E n z o H e n i n g t o n
Mein Puls raste, als ich endlich vor dem Anwesen hielt. Der Jeep kam mit einer scharfen Vollbremsung vor der massiven, prunkvollen Fassade zum Stillstand. Die ganze Fahrt nach New Haven über hatte mich nur ein einziger Gedanke begleitet: Fernando Sanchez zu töten. Aber nicht einfach nur zu töten – meine Finger verkrampften sich um das Lenkrad, als ich mir ausmalte, wie er leiden würde. Ich würde ihn für jede Sekunde büßen lassen, die er es gewagt hatte, Aurora anzufassen. Seitdem ich sie am Freitagabend im Club gesehen hatte, hatte sich mein Leben wieder auf den Kopf gestellt. Kein klarer Gedanke war mehr möglich, weil ich nur noch daran denken konnte, wie Fernando sie in seinem Bett benutzt hatte, jeden einzelnen verdammten Tag. Schon die Vorstellung allein brachte mich fast um den Verstand. Aber zu wissen, dass er sie auch noch dazu gezwungen hatte, ließ meine Wut kochen, bis sie sich wie Lava durch meinen Körper fraß.
Zwei Jahre lang hatte ich nichts von ihr gehört oder sie gesehen. Es war nicht so, dass ich sie nicht hätte finden können – ich konnte jeden finden, wenn ich es wollte. Doch ich hatte es nicht gewollt, weil ich mir damals keinen Grund dafür gegeben hatte. Zwei Jahre der Stille, zwei Jahre, in denen ich nie wieder so gut geschlafen hatte wie in jener letzten Nacht, als sie in meinem Zelt gewesen war. Ich hatte alles versucht, hatte sogar meinen zwei Sexpartnerinnen erlaubt, bei mir zu übernachten, in der Hoffnung, mit ihnen ebenso Ruhe zu finden. Doch es hatte nichts genützt. Es war nur mit Aurora möglich gewesen.
Ihr Gesicht flammte plötzlich vor meinem inneren Auge auf, und mein Herzschlag verdoppelte sich. Dieses Gesicht, das ich jede Nacht sah, sobald ich die Augen schloss. Jede kleine Einzelheit war mir eingebrannt. Die winzigen Lachfältchen um ihren Mund, das zarte Grübchen auf der rechten Seite, das nur erschien, wenn sie aus vollem Herzen lachte. Ihre großen, hellblauen Augen, die immer so klar und doch unergründlich wirkten. Die zarten rosa Wangen, die Sommersprossen, die fast unsichtbar waren, wenn man nicht genau hinsah. Zehn kleine Sommersprossen, waren es.
Mit einem festen Schritt stieg ich aus dem Jeep und blickte über das pompöse Anwesen, das sich vor mir erstreckte. Jede Faser meines Körpers vibrierte vor Zorn, doch ich fühlte keine Angst, keinen Funken Zweifel. Sanchez war hier, und das wusste ich nicht nur, weil ich in der Lage war, jede noch so kleine Information über ihn zu beschaffen – es war einfach zu leicht gewesen. Er war nicht wie die Männer, die ich gewohnt war, zu jagen. Fernando Sanchez war unvorsichtig, stolz und so besessen von seinem eigenen Reichtum, dass er sich in einer Scheinwelt aus Luxus und Frauenkram verloren hatte.
Langsam setzte ich mich in Bewegung, mein Blick glitt über das Anwesen. Der goldene Glanz, die überladenen Stickereien, die protzigen Verzierungen – alles daran ekelte mich an. Wie konnte ein Mann sich in so einem Überfluss sonnen? So viel Schmuck, so viel Tand und Dekadenz, es war widerwärtig.
Ich lief über den gepflasterten Weg, als würde ich gerade einen gemütlichen Spaziergang machen. Selbstbewusst, ohne Eile, denn es gab nichts, wovor ich mich fürchten müsste. Die beiden Wachen am Eingang sahen mich bereits aus der Ferne und tauschten einen schnellen Blick, als wären sie sich unsicher, was sie tun sollten. Ihre Körperhaltung verriet ihre Überforderung, als ich mich näherte – ohne eine Waffe in der Hand. Ich brauchte keine. Sanchez und seine Leute waren für mich nicht mehr als lästige Fliegen.
Die Wachen stellten sich in meinen Weg, aber ich ignorierte sie einfach und lief weiter auf sie zu, als würden sie nicht existieren. Die Verwirrung auf ihren Gesichtern wuchs. Der eine griff nach seiner Waffe, während der andere laut in ein Funkgerät sprach. Ein Fehler. Bevor sie es begriffen, hatte ich meine Arme gehoben. Mein Körper bewegte sich instinktiv, die jahrelange Ausbildung und Erfahrung der Delta Force flossen in jede meiner Bewegungen. Ich griff nach der Waffe des einen, bevor er den Abzug betätigen konnte, schlug ihm den Lauf gegen die Stirn und warf ihn mit einem gezielten Ellbogenschlag gegen die Brust zu Boden. Der andere Wachsoldat hatte kaum die Zeit, seinen Lauf auf mich zu richten, als ich mit einem gezielten Tritt seine Beine wegfegte und er rücklings fiel.
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Dark Passion
RomanceEnzo Henington ist der beste Soldat seiner Delta Force-Einheit. Mit 28 Jahren hat er sich durch seine außergewöhnlichen Fähigkeiten im Kampf und seine unerschütterliche Disziplin den Respekt aller erarbeitet. Eiskalt, unberechenbar und ernst - so ke...
