Kapitel 85

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E n z o H e n i n g t o n


„Ist alles in Ordnung, Sir?"

„Sir? Geht es Ihnen gut?"

Die Stimme drang wie ein ferner Hall zu mir durch, dumpf, beinahe unwirklich. Ich konnte mich nicht bewegen. Mein Atem war flach, mein Körper wie erstarrt. Die Worte, die Aurora zu mir gesagt hatte, hallten in meinem Kopf wider, immer und immer wieder – ein grausamer, endloser Refrain.

Es war, als hätte sie ein Messer genommen und es direkt in meine Brust gerammt. Die Kälte in ihrem Blick, der pure Hass, der in ihrer Stimme mitgeschwungen hatte– es fühlte sich an, als würde meine Seele in tausend Stücke zerspringen. Meine Lungen zogen sich zusammen, mein Herz schlug unregelmäßig, mein Körper war wie gelähmt.

„Sir? Soll ich einen Krankenwagen rufen?"

Die Stimme des Mannes vor mir riss mich für einen kurzen Moment aus meiner Trance. Meine Augen, schwer und leer, trafen seinen Blick. Er sah besorgt aus, doch ich konnte seine Worte kaum verarbeiten.

„Ist nicht nötig," murmelte ich, meine Stimme kaum mehr als ein Flüstern. Ohne ein weiteres Wort wandte ich mich ab und schleppte mich ins Apartment zurück.

Kaum hatte ich die Tür geschlossen, umfing mich der süßliche Duft von ihr. Ihr Duft. Mein Blick glitt durch den Raum, in dem noch vor wenigen Stunden ihr Lachen widerhallte, ihre Anwesenheit die Luft erfüllt hatte. Jetzt war es still. Nur noch die Leere blieb – und die Erinnerung an ihre Worte.

Ich habe dich nie geliebt.

Mein Atem wurde schneller, schwerer. Meine Hände ballten sich zu Fäusten, bis meine Knöchel weiß hervortraten.

Ich ging ein paar Schritte in die Küche und lehnte mich gegen die Theke, mein Kopf gesenkt. Der süße Duft von Gänseblumen vermischte sich mit einer unaufhaltsamen Welle aus Wut, Schmerz und purer Verzweiflung.

Sie hat mich verlassen. Mich alleine gelassen.

Ich schlug mit der Faust auf die Theke, das Geräusch hallte durch das Apartment, doch es brachte keine Erleichterung. Nichts konnte das Gefühl lindern, das sich wie ein klaffendes Loch in meinem Inneren ausbreitete.

Ich schloss die Augen, zwang mich, tief einzuatmen, doch es war, als würde jede Faser meines Körpers rebellieren. Ihre Worte hallten immer wieder in meinem Kopf.

Ich habe dich nie geliebt.

„Wieso?," flüsterte ich leise, die Worte blieben mir fast im Hals stecken. Ich fuhr mir mit beiden Händen durch die Haare und versuchte, den Knoten in meiner Brust zu lösen, der mich erstickte. Doch es war vergebens.

Ich hatte wieder niemanden. Ich war wieder allein.

Minute um Minute versprich, in dem ich mich nicht rühren konnte und nicht verstand, was passiert war. Was das ausgelöst haben konnte. Es machte keinen Sinn. Es machte keinen Sinn, dass sie vorhin noch so glücklich schien und dann auf einmal so voller Hass. So langsam kam mein logisches Denken wieder hervor, als ich klarer Denken konnte. Irgendetwas muss vorgefallen sein. Mein Puls stieg an, mein Herz raste, als ich in Richtung meines Schlafzimmers lief und abrupt stehen blieb, als ich bemerkte, dass die Tür einen Spalt offen stand.

Mit rasendem Puls stiess ich die Tür komplett auf und erstarrte.

Mein Bett war verschoben, daneben lag meine Kiste, mit... mit den Dingen von Aurora.

Mein Kopf dröhnte, meine Gedanken rasten umher als ich versuchte eins und eins zusammenzuzählen. Wieso war Aurora in mein Zimmer gegangen, wenn sie es bis zum heutigen Tag nie getan hatte? Wieso war sie so voller Hass? Mein Blick wanderte zu meinen Monitoren wo ich sofort bemerkte, wie sie dagegen gehauen haben musste.

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