Kapitel 70

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Ich bemerkte sofort, wie Enzo abrupt stehen blieb. Seine Schultern versteiften sich, sein Atem wurde schwerer, und ich konnte das unruhige Schnalzen seiner Zunge hören, ein unmissverständliches Zeichen seiner angespannten Gedanken. Mein Herz raste, der Lärm meines eigenen Pulses übertönte die Stille im Raum. Und dann, ohne ein weiteres Wort, drehte er sich um und verließ das Zimmer.

Die Tür fiel hinter ihm ins Schloss, und ich blieb zurück – allein, nackt, und vollkommen verloren. Ein schweres Gefühl breitete sich in meiner Brust aus, eine Mischung aus Scham und Schmerz, die ich nicht einordnen konnte. Mein Verstand überschlug sich mit Gedanken, Fragen, Vorwürfen. Was hatte ich getan? Wieso hatte ich mich bloß auf ihn eingelassen? Und warum... warum hatte er mich jetzt allein gelassen?

Die Demütigung brannte in mir wie ein kaltes Feuer. Mein Körper fühlte sich fremd an, benutzt, und der pochende Schmerz zwischen meinen Beinen erinnerte mich an das, was gerade geschehen war. Ich spürte, wie meine Panik wuchs, meine Hände zitterten, während ich die Decke über meinen Körper zog, als könnte sie mich vor der Realität schützen.

Doch als ich die Decke beiseite schob, zog mir ein eiskalter Schock durch die Glieder. Meine Augen blieben an dem mittelgroßen roten Fleck auf dem Bettlaken hängen. Mein Magen zog sich zusammen, und mein Atem wurde unregelmäßig, als mir die Bedeutung dessen klar wurde. Eine Träne löste sich aus meinem Augenwinkel, rollte heiß über meine Wange, während ich das Laken enger um meinen Körper wickelte. Der Knoten in meiner Brust wurde enger, schwerer.

Ich zwang mich, aufzustehen, schwankend auf wackligen Beinen. Jeder Schritt schickte eine Welle des Schmerzes durch mich, aber ich wollte nur noch unter die Dusche, die Erinnerungen abwaschen, die Dunkelheit loswerden, die sich wie eine zweite Haut auf mich gelegt hatte. Doch gerade als ich den ersten Schritt machte, spürte ich plötzlich eine starke Hand, die sich fest um meinen Arm schloss.

Ein lauter Schrei entfuhr mir, bevor ich mich herumriss – und direkt in Enzos Augen blickte.

„Wohin möchtest du? Leg dich wieder hin" sagte er, seine Stimme ruhig, aber unmissverständlich. Die Art, wie er mich ansah, ließ meinen Atem stocken. Sein Gesicht war angespannt, seine Kiefer mahlten, doch in seinen Augen lag etwas, das ich nicht deuten konnte. Sie waren dunkel, aber nicht kalt – eher wie ein Sturm, der gerade erst begann.

Ich schluckte schwer, mein Herz raste, und ich folgte seinem Blick, der kurz zu seiner anderen Hand wanderte. Dort hielt er eine Wärmeflasche und ein feuchtes Tuch. Mein Verstand brauchte einen Moment, um zu begreifen, was das bedeutete, und als es endlich klickte, schoss mir die Luft aus der Lunge. Er wollte mich gar nicht allein lassen.

„Hast du Schmerzen?" fragte er plötzlich, seine Stimme war weicher als zuvor, doch in ihr lag immer noch ein unnachgiebiger Unterton. Seine Augen ruhten auf meinem Gesicht, analysierten jede meiner Reaktionen, als würde er nach etwas suchen.

Ich nickte, zu überwältigt, um mehr zu sagen. „Ja," flüsterte ich schließlich, kaum hörbar, meine Stimme brach unter der Last der Emotionen. Die Tränen, die ich bisher zurückgehalten hatte, füllten meine Augen und drohten überzulaufen.

Sein Körper versteifte sich merklich, seine Finger um meinen Arm wurden etwas lockerer, aber sein Blick wurde noch intensiver. Ohne ein weiteres Wort deutete er mit einem knappen Nicken auf das Bett. „Leg dich hin," wiederholte er, diesmal leiser, fast sanft.

Ich tat, wie er sagte, meine Beine fühlten sich schwer und müde an, während ich mich zurück auf die Matratze sinken ließ. Enzo legte die Wärmeflasche an meine Hüften, und die plötzliche Hitze sandte eine Welle der Erleichterung durch meinen schmerzenden Körper. Er setzte sich neben mich, sein Blick immer noch prüfend, bevor er mit dem feuchten Tuch vorsichtig meine Haut berührte.

Dark PassionWo Geschichten leben. Entdecke jetzt