die Wut, die mich innerlich zerfraß, gegen das Verlangen, hinauszustürmen und diesen Bastard mit meinen bloßen Händen zu zerfetzen.
Stattdessen beugte ich mich zu ihr, meine Stirn berührte sanft ihre und meine Lippen fanden den Weg zu ihrer Schläfe. Mein Atem zitterte, als ich gegen ihre kühle Haut flüsterte:
„Te amo, mi vida. Si pudiera, cargaría con todo tu dolor y tu miedo", flüsterte ich, dass ich sie liebe und dass ich all ihren Schmerz und ihre Angst auf mich nehmen würde, wenn ich nur könnte.
Doch das konnte ich nicht.
Und das machte mich wahnsinnig.
-
„Wo ist sie?! Wo ist meine beste Freundin?! Sagen Sie mir sofort, wo Aurora Lopez ist!"
Das laute, verzweifelte Schreien hallte durch den Krankenhausflur und ließ meine Augen augenblicklich aufreißen. Ich brauchte einen Moment, um mich zu orientieren – um zu begreifen, dass ich auf dem Stuhl neben Auroras Krankenbett eingeschlafen war. Der erste Schlaf seit Tagen. Mein Körper fühlte sich schwer und steif an, jeder Muskel schmerzte, doch das spielte keine Rolle. Mein Blick wanderte sofort zu Aurora. Sie lag noch immer dort, ihre Gesichtszüge entspannt, ihr Atem ruhig. Zum ersten Mal seit Stunden sah sie nicht mehr so blass aus.
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Dark Passion
RomansEnzo Henington ist der beste Soldat seiner Delta Force-Einheit. Mit 28 Jahren hat er sich durch seine außergewöhnlichen Fähigkeiten im Kampf und seine unerschütterliche Disziplin den Respekt aller erarbeitet. Eiskalt, unberechenbar und ernst - so ke...
