Kapitel 81

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E n z o H e n i n g t o n

Auf dem kalten, dreckigen Boden kauerten mehrere Mädchen und junge Frauen, nicht älter als siebzehn, vielleicht achtzehn. Ihre Gesichter waren blass, ihre Augen weit aufgerissen vor Angst, ihre Körper von Erschöpfung gezeichnet. Einige hielten sich schützend die Arme um die Knie, andere zitterten unkontrolliert. Rund um sie herum befanden sich geschlossene Türen, jede davon ein weiteres Kapitel des Grauens, Räume für die widerwärtigsten Taten, die sich ein Mensch vorstellen konnte.

Meine Muskeln spannten sich unwillkürlich an, als mein Blick auf ein Mädchen fiel, das mich ansah. Ihre großen, tränenden Augen waren voller Verzweiflung und Schmerz – und doch blitzte in ihnen ein Funken des Erkennens auf.

Mein Atem stockte, und ein gewaltiger Schmerz schoss durch meinen Körper, so intensiv, dass ich mich mit einer Hand an der Wand abstützen musste, um nicht umzukippen. Es war das Mädchen, das ich vor zwei Jahren in Afghanistan vor der Taliban gerettet hatte. Das Mädchen, das mich damals angefleht hatte, sie zu retten.

Ihre Worte von damals dröhnten in meinem Kopf, als hätte sie sie gerade eben ausgesprochen: ‚Bitte rette mich.' Ich hatte ihr mein Wort gegeben. Ich hatte ihr versprochen, dass sie in Sicherheit wäre.

Doch hier war sie. Hier, inmitten des Albtraums, den ich hätte verhindern sollen.

„Ihr Blick sagt alles, mein Lieber! Ich wusste doch, dass ich mich auf meine Menschenkenntnisse verlassen kann," erklang Viktors selbstgefällige Stimme und riss mich brutal aus meinem Schock. Mein Kopf fuhr herum, und mein Blick traf seinen. Er grinste wissend, überheblich, als hätte er mich durchschaut.

Ich zitterte am gesamten Körper, meine Hände zu Fäusten geballt, die Nägel gruben sich tief in meine Handflächen. Mein Atem war flach und unregelmäßig, und doch zwang ich mich zur Ruhe.

„Woher wussten Sie, dass ich solche Vorlieben habe?" Meine Stimme war ein kaltes, kalkuliertes Knurren. Jedes Wort schmeckte bitter auf meiner Zunge, doch ich wusste, dass ich mitspielen musste.

Viktor lachte leise, als hätte ich gerade einen Insider-Witz gemacht. „Welcher Mann mag das nicht?" Er warf einen Blick auf die Mädchen und hob beiläufig die Schultern. „Jeder hat doch diese verbotenen Fantasien."

Ich nickte stumm, zwang meine Gesichtszüge in ein neutrales, fast interessiertes Lächeln, während in mir ein Sturm tobte. „Da haben Sie recht," stimmte ich zu, obwohl ich das Bedürfnis verspürte, ihm den Kopf von den Schultern zu reißen.

Mein Blick wanderte zurück zu dem Mädchen. Wäre es besser gewesen, wenn ich sie damals nicht gerettet und sie stattdessen schnell und schmerzlos getötet hätte? Dieser Gedanke fraß sich wie Gift in meinen Verstand. Nach allem, was sie durchgemacht hatte, schien ihr Leben nur noch schlimmer geworden zu sein. Und ich – ich hatte versagt. Mein Team hatte versagt. Die gesamte Delta Force hatte versagt.

„Woher haben Sie all diese wunderschönen Mädchen und jungen Frauen?" Meine Stimme klang beiläufig, fast neugierig, während ich langsam durch den Raum schritt. Mein Blick glitt über die Gesichter, die stummen Zeugen dieses Grauens, und bemerkte die Spuren an ihren Armen – Einstichstellen, frisch und entzündet. Sie waren unter Drogen gesetzt worden, willenlos gemacht, gebrochen.

Viktor folgte mir, sein Grinsen breit und selbstgefällig. „Das weiss selbst ich nicht so genau. Ich bezahle die Ware nur und der Händler bringt mir die wunderschönen Mädchen" antwortete er nonchalant.

„Woher weiß ich, dass das hier nicht nur gewöhnlichen Prostituierte sind?" Meine Stimme war ruhig, beinahe beiläufig, doch der Druck in meiner Brust machte es schwer, die Fassade aufrechtzuerhalten. „Ich will sicher sein, dass sie alle noch unberührt sind. Sie verstehen, was ich meine."

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