Kapitel 93

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A u r o r a

„Ihr wollt heiraten!? Madre mía!
Aurora Henington?! Gott hört sich das heiß an!"

Lucias Stimme überschlug sich beinahe vor Begeisterung. Ihre Augen funkelten, und für einen Moment sah sie aus, als würde sie gleich aufspringen und uns beide umarmen.

Ich konnte mein Lächeln nicht zurückhalten. Es kam ganz von selbst, warm und hell, während ich langsam nickte. Dieses Ja bedeutete mehr als nur ein Wort. Es war das Echo all der Nächte voller Zweifel, Tränen und Neubeginn.

Neben mir atmete Enzo hörbar aus, und allein der Ton ließ Lucias Gesichtsausdruck augenblicklich wechseln, als sie hörte was er sagte. „Musst du eigentlich immer so laut sein? Mierda." Seine Stimme war rau und genervt, kein Funke von Humor in seinem Blick. Lucia verschränkte die Arme vor der Brust, schüttelte nur leicht den Kopf und schoss zurück, ohne mit der Wimper zu zucken. „Und musst du eigentlich immer mit einem gewaltigen Stock im Arsch durchs Leben laufen, Henington? Da mag ich dich einmal und schon fuckst du mich wieder ab!"

Dean lachte leise, beugte sich vor und drückte Lucia einen Kuss auf die Wange. „Vielleicht ist das gar kein Stock, der in seinem Arsch steckt, sondern eher sein Anacondaschwanz."

„Bist du sicher, dass der Typ nicht doch auf Männer steht?!", zischte Enzo, seine Stimme tief, rau und voller gereizter Kälte, während er Lucia direkt ansah. Jeder Ton triefte vor Genervtheit.

Dean lachte daraufhin laut, ein freches, ungehemmtes Lachen, das den ganzen Tisch erfüllte. „Ich bin dir ehrlich, Enzoline, für dich würde ich die Seiten wechseln und Lucia verlassen", sagte er mit diesem selbstsicheren Grinsen, das nur ihn so charmant wirken ließ.

Lucia lachte daraufhin spöttisch, ein kurzes, schelmisches Auflachen, das die Spannung zwischen Enzo und ihr nur noch verstärkte. Ich musste ebenfalls lachen, unfähig, mich diesem Moment der Leichtigkeit zu entziehen, doch Enzo blieb stumm.

Er schloss die Augen für einen Moment, als wolle er die Szene einfach ausblenden, die Anspannung von seinen Schultern nehmen und den Abend am liebsten hinter sich bringen. Seine Kiefermuskeln arbeiteten leicht, die Hände ruhten still auf dem Tisch, aber ich konnte die unterdrückte Spannung in jedem Millimeter seines Körpers spüren, diese Mischung aus Ungeduld, Genervtheit und kontrollierter Energie, die ihn so unvergleichlich machte.

-

Wir saßen auf der Terrasse eines der bekanntesten italienischen Restaurants der Stadt. Die Location war mehr als nur ein Ort zum Essen. Sie war ein Erlebnis. Breite Steinplatten führten zur Außenterrasse, die direkt an einen spiegelglatten See grenzte.

Der Abend war mild, und eine sanfte Brise ließ die Flammen der kleinen Tischlichter flackern. Über uns spannte sich ein tiefer Nachthimmel, klar und endlos. Sterne funkelten wie feines Silberstaub, und der Mond spiegelte sich ruhig auf der Wasseroberfläche. Der Duft von frisch gebackener Focaccia, warmem Knoblauch, Olivenöl und würzigen Tomaten lag in der Luft. Stimmen und Lachen mischten sich mit dem leisen Klirren von Weingläsern.

Ich lehnte mich leicht zurück und betrachtete die Szenerie. Dean und Lucia diskutierten gerade über irgendein Detail der bevorstehenden Hochzeit, während Enzo schweigend neben mir saß. Seine Hand ruhte auf meinen Oberschenkel, entspannt, aber wachsam, wie immer.

Er war still. Beobachtend. In sich gekehrt. Und doch wusste ich, dass er alles mitbekam. Jedes Wort, jede Bewegung.

-

„Wir müssen einen Junggesellenabschied planen, Enzoline! Er muss unvergesslich werden, mit allem, was dazugehört..."

„Nein."

Dark PassionWo Geschichten leben. Entdecke jetzt