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Sie schwieg. Sie liess sich von James vom Zimmer wegführen, hörte auf die beruhigenden Worte, die er ihr zusprach und war dankbar um die unterstützenden Hände, die ihre Haltung sicherten. Erst, als er bereits vor dem Krankenflügel mit ihr stand, wehrte sie sich und blieb stehen. Wieso sie es früher nicht getan hatte, wusste sie auch nicht. Vielleicht, weil es sich gut angefühlt hatte nicht zu sprechen. Vielleicht weil es einfacher gewesen war, nicht zu sprechen.
"Ich muss dort nicht hinein.", wisperte sie. "Ich bin nicht krank... ich... ich brauche Wasser. Ganz dringend Wasser. Es muss weg...", stammelte sie leise mit einem Blick auf ihre Hände, bevor sie ihren Kopf hob. James musterte sie aus besorgten Augen, nicht verstehend was sie meinte. Ein leises, trauriges Lachen entkam ihr. "Wer hätte gedacht, dass James Potter einmal derjenige sein wird, der sich am meisten um mich sorgt?"
Er ging nicht auf ihre Worte ein, beobachtete sie bloss eine Weile mit seinen haselnussblauen Augen und zuckte dann etwas ratlos mit seinen Schultern. Er war überfordert mit der ganzen Situation, das erkannte sie sofort. Wer wäre nicht überfordert gewesen? Sie war ihm bereits dankbar dafür, dass er es versuchte. Das war mehr, als viele getan hätten, mehr als die Schlangen getan hätten, mehr als ihre Familie getan hätte.
"Was muss weg?"
"Das Blut."
"Riley, da ist kein Blut.", wisperte er leidend und nahm dabei sanft ihre beiden Hände in seine, als wollte er ihr somit zeigen, dass sie nicht rot, nicht klebrig waren. "Das Blut war bloss der Irrwicht, nichts davon war wirklich real."
"Aber es hat sich real angefühlt.", wisperte sie abwesend, bevor sie sich umdrehte und von ihm weg stolperte. Nicht darauf achtend, ob er ihr nun folgte oder nicht. Sie musste sich waschen, egal, ob nun reales Blut auf ihrem Körper war oder nicht, sie spürte es. Sie spürte die klebrige Textur, die Wärme, roch den eisernen Geruch und konnte den Gedanken, dass es von Jake war, nicht loswerden. All das Blut an ihrem Körper und ihren Händen von der einen Person, welche sie tatsächlich liebte und immer lieben würde. Sie konnte keine Minute länger damit auf ihrem Körper und in ihren Gedanken leben.
James folgte ihr, versuchte allerdings nicht, sie umzustimmen und sie dennoch in den Krankenflügel zu bringen. Er war sich sicher, dass in diesem Moment niemand so gut wusste, was Riley Fitzgerald benötigte, wie Riley Fitzgerald selbst, niemand verstand, auch nicht er, unter was für einem Schock sie stand.
Vor dem Vertrauensschüler-Badezimmer hielt James zögerlich an. Sollte er nun mitgehen oder nicht. Sein Verstand sagte nein, so wie er es auch sollte, doch seine Gefühle sprachen laut das Gegenteil. Er konnte sie nicht alleine lassen, wusste er doch nicht, was sie tun würde. Die Verzweiflung und den Schock auf ihrem Gesicht und in ihren braunen Augen erkennend, gepaart mit der Tatsache, dass sie sich in den letzten Wochen seid den Sommerferien äusserst auffallend und nicht wie sich selbst verhallten hatte, riefen in ihm die Furcht auf, dass das Mädchen etwas vollkommen dummes in der Einsamkeit tun könnte. Die Jugend hatte nicht bloss ihre guten Seiten. Die Jugend konnte zerstörend sein, sich zumindest so anfühlen. Einzelne Empfindungen, einzelne Geschehnisse konnten sich schnell in Wellen und dann in einen Strom verwandeln, der dich mitriss, nach unten zog und dir das letzte bisschen an Luft raubte. Ein gebrochenes Herz konnte das Leben zerstören, Stress konnte eine Depression hervorrufen. Jugend war gefährlich. Und das wusste James, obwohl er selbst immer von solchen Gefühlen verschont geblieben war. Er wollte nicht, dass Riley Fitzgerald auf Grund ihrer Jugend etwas tat, was man nicht mehr rückgängig machen konnte und wodurch er sie vielleicht verlieren würde.