Kapitel 82

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Alle bitte Voten💗
Viel Spaß

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„Geht es dir gut, mi vida?" Enzos tiefe Stimme durchbrach die Stille, als wir die Wohnung betraten. Es war bereits das vierte Mal, dass er mich das fragte, seit wir von der Party weggefahren waren. Seine Augen – diese dunkelblauen, intensiven Augen – brannten sich in meine Seele. Sie waren nicht wie sonst. Etwas war anders. Etwas war zerstört.

„Mir geht es gut, Enzo," murmelte ich und ergriff seine Hand, zog ihn sanft mit mir zur Couch. Ich wusste, dass es nicht die Wahrheit war, weder für mich noch für ihn, aber ich wollte ihn nicht belasten. „Wie geht es dir?" Meine Stimme war leise, fast ein Flüstern, als ich ihn ansah. Seine Augen verrieten mir mehr, als Worte es je könnten. Er war nicht er selbst, und das ließ mich innerlich zerbrechen. Was auch immer er gesehen hatte, es musste etwas Unvorstellbares gewesen sein.

Er lehnte sich zurück, zog seine Krawatte ab und öffnete sein Hemdkragen, als hätte ihm der Stoff die Luft abgeschnürt. Sein Brustkorb hob und senkte sich schwer, während er mit dem Kiefer mahlte, sichtlich mit seinen Gedanken kämpfte.

„Es sind unzählige Mädchen und junge Frauen in einem Keller eingesperrt," begann er, und seine Stimme war so rau, dass sie sich wie ein Messer durch die Stille schnitt. Seine Worte trafen mich mit voller Wucht. Mein Herz raste, während ich ihn ansah, unfähig, etwas zu sagen. Bilder tauchten in meinem Kopf auf, so grausam und unfassbar, dass ich sie sofort wieder verdrängen wollte. Doch Enzo redete weiter.

„Die jüngsten waren gerade mal um die neun Jahre alt." Seine Hände fuhren verzweifelt über sein Gesicht, als wollte er die Bilder aus seinen Gedanken wischen. Mein Atem stockte, und ich konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten. Sie brannten in meinen Augen, heiß und unaufhaltsam. Doch ich schwieg, ließ ihm die Zeit, die er brauchte.

„Es waren bestimmt um die dreißig Mädchen und junge Frauen, nicht älter als neunzehn," fuhr er fort, und seine Stimme brach fast. „Unter ihnen war das Mädchen, das ich vor zwei Jahren in Afghanistan gerettet habe." Seine Augen fanden meine, und ich sah eine so tiefe, unendliche Schuld in seinem Blick, dass es mir den Boden unter den Füßen wegzog.

„Ich habe sie nicht beschützen können, Aurora," flüsterte er, seine Stimme kaum mehr als ein Hauch. „Ich bin der Grund, warum sie täglich von diesen Bastarden..." Er stockte, sein Kiefer mahlte, als könnte er das Wort nicht über seine Lippen bringen.

„Es ist nicht deine Schuld," brachte ich hervor, meine eigene Stimme zitterte. Ich zog ihn zu mir, legte meine Arme um ihn und drückte ihn an mich. „Es ist nicht deine Schuld, Enzo."

Und dann passierte es. Ich spürte, wie er nachgab. Sein ganzer Körper sank gegen meinen, und er klammerte sich an mich, als wäre ich seine einzige Rettung. Seine Arme schlangen sich fest um mich, so fest, dass ich kaum atmen konnte. Doch das war egal. Solange er sich bei mir fallen lassen konnte, solange er mir vertraute, war alles andere unwichtig.

„Das Leben dieser Mädchen ist für immer zerstört!" Seine Stimme brach, und ich fühlte, wie seine Wut und Verzweiflung sich in meinen eigenen Körper übertrugen. „Ich habe als Leiter versagt," fügte er hinzu, und der Schmerz in seinen Worten schnürte mir die Kehle zu.

Ich löste mich leicht von ihm, nur so weit, dass ich meine Hände um sein Gesicht legen konnte. Meine Daumen strichen sanft über seine Wangen, und ich zwang ihn, mich anzusehen. „Du bist nicht daran schuld, Enzo. Du kannst nicht die gesamte Welt retten," flüsterte ich, meine Stimme fester werdend, um ihn davon zu überzeugen.

Seine Augen – diese wunderschönen, stürmischen Augen – brannten sich in meine, und ich wusste, dass er kämpfte. Er kämpfte mit sich selbst, mit der Schuld, die er so tief in sich trug, mit dem unermesslichen Schmerz, den er nie wirklich zeigen konnte.

Dark PassionWo Geschichten leben. Entdecke jetzt