Kapitel 49

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„Enzoooo!" rief ich so laut, dass meine Stimme durch das riesige Apartment hallte. Ich wusste, dass er mich sonst nicht hören würde, das verdammte Penthouse war viel zu groß und ich konnte unmöglich den Herd verlassen, während der letzte Pancake in der Pfanne brutzelte. Es war mein Versuch, ihn zum Frühstück zu rufen, ohne dabei alles zu verbrennen.

Doch was danach passierte, ließ mein Herz einen Schlag aussetzen. Plötzlich hörte ich ein lautes Krachen – die Tür seines Zimmers schlug mit voller Wucht auf. Bevor ich mich überhaupt umdrehen konnte, stürmte Enzo in die Küche, nur in Boxershorts bekleidet, die Brust schwer atmend und – zu meinem Schock – mit einer Waffe in der Hand.

Meine Hände erstarrten, und das sanfte Zischen des Pancakes verblasste in der Bedeutungslosigkeit, als sich unsere Blicke trafen. Er stand da, total außer Atem, Schweißperlen auf seiner Stirn, sein Blick fixiert auf mich, als ob er nach Verletzungen suchte. Seine Augen huschten über meinen Körper, scannten jeden Zentimeter ab, und als er nichts fand, durchforstete er mit ebenso intensiver Konzentration die gesamte Küche. Es war, als würde er nach einer Bedrohung suchen, die nur er wahrnahm, als ob er bereit war, im nächsten Moment gegen unsichtbare Feinde anzutreten.

„Was ist passiert? Bist du verletzt?" Enzo stürmte auf mich zu, seine Augen dunkel vor Sorge, während er meine Handgelenke fest in seine großen, rauen Hände nahm. Er hob sie nah an sein Gesicht, als suche er fieberhaft nach einem Zeichen, dass mir etwas zugestoßen war. Sein Atem ging schwer, und mein Herz schlug schneller – nicht nur wegen seiner Nähe, sondern auch wegen der plötzlichen Erkenntnis, dass er sich tatsächlich Sorgen machte.

„Was ist passiert? Rede!" zischte er, seine Stimme voller Ungeduld und Panik, während er unruhig mit der Zunge schnalzte. Sein Blick brannte auf mir, als ob er die Antwort förmlich aus mir herausziehen wollte.

Ich schluckte hart, mein Mund plötzlich trocken, und brachte mit einem nervösen Lächeln heraus: „N-nichts... Ich wollte dich bloß zum Frühstück rufen." Die Worte kamen leise, fast zögernd, und in der Sekunde, in der sie fielen, sah ich, wie sich die Anspannung in seinem Körper löste. Sein Griff um meine Handgelenke lockerte sich, und sein Ausdruck wandelte sich von Panik zu Erleichterung.

„Mierda... du bringst mich noch um," murmelte er, seine Stimme jetzt kaum mehr als ein leises Grollen. Er ließ meine Hände los und trat einen Schritt zurück, die Waffe, die er immer noch hielt, schlaff an seiner Seite. Für einen Moment wirkte er so verletzlich, als hätte der bloße Gedanke, dass mir etwas passieren könnte, ihn aus dem Gleichgewicht gebracht.

Ich stand einfach da, starrte ihn an, mein Herz immer noch wild schlagend, während er sich weiter von mir entfernte. Der Adrenalinschub, der durch mich hindurchging, ließ mich nicht los, und das Bild von Enzo, der so schnell von purer Besorgnis zu seiner kühlen Fassade zurückkehrte, blieb tief in mir hängen. Es war, als wäre ich für einen Augenblick Zeugin eines Teils von ihm geworden, den er normalerweise nie zeigte.

„Wieso schreist du so laut nach meinem Namen, huh?" knurrte Enzo, seine Stimme tief und gefährlich, während er mich wütend ansah. Seine Augen funkelten vor Zorn, doch das ließ mich nur provokant lächeln. Ich spürte, wie meine Lippen sich zu einem frechen Grinsen verzogen, die Hitze zwischen uns in der Luft knisterte.

„Ich schreie eben gerne deinen Namen," erwiderte ich, meine Stimme leicht, aber durchtränkt von einer unterschwelligen Zweideutigkeit, die ich bewusst platzierte. Mein Grinsen wurde breiter, als ich sah, wie Enzo in der nächsten Sekunde erstarrte, sein Körper reglos, als würde er die Worte verarbeiten. Sein Blick wurde dunkler, schwerer, und ich spürte ein Kribbeln tief in meinem Unterleib, als unsere Augen sich erneut trafen. Der Raum schien sich mit einer Spannung zu füllen, die jeden Moment explodieren konnte.

Dark PassionWo Geschichten leben. Entdecke jetzt