Kapitel 90 🌊🦋

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Hört dabei bitte den Song: Kamnh - Speed Up...
Voten nicht vergessen🤍

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A u r o r a

Es geschah alles so schnell.

Grelles Licht zerschnitt die dunkle Nacht, tanzte gespenstisch zwischen den Bäumen, während lautes Gebrüll durch den Wald hallte. Dann – Schüsse. Unzählige, ohrenbetäubende Schüsse, die die Stille der Nacht zerfetzten. Die Luft roch nach Pulver, nach Angst, nach dem Ende.

Ich hörte Montesas heisere Stimme, sah, wie er fluchend aufsprang und nach seinen Männern schrie, während er sich in die Dunkelheit stürzte, doch es war zu spät.

Enzo war gekommen.

Ein unkontrollierbares Schluchzen schüttelte meinen geschundenen Körper, der Schmerz, der mich erfüllte, war erdrückend – und doch weinte ich nicht nur vor Qual, sondern vor Hoffnung. Hoffnung, die mit jedem Atemzug wuchs, weil er endlich hier war.

Dann bewegte sich etwas in meinem Blickfeld. Schattenhafte Gestalten stürmten auf mich zu, maskierte Männer, hochbewaffnet, in dunklen Delta-Force-Anzügen. Ihre Bewegungen waren schnell, präzise, aber ich erkannte sie nicht. Sie beugten sich über mich, streckten ihre Hände aus, um mich aus dieser Hölle zu befreien – doch bevor sie mich berühren konnten, erklang eine Stimme, die meine Welt einfrieren ließ.

„Keiner fasst sie an! Keiner!"

Mein gesamter Körper erstarrte. Mein Atem stockte, meine Brust zog sich schmerzhaft zusammen, als würde mein Herz in diesem Moment aufhören zu schlagen.

Diese Stimme...

Die Stimme, nach der ich geschrien hatte. Die Stimme, die mich durch meine dunkelsten Stunden begleitet hatte, selbst wenn sie nur in meinem Kopf existierte. Mein Herz setzte einen Schlag aus, dann noch einen. Ich war kurz davor, das Bewusstsein zu verlieren, aber ich zwang mich, nach vorne zu torkeln, mich aufzurichten, nach ihm zu suchen.

Und dann geschah es.

Hellblau traf auf Dunkelblau.

Unsere Blicke prallten mit der Kraft einer Explosion aufeinander. Ein stiller Aufschrei inmitten des Lärms, ein Moment, in dem die Welt den Atem anhielt.

Meine Lippen bebten, meine Sicht verschwamm durch einen Strom heißer Tränen, als ich erkannte, was geschah. Ich sah es. Ich sah, wie Enzo mich ansah – und wie eine einzelne Träne aus seinem Auge rollte.

Sein Gesicht war voller Schmerz. Voller Schuld. Schuld, die nicht ihm gehörte, die nie seine sein sollte. Und doch war sie da, fest in seinen Zügen eingraviert, als wäre sie sein eigenes Fleisch und Blut.

Sein Körper war wie erstarrt, sein Blick brannte sich in mich, analysierte jedes Detail, blieb an meinen Wunden haften, an den Spuren, die mir zugefügt worden waren. Ich sah, wie er unter seiner schweren Ausrüstung bebte, sah, wie seine Hände zitterten.

Und dann – mit einer unbändigen, rohen Intensität – rannte er.

Ich brach endgültig in Tränen aus, als ich sah, wie er auf mich zustürmte. Es war kein bloßes Rennen. Es war das verzweifelte, unaufhaltsame Streben eines Mannes, der nie wieder zu spät kommen wollte.

„Aurora."

Seine Stimme brach.

Mit einer einzigen Bewegung ließ er sich auf die Knie sinken, glitt zu mir hinunter und zog mich in seine Arme. Seine Wärme umfing mich, riss mich aus meiner Dunkelheit, ließ mich in ihm versinken.

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