Enzo Henington
Ihr Duft hing noch immer im Apartment. Warm, süß und unverkennbar nach ihr, als hätte sie selbst beschlossen, einen Teil von sich hierzulassen. Er klebte an den Wänden, an der Couch, an meinem Shirt. Und genau dieser Duft war es, der mich rastlos durch die Küche laufen ließ, Schritt für Schritt, immer wieder dieselben Bahnen.
Ich zwang mich, ruhig zu atmen. Rational zu bleiben. Ich hatte ihren Standort. Jederzeit. Jede Bewegung. Jede Straße. Jede verdammte Kamera dieser Stadt stand unter meiner Kontrolle. New York war ein offenes Buch für mich. Ich wusste genau, wo sie war, mit wem sie unterwegs war, wie schnell sie fuhren. Und trotzdem brannte diese Unruhe in mir wie Gift in den Adern.
Ich wollte sie bei mir haben. Immer. Tag und Nacht. Ich wollte sie sehen, hören, fühlen. Ich wollte, dass sie in meiner Reichweite blieb, dort, wo ich sicherstellen konnte, dass ihr nichts geschah. Und ja, ein Teil von mir wollte sie an mich fesseln, sie nie wieder loslassen. Doch sie gehörte nicht in Ketten. Zumindest nicht außerhalb von unserem Schlafzimmer.
Nur wenn sie da war, wurde es still in mir. Nur dann hörte dieses permanente Dröhnen auf, dieses Gefühl, als würde etwas Entscheidendes fehlen. Sobald sie außer Reichweite war, begann mein Körper zu reagieren, als stünde ich unter Strom.
Diese Frau hatte mich vollständig in ihren Bann gezogen. Ohne Mühe. Ohne es zu wollen. Und bald würde sie meinen Nachnamen tragen. Bald würde sie offiziell zu mir gehören. Und dann... dann würde ich sie schwä...
Der Gedanke wurde jäh unterbrochen.
Ein lautes, hartes Klopfen an der Haustür zerriss die Stille.
Mein Körper reagierte schneller als mein Verstand. Instinktiv griff meine Hand an den Hosenbund, umfasste den kalten Griff meiner Waffe. Mein Herzschlag verlangsamte sich, mein Blick wurde scharf. Ich bewegte mich lautlos zur Tür, jeder Muskel angespannt.
Wer auch immer das war, er kam unangekündigt. Und das bedeutete nichts Gutes.
Verwirrt warf ich einen Blick auf den Monitor. Aurora und Lucia waren noch unterwegs. Das Bild zeigte sie klar. In Bewegung. Außer Reichweite.
Ich erwartete niemanden.
Das Klopfen kam erneut. Fester. Fordernder.
Meine Finger schlossen sich enger um die Waffe, während ich vor der Tür stehen blieb. In meinem Kopf ratterten bereits alle Möglichkeiten.
Mit angespanntem Kiefer riss ich die Tür auf. Und in dem Moment, in dem ich in dieses viel zu breit grinsende Gesicht blickte, wusste ich, dass meine Geduld heute auf eine harte Probe gestellt werden würde.
Dean.
Er stand da, vollkommen ungeniert, mit einem selbstzufriedenen Grinsen im Gesicht. Und als wäre seine bloße Anwesenheit nicht schon schlimm genug, trug er allen Ernstes ein T-Shirt mit einem Bild von uns beiden. Ein Bild, das ganz offensichtlich gephotoshopt war. Wir nebeneinander, lachend, Arm in Arm. Und darüber in fetten Buchstaben: Best Friends.
Dieser Mann würde mich eines Tages noch ins Grab bringen.
„Was ist das?" Meine Stimme klang härter, als ich beabsichtigt hatte, doch ich konnte den Blick nicht von diesem verdammten Bild lösen. Mein Magen zog sich zusammen. Mierda. Wir sahen aus wie ein schwules Ehepaar auf einem kitschigen Souvenir aus dem Urlaub.
„Was ist was? Ach das?" Dean grinste breit, eindeutig viel zu stolz auf sich selbst. Dann tat er das Undenkbare. Er hob die Hand und strich mit den Fingern über mein gedrucktes Gesicht, direkt über die Wange.
Ich knurrte leise, angewidert, meine Kiefer mahlten so fest aufeinander, dass es fast schmerzte.
„Das ist mein Beste-Freunde-T-Shirt", verkündete er feierlich. „Jeder soll sehen, dass wir beste Freunde sind, Enzoline."
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Dark Passion
RomansaEnzo Henington ist der beste Soldat seiner Delta Force-Einheit. Mit 28 Jahren hat er sich durch seine außergewöhnlichen Fähigkeiten im Kampf und seine unerschütterliche Disziplin den Respekt aller erarbeitet. Eiskalt, unberechenbar und ernst - so ke...
