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"Schräg, denkst du nicht auch?", flüsterte Rosie leise, ihren Kopf leicht in seine Richtung beugend und ihm einen sanften Schlag gegen den Oberkörper verpassend. "Ein Flugzeugflug und das perfekte Paar ist geboren. Manche Menschen schaffen noch nicht einmal in Jahren, was die Beiden an einem Tag hinbekommen haben. Wie einfach es doch manchmal zu sein scheint."
Peter nickte langsam, doch er hatte nicht wirklich verstanden, was sie gesagt hatte. Rosie kannte ihren besten Freund gut genug, um zu wissen, wann er in Gedanken war und wann nicht. Es war ein höfliches Nicken gewesen, eine einfache Körperreaktion auf ihren kleinen Schlag gegen seinen Brustkorb. Leise aufseufzend folgte sie seinem Blick. Natürlich. MJ. Innerhalb einer Sekunde sank Rosies Laune in den Keller, auch wenn sie sich die grösste Mühe gab, sich dies nicht anmerken zu lassen. Sie verstand die Faszination ihres besten Freundes für das Mädchen nicht. Natürlich, MJ war grossartig. Sie war wunderschön, klug und Rosie würde nicht zögern zu sagen, dass das braunhaarige Mädchen zu ihren engsten Bekannten zählte, doch Peters Gefühle waren aus dem Nichts gekommen. In einem Moment war er noch der alte Peter gewesen, hatte unsicher eine Einladung zum Ball in ihre Richtung gestammelt, da sie ja beste Freunde waren und beide kein Interesse daran gehabt hatten, ihren Abend mit jemandem zu verbringen, den sie nicht wirklich mochten und im nächsten Moment liess er sie auf der Tanzfläche stehen, rannte vor ihr weg, verzichtete in den nächsten Tagen darauf, sich bei ihr zu melden, wie er es normalerweise beinahe jeden Tag drei bis vier Mal getan hatte. Und dann passierte der "Blip".
In Peters Zimmer aufwachend, hatte sie nichts mehr gewollt als ihn zu sehen. Eine Erklärung hatte sie nicht interessiert, sie hatte nicht verstehen wollen, wieso sie sich aufgelöst hatte, hatte mit niemandem darüber sprechen wollen, das Einzige, was sie wirklich gewollt hatte, war Peter zu sehen und ihn in Sicherheit zu wissen. Sie hatte ihn in die Arme schliessen wollen, wissend, dass das und nur das sie beruhigen würde. Doch er war weg gewesen und war auch nicht nach Stunden, in denen sie in seinem Zimmer gewartet hatte, aufgetaucht. Das nächste Mal, dass sie ihn gesehen hatte, war in der Schule gewesen, wo sie dann nach einigen Tagen hatte feststellen müssen, dass sich irgendetwas verändert hatte. Ihre Freundschaft war angespannter, kühler und Peter hatte aus dem Nichts ein Interesse an MJ entwickelt.
Rosie hätte gelogen, hätte sie gesagt, dass es ihr keinen Stich versetzte. Seit Jahren hatte sie ihn gemocht. Peter, der ungeschickte, schüchterne Junge, der Junge, der immer für sie da gewesen war und sie immer zum Lachen gebracht hatte. Die Angst davor, ihre Freundschaft mit ihm zu gefährden, hatte sie davon abgehalten, nach ihren wahren Gefühlen zu handeln oder ihm diese zu gestehen und nun, wo ihre Freundschaft bereits von alleine zerfiel, gab es keinen Grund mehr, ihm ihre Gefühle zu gestehen, wissend, dass er Interesse an jemand anderem hatte.
Rosie hasste die Liebe aus vollstem Herzen und ein Teil von ihr hasste Peter ebenfalls. Doch dieser Teil war klein. Zu klein.
"Pete!", sprach sie etwas lauter und riss ihn damit endlich aus seinen Gedanken. Mit einem fragenden Blick wandte er sich ihr zu und Rosie tat ihr Bestes, um ein überzeugendes Lächeln auf ihrem Gesicht erscheinen zu lassen. "Ned und Betty machen eine Gondelfahrt. Du weisst, ich bin kein grosser Fan von Wasser und da habe ich mich gefragt, ob... ob du mit mir zum Glockenturm kommst. Er ist bloss einige Strassen entfernt von hier. Ich verspreche auch, dich nicht allzu sehr mit historischen Details darüber zu langweilen.", lächelte sie und vergass mit jeder vergehenden Sekunde, in welcher sie in sein Gesicht blickte, in seine dunkelbraunen Augen, mehr und mehr ihre Trauer. Ihr erzwungenes Lächeln wurde zu einem echten. Zumindest für einige Sekunden.
"Ich... habe etwas zu tun. Es tut mir Leid.", murmelte Peter, mit Bedauern und Reue feststellend, dass ihr Lächeln brach und die Wärme in ihren blauen Augen verschwand. Der Wunsch, seine Worte zurückzunehmen und seinen Plan zu ändern kam in ihm hoch, doch er verdrängte ihn. Er hatte einen Plan. Er musste ihn befolgen. Er hatte einen Plan. "Ein anderes Mal?"
"In Ordnung, Pete.", murmelte Rosie leise. Peter hätte blind und taub sein müssen, um nicht zu erkennen, wie viel Trauer seine Worte in Rosie verursachten. Ihre wahren Gefühle durchfluteten ihre Gesichtszüge und ihre Stimme, niemand hätte sie übersehen oder überhören können. Doch Blindheit und Taubheit war genau das, worunter Peter litt. Die beiden Freunde standen noch für eine Weile nebeneinander, schweigend und sich der unangenehmen Nähe voneinander bewusst, ehe Peter sich ruckartig von ihr abwandte, in eine Richtung zeigte, etwas von wegen "ich muss gehen, wir sehen uns" murmelte und mit grossen, schnellen Schritten in der Menschenmasse um sie herum verschwand. Rosie blieb zurück, lauschte für eine Weile Neds und Bettys Gekicher auf der Gondel und suchte sich dann ihren Weg alleine in die Richtung des Glockenturms.
Erst Venedig, dann Paris. Sie würde zwei Städte besuchen, die beide als "Stadt der Liebe" bekannt waren und beide würde sie mit einem gebrochenen Herzen betreten.
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Peter Parker und Rosie Blues Geschichte begann, wie viele Freundschaften begannen, am ersten Schultag. Rosie, absolut beeindruckt von Intelligenz und strebend nach Wissen, hatte seit dem Moment, als Peter Parker an ihrem ersten Schultag unsicher seine Hand gehoben hatte und die Lehrerin auf einen Rechnungsfehler hingewiesen hatte, gewusst, dass er etwas besonderes war. Etwas besonderes wie sie, denn auch sie selbst besass einen höheren IQ als Kinder in ihrem Alter, einen viel höheren IQ, um genau zu sein. Wie viel höher? Nun, ein oder zweimal in ihrem Leben war bereits das Wort "Genie" gefallen. Vielleicht auch etwas öfters als ein oder zweimal.
Bereits mit zehn Jahren hatte sie mehrere Sprachen fehlerlos beherrscht und was Mathematik und Naturwissenschaften anging, war es nicht selten vorgekommen, dass sie die Lehrer verbessert hatte. Es war also nicht überraschend, dass Rosie Blue bereits seit klein auf gelernt hatte, auf ihre Intelligenz stolz zu sein. Als ein Junge also am ersten Schultag laut "Streber" in Peters Richtung gerufen hatte, hatte sie reagiert. Ihre Reaktion hatte ganz normal begonnen, sie war aufgestanden, hatte mit weise gewählten Worten argumentiert und dem Jungen klar und deutlich machen wollen, dass bloss Menschen ohne Intelligenz andere verspotteten, die welche besassen. Doch der Junge hatte bloss gelacht und so war dem temperamentvollen Mädchen gar nichts anderes übrig geblieben, als nach einem Buch zu greifen und es ihm über den Kopf zu ziehen.
Der erste Schultag hatte mit einem weinenden Jungen, einem Besuch beim Schulrektor und dem Beginn einer unzertrennlichen Freundschaft geendet.
Über die Mauer des Turmes lehnend, konnte Rosie nicht anders, als sich zu fragen, was Peter in diesem Moment tat. Was konnte so wichtig sein, dass er es alleine tun wollte? Wieso erzählte er es ihr nicht? Wieso hatte er begonnen, Geheimnisse vor ihr zu haben? Eine Welle der Trauer erfasste sie. Früher hatte er ihr immer alles erzählt.