„Das kannst du nicht von mir verlangen!", meine Stimme hallte laut durch die kühlen, marmornen Wände des Büros meines Vaters, als ich ihn voller Wut anschrie. Die schweren Ledersessel und das massive Bücherregal hinter ihm wirkten plötzlich erdrückend – Symbole seiner Macht, die sich wie eine unsichtbare Kette um mich legten. Doch heute würde ich mich nicht fügen. Nicht dieses Mal.
„Beruhig dich, mein Liebling," sagte mein Vater mit einem aufgesetzten, geradezu lächerlich liebevollen Blick. Seine Stimme war süßlich, beinahe sarkastisch, als ob er meine Empörung nicht ernst nehmen würde. Es ließ mich vor Wut auflachen, doch das Lachen klang kalt und bitter in meinen Ohren. „Liebling?" zischte ich. „Du nennst mich Liebling, aber verkaufst deine einzige Tochter, dein einziges Kind, an irgendwelche Geschäftspartner, nur damit du noch erfolgreicher wirst?" Meine Stimme bebte, nicht vor Angst, sondern vor einem Zorn, den ich kaum noch zurückhalten konnte.
Ich spürte, wie sich Tränen in meinen Augen bildeten, doch ich blinzelte sie sofort weg. In den letzten Jahren hatte ich gelernt, meine Gefühle zu kontrollieren, mich gegen jeden Anflug von Schwäche zu wappnen. Und in diesem Moment war ich dafür dankbar – Schwäche konnte ich mir bei diesem Mann nicht leisten. Nicht bei meinem eigenen Vater.
„Mama hätte sich im Grab umgedreht, wenn sie das alles nur sehen könnte," fügte ich leise, aber bestimmt hinzu. Ich konnte den Schlag in seinem Gesicht sehen, als der Name meiner Mutter über meine Lippen kam. Seine Miene versteinerte, und der liebevolle Ausdruck verschwand in einer Sekunde. „Erwähne deine Mutter nicht!" brüllte er plötzlich, und sein Griff um das Whiskyglas in seiner Hand wurde unruhig, die Flüssigkeit schwappte fast über den Rand.
„Ich erwähne sie aber!" Meine Stimme wurde lauter, meine Wut kochte über. „Sie ist meine Mutter, und du hast kein Recht, mich wie eine Schachfigur in deinem dreckigen Spiel zu benutzen!"
Die Stille, die auf meine Worte folgte, war so intensiv, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Mein Vater sah mich an, als hätte ich ihn geschlagen. In seinen Augen blitzte Überraschung auf, gemischt mit Wut. Ich hatte in meinen zweiundzwanzig Jahren noch nie so mit ihm gesprochen. Kein Wunder, dass er geschockt war. Für ihn war ich immer das gehorsame Kind gewesen, das schweigend seinen Anweisungen folgte, nie widersprach und immer tat, was er von mir verlangte.
Doch mit dem heutigen Abend hatte er mir endgültig bewiesen, dass er mir einen Dolch in den Rücken gerammt hatte. Wie konnte man seinem eigenen Kind so in den Rücken fallen? Das letzte Fünkchen Hoffnung, dass mein Vater mich vielleicht doch lieben könnte, dass irgendwo tief in ihm ein Rest von väterlicher Fürsorge existierte – das war nun endgültig erloschen.
Sein Schweigen sprach Bände. Er hatte nichts zu sagen, weil es nichts zu verteidigen gab. Er war genauso kalt und manipulativ, wie ich es immer befürchtet hatte, aber nie ganz hatte glauben wollen. Und jetzt, wo der Schleier endgültig gefallen war, wusste ich, dass es keinen Weg zurück gab.
„Ich diskutiere nicht mehr darüber, Aurora." Die Stimme meines Vaters war hart, seine Geduld am Ende. „Nur durch die Sanchéz bin ich überhaupt so erfolgreich geworden. Es gibt in meiner Welt Vereinbarungen, an die man sich halten muss." Er nahm einen tiefen Schluck aus seinem Whiskyglas, als würde ihn der Alkohol vor der Realität schützen, die er mir gerade ins Gesicht schleuderte. „Er hatte einen Gefallen bei mir offen, und den hat er nun eingelöst. Woher sollte ich wissen, dass sein Sohn ein Auge auf dich geworfen hat, vor allem weil er weiß, dass du noch nie einen Mann in deinem Leben hattest."
Mein ganzer Körper erstarrte, als diese Worte aus seinem Mund kamen. „Woher weiß er das?" Meine Stimme war leise, aber jedes Wort triefte vor Misstrauen. „Woher weiß Fernando, dass ich angeblich noch nie einen Mann in meinem Leben hatte?"
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Dark Passion
Roman d'amourEnzo Henington ist der beste Soldat seiner Delta Force-Einheit. Mit 28 Jahren hat er sich durch seine außergewöhnlichen Fähigkeiten im Kampf und seine unerschütterliche Disziplin den Respekt aller erarbeitet. Eiskalt, unberechenbar und ernst - so ke...
