Kapitel 87

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Hört gerne dabei den Song: Ayliva - Traum

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Für alle Frauen, die gegen ihren Willen berührt, misshandelt und gebrochen wurden – doch nie ihren Wert verloren haben:

Ihr seid nicht die Narben, die euch zugefügt wurden. Ihr seid nicht das Schweigen, zu dem man euch gezwungen hat. Ihr seid Licht in der Dunkelheit, Stärke inmitten von Schmerz, und ein Herz, das mehr verdient als Angst.

Möge eure Stimme gehört werden, eure Wunden heilen, und eure Seelen die Freiheit finden, die euch immer zugestanden hat. Ihr seid nicht allein – und ihr wart es nie.


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A u r o r a

Mein Kopf dröhnte unerträglich, ein pulsierender Schmerz, der sich durch meinen gesamten Schädel fraß. Mein Körper fühlte sich an, als wäre er von einem Lastwagen überrollt worden – jeder Muskel schmerzte, als hätte ich Stunden, wenn nicht Tage, in einer unmöglichen Position verharren müssen. Mein Mund war so trocken, dass meine Zunge wie Sandpapier gegen meinen Gaumen kratzte, und meine Kehle fühlte sich an, als hätte ich seit einer Ewigkeit keinen einzigen Tropfen Wasser bekommen.

Ein leises Stöhnen entrang sich meinen Lippen, als ich versuchte, meine Augen zu öffnen. Doch alles, was ich sah, war Schwärze. Eine undurchdringliche, erdrückende Dunkelheit. Mein Herz begann zu rasen, während meine Atmung sich unkontrolliert beschleunigte. Panik kroch wie ein giftiges Gas durch meine Adern, als meine Gedanken sich überschlugen.

Enzo.

Die Bilder rasten unkontrolliert durch meinen Kopf. Der unermessliche Schmerz, als ich glaubte, dass er mich betrogen hatte. Die zerstörerische Wut, die mich dazu gebracht hatte, ihm unverzeihliche Dinge zu sagen. Und die entsetzliche Erkenntnis, dass ich manipuliert worden war. Mein Herz zog sich schmerzhaft zusammen, als mir klar wurde, dass ich ihn erst hätte fragen müssen, ob es der Wahrheit entsprach. Doch dafür war es jetzt zu spät.

Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken, als die nächste Erinnerung mich mit voller Wucht traf. Die dunkle Gasse. Die schweren Schritte hinter mir. Die raue Stimme des Mannes. Die kräftigen Hände, die mich gepackt hatten, bevor ich schreien konnte. Der beißende Geruch des Chloroforms, das gegen meinen Mund gepresst worden war. Dann – nichts.

Mein Körper erstarrte, als mir klar wurde, wo ich war.

„Hilfe! Hilfe! Lasst mich los! Lasst mich gehen!", schrie ich mit aller Kraft, meine Stimme überschlug sich vor panischer Angst. Ich zerrte an meinen Fesseln, zog und riss, doch das einzige, was ich erreichte, war, dass sich die Seile noch tiefer in mein Fleisch schnitten. Ein brennender Schmerz schoss durch meine Handgelenke, doch ich ignorierte ihn, weigerte mich, aufzugeben. Tränen brannten sich in meine Augen, während ich weiter schrie, lauter, verzweifelter.

Plötzlich hörte ich ein Geräusch. Schritte. Langsam, bedrohlich, hallten sie durch die Stille. Mein Atem stockte. Ich erstarrte.

Dann das scharfe Klicken eines Lichtschalters.

Blendendes Licht flutete den Raum, ließ mich blinzeln und die Umrisse meiner Umgebung erkennen. Kalter Betonboden. Karge, graue Wände. Eine einzelne Metalltür, die verschlossen war. Mein Herz raste noch schneller, als ich die Gestalt vor mir sah.

Er stand direkt vor mir. Groß, bedrohlich, ein schiefes, amüsiertes Lächeln auf den Lippen. Seine dunkelbraunen Augen musterten mich mit der kalten Berechnung eines Jägers, der seine Beute betrachtete.

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